Blitzeinschlag – Schironn unter Strom

 

Auch das noch: wir wurden vom Blitz getroffen!

 

Seitdem wir in Panama sind, treffen wir in sehr regelmäßigen Abständen Segler, die in Lindton, San Blas oder Portobelo vom Blitz getroffen wurden. Das Ausmaß des Blitzeinschlages ist bei den meisten Schiffen immens. GFK Bootsbesitzer berichten uns von Löchern im Rumpf, die beim Austreten des Blitzes entstanden sind. In so gut wie

allen Fällen hat der Blitz die gesamte Bordelektronik zerlegt. Kaputte

Navigationsinstrumente, kaputter Kühlschrank, kaputte Laptops, einfach alles was elektronisch betrieben wird; kaputt. Schadenshöhen von 10 – 15 000 € sind nicht ungewöhnlich. Ein Kapitän berichtet uns völlig außer sich, dass durch den Blitzeinschlag alle Kabel in seinem Mast miteinander verschmolzen seien und er die verschmolzene Masse an Kabeln nicht mehr aus dem Mast bekomme.

 

Und dann trifft uns in Portobelo auch ein Blitz.

Wie es sich anfühlt mit mehreren Hunderttausend Volt beschossen zu werden? Relativ unspektakulär.

Irgendwelche physischen Beeinträchtigungen? Nein, wir haben leider keine elektromagnetischen Superkräfte durch den Einschlag erhalten. Uns standen noch nicht mal die Haare zu Berge.

 

 

 

 

Schaden? Ein hoch auf unseren Aluminiumkatamaran, dessen Aluminiumhülle im Gegensatz zu GFK ein natürlicher Blitzableiter ist. Die Energie des Blitzes wird wie bei einem faradayscher

Käfig außerhalb des Schiffes abgeleitet und sucht sich seinen Weg nicht durch die Hülle des Schiffes.

 

Der Schaden beläuft sich auf eine zerfetzte UKW Antenne (UKW funktioniert aber noch) und eine zerfetzte Antenne des aktiven Radarreflektors sowie durchgeschmorte Platine des Selbigen.

 

Ansonsten kein Schaden. Alle elektronischen Geräte funktionieren ohne Beeinträchtigungen.

Man könnte also sagen, wir hatten Glück im Unglück. Und wir wären sicherlich ziemlich froh darüber, dass die durch unser Schiff gejagten Hunderttausenden Volt nur wenig Schaden angerichtet haben. Das wären wir wohl, wenn die Geschichte nicht einen anderen unglücklichen Vorlauf gehabt hätte.

 

Nur kurz vor dem Blitzeinschlag wurde bei uns eingebrochen. Alle Wertsachen, vom Fernseher bis hin zum Safe, indem wir schon das Geld für den Kanaltransit gebunkert hatten, waren weg. Unser Fernglas, meine Nähmaschine, die Speergun, Tauchmesser, die Drohne, Kameras, sogar Svens elektronische Zahnbürste wurden geklaut.

Ein Schaden von 10 000€. Alles war weg. Alles, außer den Navigationsinstrumenten. GPS, AIS, UKW und Radar hatten sie uns dagelassen. „Wenigstens haben sie uns die Instrumente nicht geklaut und wir können ohne Probleme sofort weitersegeln“, hatten wir nach dem Einbruch gesagt.

 

Ja, wenigstens das war noch da. Dennoch liegen wir in der Nacht des Blitzeinschlages demotiviert und mit einer Schwere auf dem Herzen, Arm in Arm in der Koje. Wir dösen vor uns hin, denn schlafen können wir beide nicht. Es regnet in Strömen und passend zu unserer Stimmung, zieht ein heftiges Gewitter auf. Mit einem Mal knallt es so

laut, dass meine Hand sich aus Reflex in Svens Oberarm krallt. Ich schaue ihn erschrocken an. „Das war so laut, ich würde wetten, der ist bei unserem Nachbarn, dem Koch aus Quebec eingeschlagen“, sagt Sven.

 

Durch das Kojenfenster sieht er, wie draußen für einen Augenblick alles hell erleuchtet ist. Abgesehen vom immens lauten Knall, merken wir sonst nix ungewöhnliches. Müde und kaputt dämmern wir langsam in den Schlaf. Als ich am nächsten Morgen ins Deckshaus gehe, fällt mir ein unangenehmer Schmorgeruch auf. Beim Rundgang

über das Deck finde ich die völlig zerfetzte UKW Antenne. Der Blitz ist nicht, wie vermutet, bei unserem Nachbarn eingeschlagen, sondern bei uns!

 

Beim Überprüfen der Bordelektronik sehen wir, dass das Panel des Radarreflektors mit schwarzem Ruß umgeben ist. Offensichtlich hat ein Teil der Ladung seinen Weg durch das Kabel des Radarreflektors genommen, ist in dessen Platine eingedrungen, hat diese völlig zerstört und ist dann durch den Minuspol aus dem Schiff ausgetreten. Der

800€ teure Radarreflektor ist völlig hinüber. Warum das UKW Gerät, dessen Antenne völlig zerfetzt wurde, hingegen keinen Schaden erlitten hat, ist uns ein Rätsel.

 

Ein paar Wochen später trifft uns dann erneut ein Blitz. Diesmal merken wir nur am Windanzeiger, dass er bei uns eingeschlagen ist. Das Windrädchen auf dem Mast liefert falsche Daten über die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit.  

 

Die Wahrscheinlichkeit zweimal in einem Monat vom Blitz getroffen zu werden, ist schätzungsweise selbst in Panama nicht hoch… Immerhin wissen wir nun, dass mehrere hunderttausend Volt unserem menschlichen Körper im Schutze von Schironn gar nichts anhaben können (ein direkter Stromschlag auf den menschlichen Körper hat bereits ab 60 Volt starke Auswirkungen). Und immerhin haben wir bei all dem Verlust wenigstens noch Uns.

 

 

Nächster Bericht:

„Der Export unserer Motoren von Hamburg nach Panama – Teil 1“ folgt in Kürze

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Erich Uebelacker Prof. Dr. (Mittwoch, 25 April 2018 12:12)

    Laaange nichts von Dir gehört. Lese immer gerne Deine Berichte.

  • #2

    Isi (Mittwoch, 25 April 2018 14:41)

    Bei euch ist es echt nie langweilig.... :O