Der Export der neuen Motoren von Hamburg nach Panama – Teil 1

Neuer Sole Motor
Neuer Sole Motor

Unsere alten Yanmar Motoren machen uns seit der Karibik Stress. Einer von Beiden zickt seit jeher immer rum und lässt uns in regelmäßigen Abständen im Stich. Als wir in Panama ankommen, springt der Backbordmotor gar nicht mehr an. Wir wechseln die Zylinderkopfdichtungen, den Anlasser, die Injektoren sowie die Filter mit Hilfe eines lokalen Mechanikers. Die Reparaturen ziehen sich durch die Unzuverlässigkeit des Mechanikers sowie die langen Lieferzeiten von Ersatzteilen hin. Als der Backbordmotor wieder läuft, gibt unmittelbar danach der Steuerbordmotor den Geist auf. Er spuckt schwarzen Rauch aus. Eine Kolbenringdichtung scheint der Übeltäter zu sein. Unser Mechaniker macht sich derweilen rar und meldet sich schließlich gar nicht mehr zurück. Wir sind genervt, denn die Reparaturen nehmen bereits mehrere Monate in Anspruch. Die Zeit in Panama streicht dahin, die Saison, um den Pazifik zu überqueren ist längst passe. Als wir beschließen im Sommer einen Heimaturlaub zu machen, steht für uns gleichzeitig fest, dass wir mit diesen Motoren nicht in den Pazifik gehen wollen.

Beim Kauf des Schiffes waren die Motoren bereits generalüberholt. Weitere Reparaturen lassen sich in nächster Zeit definitiv nicht ausschließen, die Versorgungslage mit Ersatzteilen und kompetenten Mechaniker wird im Pazifik noch viel schlimmer sein. Es nützt nichts, wir brauchen neue Motoren. Die Entscheidung ist getroffen. Auf Grund des unschlagbaren Preises und der guten Bewertungen entscheiden wir uns für Sole Motoren, Motoren von Mitsubishi. Bestellen tun wir sie über den Bootszubehörladen Nauticshop24 von unserem Freund Christian bei Allpa in Holland.Zwei Tage nach Überweisung des Geldes sind die Motoren in Hamburg. Sie und die neuen Saildrives liegen gestapelt auf einer Europalette, das Paket wiegt in etwa 300kg.

 

Nun stehen wir vor der Aufgabe, die Motoren von Hamburg nach Panama zu bekommen. Vom Export haben wir beide keinerlei Ahnung. Also frage ich google und schreibe die erstbesten Speditionen an, die google ausspuckt. Die Angebote der Speditionen folgen unmittelbar, die Vorkostenanschläge variieren jedoch massiv. Beim Blick auf die Bewertungen der Speditionen setzt Ernüchterung ein. Welche Spedition ist wirklich kompetent und verlässlich? Wir brauchen wohl doch Tipps von Leuten, die sich in diesem Metier auskennen. Sven fragt mit Hilfe von Facebook in die offene Runde nach Hilfe und erhält innerhalb weniger Minuten reichlich Empfehlungen.

 

Sogleich klemme ich mich ans Telefon und telefoniere die Empfehlungen ab. Die nächste Ernüchterung tritt ein.  „Sie sind eine Privatperson, die etwas exportieren möchte? Nee, also entschuldigen sie, aber sowas machen wir nicht. Das können sie mal gleich vergessen“, wird mir herablassend entgegnet.

 

Das heißt also, wir müssen eine Firma beauftragen, die den Auftrag für uns erteilt? Das hieße also, die gesamte Kommunikation mit der Spedition würde nicht direkt erfolgen, sondern im Dreieck zwischen uns, der zwischengeschalteten Firma und der Spedition?

 Das kostet doch nur mehr Geld und verkompliziert die ganze Geschichte. Das gefällt mir gar nicht. Als ich meinem Vater von dem Dilemma berichte, sagt er: „Ja, also, im Prinzip habe ich ja eine Unternehmensberatungsfirma. Die besteht allerdings nur noch auf dem Papier. Ich habe mit ihr noch nie solche Geschäfte getätigt.“

 

Eine angemeldete Firma? Wie praktisch! Diese Neuigkeit bringt uns ein ganzes Stück weiter, denn in der Zwischenzeit haben wir uns auch für eine spezifische Spedition entschieden, der wir nun im Namen der Firma meines Vaters die Anfrage schicken können. Wir entscheiden uns für die Spedition Schenker, eine Tochterfirma der Deutschen Bahn. Ausschlaggebend für diese Wahl ist die Tatsache, dass Schenker über eine Auslandsstelle in Panama verfügt und damit die Organisation der Lieferung der Motoren ab Panama inkludiert werden kann. Ich schicke auf der Stelle die offizielle Anfrage an Schenker raus.

Motoren und Saildrives, wie sie von Alba geliefert wurden
Motoren und Saildrives, wie sie von Alba geliefert wurden

Sven ist mittlerweile mit einer anderen Angelegenheit beschäftigt. Da die Motoren und die Saildrives auf einer Europalette geliefert wurden, will er einen Holzkasten zur Absicherung der Ware bauen. Der Plan zum Bau der Kiste mit Materialen aus dem Baumarkt steht.

 

Als ich dann mit einem netten Herren von Schenker telefoniere, betont dieser, wie wichtig es sei, dass die Ware angemessen verschalt ist. „Ja, da kümmern wir uns bereits drum“, sage ich ihm selbstbewusst. „Sie wissen aber schon, dass es sich um spezielles ISPM 15 insektizidfreies Holz handeln muss?“, entgegnet er fragend.

 

Das hätten wir uns wohl denken können, dass es irgendwelche Vorschriften für die angemessene Verschalung der Ware gibt. Wir brauchen doch eine Firma, die unsere Motoren professionell verschalt und ganz ehrlich, der Bau einer Kiste für eine 300 kg schwere Ware wäre auch eine ziemlich aufwendige Mission geworden.

 

Von Svens Mutter erhalten wir den Kontakt zu der Firma akf Siemers Hamburg GmbH. Sven fährt persönlich bei der Firma vorbei. Unsere Geschichte stößt bei den netten Mitarbeitern auf reges Interesse und uns wird sehr nett und unkompliziert geholfen. Der Auftrag für die Verschalung der Motoren ist eingetütet. Mit Hilfe eines geliehenen Anhängers bringt Sven die Motoren vom Nauticshop24 zu akf Siemers. Um die Kiste jedoch final verschließen zu können, benötigt akf Siemers die Ausfuhrerklärung. Ein Ausfuhrbegleitdokument für den Fall, dass der Zoll die Ware überprüfen möchte.

 

Bei Schenker wechseln derweilen meine Ansprechpartner täglich, bis ich schlussendlich bis zur netten Chefin der Abteilung weitergereicht werde. Auf die Nachfrage nach der Ausfuhrerklärung, sagt sie mir, dass dies Schenker übernehmen kann. Hierfür bräuchten sie lediglich eine Zollvollmacht von uns. Das Formular für die Zollvollmacht werde sie mir umgehend zusenden. „Über eine EORI-Nummer verfügen sie ja sicherlich?!“, fügt sie noch hinterher. „Eine EORI-Nummer“, wiederhole ich unsicher. „Ja, also da bin ich mir gerade nicht so sicher und werde das nachfragen.“

 

Meine Antwort kommt offensichtlich nicht gut an und die Chefin bittet mich die nächsten E-Mail mit einem offiziellen Briefkopf der Firma zu senden.

 

Als ich das von Schenker gemailte Formular für die Zollvollmacht anschaue, sehe ich es schwarz auf weiss: EORI-Nummer. Diese vom Zoll vergebene Nummer autorisiert eine Firma dazu Export zu betreiben. Der Blick auf das Formular deckt noch eine Baustelle auf. Die Steuernummer der Firma wird ebenfalls verlangt. Da mein Vater mit der Firma noch nie Export-Geschäfte getätigt hat, hat er keine Steuernummer für sie. Diese müssen wir also auch erst beantragen.

 

Zum Glück können beide Nummern online beantragt werden. In Zusammenarbeit mit meinem Vater klicke ich mich durch die Internetseiten des Zolls und des Finanzamtes, durch Formulare und deren Begleitdokumente. Ich bin begeistert, wie strukturiert und gut erklärt alles ist. Schließlich haben wir alle Anträge ausgefüllt, die nötigen Anhänge parat und senden alles ab. Sogleich erhalten wir die Rückmeldung, dass die Bearbeitung eine Woche dauern wird. Ich bin wieder begeistert darüber, dass man eine unmittelbare Antwort erhält und die Bearbeitungszeit erfährt. In Panama wäre das definitiv nicht der Fall!

 

Mein Vater wird bei Allem trotzdem ein klein wenig nervös. Machen wir alles richtig? Wer weiß, ob da noch irgendetwas kommt, was wir nicht erahnen.

 

Nach einer Woche Stillstand im Projekt Export, haben wir die Steuer- und die EORI-Nummer zusammen und können die Zollvollmacht für Schenker ausfüllen sowie absenden. Mit dem Senden der Vollmacht, ist der Auftrag für den Export unserer Motoren nun wirklich verbindlich!

 

Während wir auf die Steuer- und die EORI-Nummer warten, sitzen Sven und ich noch an der (hoffentlich) letzten Baustelle. Und zwar an der Erstellung der Packliste für den Zoll. Eine Excel Tabelle, in der die zu exportierende Gegenstände sowie deren Wert gelistet ist. Zudem muss jeder Gegenstand mit seiner spezifischen Zolltarifnummer (HS Code) versehen werden. Diese Zolltarifnummern findet man in einer riesigen Datenbank im Internet. Jeder nur erdenkliche Gegenstand hat seine eigene Nummer. Man kann sich das Ausmaß dieser Datenbank also denken.

 

Zum Glück steht eine Telefonhotline zur Verfügung, bei der man von einem netten Mitarbeiter bei Problemen durch die schier unendlich erscheinenden Verästelungen der Unterkategorien geleitet wird. Zusätzlich zu den Motoren und den Saildrives lassen wir uns nämlich die Möglichkeit ein paar Werkzeuge, die uns geklaut wurden sowie eine Rambomachete mit zu exportieren nicht entgehen.

 

Die fertige Packliste senden wir zusammen mit der Zollvollmacht an Schenker. Schenker erstellt das Ausfuhrbegleitdokument und sendet es an akf Siemers. Vom Zoll aus, scheint alles ok zu sein. Die Kiste wird geschlossen und von Schenker am Beladetag des Containerschiffes von akf Siemers abgeholt.

 

Am 20.9.2017 verlässt das Containerschiff Valparaiso Express mit samt unser Motoren den Hamburger Hafen. Die Planmäßige Ankunft in Panama ist 19 Tage später. Der erste Teil des Exports ist geschafft. Wir sind gespannt, was uns in Panama für Zollformalitäten erwarten.

Wir haben derweilen Hamburg auf Wiedersehen gesagt und sind auf dem Rückweg nach Portobelo in Panama. Und mein Vater, der hat Blut geleckt und stellt freudestrahlend in den Raum, dass er seinem Firmennamen ja jetzt durchaus den Zusatz Import und Export zufügen kann.

 

Nächster Bericht: „Teil 2: Der Export der Motoren – Ankunft und Auslieferung der Motoren in Panama“ folgt in Kürze

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Erich Uebelacker Prof. Dr. (Sonntag, 13 Mai 2018 15:51)

    Immer interessant!