Motorenwechsel – raus, rein: 5 Tage. Rekordzeit!

Auf dem Trockendock kommt uns jeden Tag ein älterer Texaner besuchen, um sich ein Bild von dem gemachten Fortschritt des Motorenwechsels zu machen. Als er am dritten Tag bereits den neuen Backbordmotor im Motorraum vorfindet, traut er seinen Augen kaum. Wir würden wohl ohne Pause durcharbeiten, stellt er anerkennend in den Raum. In Texas hätten sie ein bestimmtes Wort für Menschen, die zu viel arbeiten und nie aufhören. Ob es in Deutschland auch eine Bezeichnung dafür gibt, fragt er uns. In Deutschland, ein Wort für jemanden, der zu viel arbeitet?? Zuviel Arbeiten? Nein, sowas kennen wir Deutschen nicht!

Sven und unser guten Freund Tyrone aus dem Rio Dulce in Guatemala legen eine Rekordleistung hin. Nach fünf Tagen auf dem Trockendock sind die alten Motoren ausgebaut, die neuen Motoren eingebaut, das Tagestanksystem komplett neu aufgebaut und Schironn abfahrbereit zurück im Wasser.

 

Am ersten Tag nach Ankunft der Motoren sind wir erst einmal den halben Tag damit beschäftigt Schironn aus dem Wasser kranen zu lassen. Das Kranen ist in der Shelter Bay Marina doppelt so teuer wie in Guatemala. Und der Platz auf dem Trockendock doppelt so teuer wie ein Platz im Wasser am Schwimmsteg. Die Preise sind absolut unverhältnismäßig für Panama. Dennoch bietet die Shelter Bay Marina, verglichen mit den zwei anderen Marinas in Lindton, welche nur unweigerlich wenig günstiger sind und nichts zu bieten haben, die bessere Infrastruktur.

 

Nachdem Schironn sicher in den Schlingen hängt, mit dem Hochdruckreiniger von ihrem grässlichen Muschelbewuchs befreit ist und darauf wartet auf dem Anhänger des Treckers an ihren finalen Standort gebracht zu werden, können wir uns dem Auspacken der gestern angekommenen Kiste widmen.

 

Am Ende des Tages ist alles ausgepackt und sortiert. Außerdem haben die Jungs bereits die neuen Saildrives gedreht. Aus Platzgründen sind unsere Motoren nämlich verkehrt herum im Motorraum eingebaut.

 

Die neuen Motoren sind fertig für den Einbau und am nächsten Morgen sind Tyrone und Sven schneller als man gucken kann in den Motorräumen abgetaucht. Sie lösen die alten Motoren von dem Diesel Vor- und Rücklauf von der Wasserzufuhr und dem Auspuff sowie von der Stromversorgung. Es ist nicht mal 10 Uhr morgens. Während das Leben in Panama gerade erwacht, haben die Deutschen bereits einen Kran zum Herausheben der Motoren gebaut. Mit der Gangway, ein paar Rollen und dem Grossfall ist ein stabiles Konstrukt entworfen. 15 Minuten später ist der Backbordmotor aus dem Motorraum auf Schironns Heck gehoben, von dort auf den Boden abgeseilt und schließlich nur mit Muskelkraft der beiden Jungs ein paar Meter weiter im überdachten Arbeitsbereich der Seglercommunity abgestellt.

 

Der sich im Backbordmotorraum angesammelte Dreck des letzten Jahrzehnts fällt Tyrones Händen sogleich zum Opfer. Mit der Stichsäge und der Flex passt er anschließend die Durchlässe für den Saildrive an die Größe der neuen Saildrives an. Auch der Steuerbordmotor ist am Ende des Tages ausgebaut und im Arbeitsbereich der Seglercommunity zwischengelagert.

 

Tag drei und vier auf dem Trockendock gestalten sich ähnlich geschäftig. Der Steuerbordmotorraum wird von Sven einer gründlichen Reinigung unterzogen, acht Löcher gebohrt sowie die Gewinde geschnitten damit der neue Saildrive passt, das Tagestanksystem im Backbordmotorraum neu aufgebaut sowie die Elektronik vorbereitet. Am dritten Tag ist der neue Backbordmotor bereits mit Hilfe des selbst gebauten Kransystems im Motorraum platziert. Am vierten Tag ist auch der Steuerbordmotor an seinem Platz. Die Saildrives sind eingebaut und an den Motoren befestigt.

Als wir am Abend des dritten Tages mit der Seglercommunity zusammen grillen, kann es keiner glauben, dass wir nicht den Gabelstapler der Marina brauchen, sondern die Motoren mit Muskelkraft und eigener Krankonstruktion bewegen.

 

Am fünften Tag fahren wir alle zusammen nach Colon einkaufen, um Dinge wie z.B. Dieselfilter, eine Menge Öl und Kühlflüssigkeit sowie Spritschläuche einzukaufen. Ein großer Vorteil unserer neuen Sole Motoren ist, dass man diverse Verschleißteile, wie z.B. Filter oder Spritpumpe in günstigen Autozubehörläden erhält und nicht wie bei unseren alten Yanmar Motoren nur in überteuerten Marinebedarfläden. So kostet zum Beispiel eine neue Spritpumpe für die Yanmar Motoren 270 €. Eine neue Spritpumpe für die Sole Motoren kostet indes nur 20 € im Autozubehörladen. Dank Tyrone, der gut spanisch spricht, finden wir in kürzester Zeit alles was wir brauchen.

 

Obwohl wir erst am Nachmittag wieder zurück in der Marina sind, arbeiten die Jungs noch weiter an den Motoren. Bis zum frühen Abend sind die Kabel für die neuen Schaltpanele verlängert, die Elektronik fertig, die neuen Motoren an der Spritversorgung, der Wasserzufuhr und am Auspuff angeschlossen.

 

Um 20 Uhr - es ist bereits dunkel - starten wir in versammelter Runde erst den Backbordmotor, namens Betty und dann den Steuerbordmotor, namens Sarah-Jane. Ich darf den Schlüssel des neuen Schaltpanels, welches noch nicht eingebaut und somit noch mobil ist, drehen. Der Motor erwacht zum Leben und schnurrt angenehm leise. Viel leiser als unsere alten Yanmar Motoren.

Sie laufen, das Kühlwassersystem funktioniert!

 

Die Jungs sind allerdings fix und fertig. Ihre Körper, von der tagelangen Arbeit in den engen Motorräumen, völlig geschunden. Und ich kann es noch kaum glauben, dass alles so gut geklappt hat.

 

Früh am nächsten Morgen stehen schon die Arbeiter der Marina vor der Tür, um Schironn auf den Anhänger des Treckers zu verfrachten und sie zurück ins Wasser zu kranen. Während das Rauskranen einen halben Tag gedauert hat, geht nun alles fix und Schironn liegt in kürzester Zeit zurück im Wasser längsseits am Steg.

 

„Und wie lange musstet ihr dann noch an den neuen Motoren arbeiten, als ihr mit Schironn wieder im Wasser wart?“, werden wir von vielen gefragt. „Überhaupt nicht mehr!“ Ein paar Stunden später verlassen wir unter Motorkraft die Marina und begeben uns auf Probefahrt zu den San Blas Inseln. Das Ziel für eine Probefahrt, könnte nicht besser sein.

 

Und das Ergebnis der Probefahrt überzeugt: die Motoren laufen ohne Beanstandung. Die Jungs haben ihren Job nicht nur in Rekordzeit absolviert, sondern auch in bester Qualität.

 

Es ist schon komisch, wie manchmal das Unglück über einen hereinbricht (kaputte Motoren, Blitzeinschläge, Einbruch, kaputter Laptop etc.) und sich dann im nächsten Lebensabschnitt alles wunderbar fügt und perfekt klappt. Als ich unseren Freund und Motorspezialist Tyrone im Sommer aus Deutschland anschrieb, um zu fragen, ob er und seine Freundin Jess uns vielleicht in Panama besuchen sowie uns beim Motorenwechsel helfen kommen wollen, hatte ich gerade erst den Kauf der Motoren abgeschlossen. Wir hatte keine Ahnung, wie lange es wohl dauern würde bis die Motoren nach Hamburg geliefert werden und noch viel weniger Ahnung, wie der Export verlaufen wird. Die Anfrage bei Tyrone war also ziemlich utopisch und wahrscheinlich fast mehr eine Warnung, dass wir ihn in naher Zukunft öfter mit Fragen zum Motorenwechsel kontaktieren werden.

So schien es dann auch lange utopisch, dass die beiden nach Panama kommen werden. Bis wir kurz vor Abfahrt aus Portobelo den positiven Anruf von Tyrone erhalten: Er habe gerade das Angebot erhalten einen Trimaran von Guatemala nach Panama zu überführen. Seine Freundin Jess würde zeitgleich bereits nach Flügen von der Westküste der USA, wo sie aktuell arbeite, schauen.

 

Am Ende passte dann alles zeitlich wie die Faust aufs Auge. Eine Woche vor Ankunft der Motoren, sind die beiden bei uns in der Shelter Bay Marina. Zeitgleich sind noch zwei Freunde aus Deutschland zu Besuch. Zu sechst auf dem Schiff genießen wir die Zeit in der Shelter Bay Marina in vollen Zügen.

 

Tyrone, der deutsch, englisch, italienisch und spanisch spricht, ist uns bei der Kommunikation mit Schenker Panama bereits eine große Hilfe. Nach einer Woche gespickt mit Abenteuertouren, gutem Essen und faulen Stunden im Pool, sind die Motoren dann tatsächlich da und die Arbeit beginnt. Viel später hätten die Motoren nicht ankommen dürfen. Tyrone und Jess hatten nicht ewig Zeit und so blieb am Ende sogar noch genug Zeit für die gemeinsame Probefahrt zu den San Blas Inseln.

 

Danke Tyrone! Danke Jess! Ihr seid die Besten!

 

Nächster Bericht: „Gangstermäßige Erpressung durch den Ältestenrat der Kuna Indianer auf Isla Povenir, San Blas Islands“ am 2. Juni 2018

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