Teil 2: Der Export der neuen Motoren – Ankunft und Auslieferung der Motoren in Panama

Die Organisation des Exports unserer Motoren verlief in Deutschland erstaunlich gut. Nicht zuletzt auf Grund der guten Zusammenarbeit mit der Spedition Schenker und der ausgezeichneten Infrastruktur Deutschlands. Das der schwierigste Part des Exports nach Ankunft des Containerschiffes in Panama (Colon) beginnen wird, davon konnten wir uns durch diverse Geschichten anderer Segler vorab ein Bild machen. Die Zusammenarbeit mit dem panamesischen Zoll bedürfe selbst mit einem engagierten Agenten viel Geduld sowie eine Hand voll Gebühren und Provisionen, prophezeite uns jeder in Panama. So wundern wir uns kaum, als 14 Tage nach Ankunft des Containerschiffes eine Palette voll mit Philips Rasierern anstelle unserer beiden neuen Motoren auf dem Weg in die Marina ist.

Wir lachen laut auf, als der Truckfahrer uns ein Foto von der geladenen Ware schickt. Irgendetwas kam ihm auf halben Weg in die Marina nicht richtig vor. Nach Gelächter folgen Zweifel. Der Truckfahrer muss wieder ganz zurück zum Containerhafen fahren und schauen, ob und wo er die richtige Ware findet. Da unsere Kiste mit den Motoren vom Containerhafen in Colon erst nach Panama City geschickt wurde und von dort nach Zollfreigabe wieder zurück nach Colon, besteht sogar die Möglichkeit, dass die Kiste noch in Panama City ist. Wir sitzen indes auf heißen Kohlen. Die Lieferung der Ware wird uns seit ein paar Tagen versprochen. Der Termin für das Herausheben von Schironn ist festgelegt und unsere Freunde, die extra aus anderen Teilen der Welt angereist sind, um uns beim Motorenwechsel zu helfen, rast die Zeit davon.

 

Nach Ankunft des Containerschiffes in Panama übernimmt Schenker Panama, die Auslandsstelle von Schenker Deutschland die anfallenden organisatorischen Formalitäten (Zollabwicklung und Lieferung der Ware in die Marina). Wir hatten uns nicht zuletzt für die Spedition Schenker entschieden, weil sie über eine Auslandsstelle in Panama verfügt. Dies erspart uns einerseits das Engagieren eines lokalen (meist teuren) Agenten, um die Ware aus dem Zoll auszulösen und bietet uns andererseits die Möglichkeit bei möglichen Problemen oder Verständnisschwierigkeiten bei Schenker Deutschland nachzufragen.

 

Die Zusammenarbeit mit Schenker Panama startet richtig gut. Wir sind positiv überrascht, als wir bereits zwei Tage nach Ankunft des Containerschiffes im Hafen von Colon eine E-Mail von Schenker Panama erhalten.

 

Die E-Mail informiert uns auf Spanisch über die Ankunft unserer Ware und beinhaltet eine Auflistung von Informationen bezüglich der weiteren Geschehnisse. Die Auflistung ist offensichtlich ein standardisierter Text und wir haben Schwierigkeiten zu erfassen ob, und wenn ja, was wir tun müssen. So gehen wir zu diesem Zeitpunkt der Aufforderung nach Geld für die Auslösung der Ware aus dem Zoll zu überweisen und warten auf weitere Instruktionen. Etwa eine Woche später erhalten wir per E-Mail die Info, dass die Anfertigung eines Dokuments für den Zoll von Nöten sei. Die telefonische Rücksprache mit der Kollegin von Schenker Panama gibt Entwarnung: nicht wir müssen das Dokument erstellen, sondern Schenker Panama erstellt es. Warum wir in der E-Mail aufgefordert wurden, das Dokument zu erstellen bleibt uns unklar.

 

Die weitere telefonische Kommunikation mit der Kollegin von Schenker Panama deckt allerdings auf, dass unsere Ansprechpartnerin selber geringfügige Ahnung von den Abläufen hat. Alle Fragen unserseits lösen nichts als Fragezeichen bei ihr aus und werden alle samt mit: „Äh, da muss ich nachfragen“, beantwortet. Sie vertröstet uns auf einen Rückruf, bei dem sie uns dann alle Fragen beantworten wird.

 

Panamas Einfuhrbestimmungen sind für uns attraktiv. Sofern die Lieferadresse der Ware mit den Worten „Yacht in Transit“ gekennzeichnet ist (das Zeichen, dass die Ware nur temporär in Panama bleibt), werden keine Steuern auf die Ware fällig.

 

Das der Import unsere Motoren steuerfrei ist, erzählen wir indes der Kollegin von Schenker Panama ein dutzend Mal. Auch die von uns in jeder E-Mail angegebene finale Lieferadresse der Marina wird nicht zur Kenntnis genommen. Zwischenzeitlich gehen wir sogar davon aus, doch anderweitig einen Transport unserer Ware von Colon in die Marina arrangieren zu müssen. Schließlich beziehen wir parallel Schenker Deutschland mit in den Planungsprozess ein, um die Lieferung bis in die Marina sicher zu stellen. So vergeht etwa eine weitere Woche in der wir parallel mit Schenker Panama und Schenker Deutschland kommunizieren sowie Schenker Deutschland, Schenker Panama instruiert den Zoll schnellstmöglich abzuwickeln und die Lieferung bis in die Marina zu organisieren.

 

Am 12. Tag nach Erhalt der ersten E-Mail von Schenker Panama ist es dann endlich soweit. Uns wird versprochen, dass die Ware an diesem Freitag ausgeliefert wird.

 

Doch der versprochene Anruf am Freitagmittag bringt nicht die freudige Nachricht über die genaue Ankunftszeit der Ware sondern Schenker Panama entschuldigt sich: „Leider sei heute kein Lastwagenfahrer mehr gefunden worden. Die Motoren werden erst am Montag ausgeliefert.“

 

Wir bringen unseren Unmut am Telefon zum Ausdruck. Tyrone und Sven weisen die Kollegin von Schenker Panama darauf hin, dass sie zu einem persönlichen Gespräch im Büro aufschlagen werden, sollten weiterhin Zusage nicht eingehalten werden. Auch Schenker Deutschland übt Druck aus.

 

Als wir am Montagmorgen dann tatsächlich den Kontakt des Lastwagenfahrers, erhalten, ist die Freude und die Aufregung unsererseits riesig. Der Fahrer hält uns nun dauerhaft über seinen Zeitplan auf dem Laufenden. Als er auf halbem Weg in die Marina ist, kommt ihn jedoch etwas nicht ganz richtig vor und er kontaktiert uns telefonisch. „Also, irgendwie habe ich das Gefühl nicht die richtige Ware geladen zu haben. Kann ich euch ein Foto schicken, damit ihr verifiziert, ob es sich um eure Ware handelt?“, fragt er.

 

Per Whats App erhalten wir Fotos. Es ist definitiv nicht die Holzkiste mit unseren Motoren. Auf den Fotos sieht man eine Europalette voll mit Rasierern von Philips. Echt jetzt?

 

Der Lastwagenfahrer muss wohl oder übel umdrehen und schauen, ob die richtige Ware überhaupt in Colon ausfindig zu machen ist.

Aber dann stehe ich gegen 17 Uhr erwartungsvoll am Ende der Straße, die in die Shelter Bay Marina führt und sehe wie der Lastwagen um die Ecke fährt. Er hat unsere Kiste gefunden, geladen und sich schnellstmöglich wieder auf den Weg gemacht. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind zu Weihnachten, meine Augen leuchten, ich laufe hektisch hin und her und weise dem Lastwagenfahrer den Weg zum Entladeplatz. Auf dem Trockendock, genau dort, wo Schironn morgen selbst stehen wird, soll sie abgeladen werden. Das Büro der Marina ist bereits geschlossen, so dass uns kein Gabelstapler mehr zur Verfügung gestellt werden kann. Zu unserem Glück hat der Truck jedoch eine integrierte kleine Laderampe. Und auch aus dem Büro der Marina kommt, trotz Feierabend der nette Kollege zur Hilfe.

 

Obwohl die Sicherheit der Laderampe mehr als zu wünschen übrig lässt, findet unsere 600kg schwere Kiste ihren Weg sicher zu Boden. Sogleich öffnet Sven die Kiste mit dem Brecheisen. Das Holz der Kiste ist an diversen Stellen verrottet, schimmelig und richtig schwarz.

 

Offensichtlich muss sie lange im Regen gestanden haben. Nun sind wir richtig froh die Investition in die Holzverschalung getätigt zu haben. Zwar war die Verschalung genau so teuer wie der Platz der Kiste im Containerschiff von Hamburg nach Panama, aber das Ergebnis der deutschen Wertarbeit überzeugt. In der Kiste sind die Motoren mehrfach durch Plastikhüllen verschweißt und durch eine Plastiklammelle über der gesamten Ware vollkommen vor eindringender Feuchtigkeit geschützt. Alles ist trocken, heil und nichts fehlt.

 

Ich muss nur noch ein paar Papiere unterzeichnen und wir haben den Export unserer Motoren von Hamburg nach Panama erfolgreich abgeschlossen.

 

Von dem Tag, an dem ich die erste Spedition angeschrieben habe bis zu dem Tag an dem die Motoren in Panama vor uns stehen sind etwas mehr als 9 Wochen vergangen. Die Zollabwicklung in Panama inklusive Auslieferung der Ware hat 14 Tage gedauert. Wir sind stolz auf das Ergebnis unseres ersten internationalen Exports.

 

Morgen wird Schironn aus dem Wasser gehoben und der Einbau der neuen Motoren beginnt.

 

An dieser Stelle einen Dank an die Spedition Schenker, die uns immer mit Rat und Tat durch den Export geführt hat. Wir würden uns wieder für Schenker entscheiden. Einen Dank an AKF Siemers Hamburg GmbH und dessen extrem professionelle Verschalung, die unsere Motoren heil in Panama ankommen lassen haben. Und natürlich einen ganz besonderen Dank an meinen Vater, der mir mal wieder eine unglaubliche Hilfe war!

 

Nächster Bericht: „Motorenwechsel – raus, rein: 5 Tage. Rekordzeit!“ folgt

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Uli (Montag, 21 Mai 2018 09:44)

    Gratulation, top organisiert und man ahnt die Sorgen und Nöte zwischendurch. Es geht halt nix über gute Menschen an der Seite!