Ungewöhnliche Ordnungswidrigkeit in Panama City

Wo ist der Haken bei unserem spottgünstigen Mietauto“, fragen wir uns, als wir im besagten Auto Portobelo Richtung Panama City verlassen. Ja, was soll schon der Haken an einem Mietauto sein? Normalerweise fragt man sich so etwas schließlich nicht. Aber bei uns ist das mal wieder ganz anders als normalweise...   

 

Eigentlich beginnt unsere Reise nach Panama City ganz gewöhnlich. Wir stehen an der Hauptstraße (naja, es gibt nur Eine) von Portobelo und warten auf einen der mühevoll bemalten Chicken Busse, der uns unter extrem lauter Musikbeschallung nach Panama City befördern soll.

 

Um die Wartezeit zu verkürzen gehen wir ein paar Meter bis zum Ortsbeginn. Hier wohnt unser Freund, Restaurantbesitzer und lokaler Dealer mit seiner Familie.

 

Lokaler Dealer? Ja, er ist der Mann im Ort, der einem auf Wunsch so gut wie alles besorgen kann – günstige Zigaretten, Alkohol sowie alles, wonach eine Nachfrage besteht. Wir kaufen bei ihm Vorrat und Tauschobjekte für den Pazifik. Bei ihm kostet eine ganze Stange Zigaretten nämlich nur lächerliche 4-5$. Im Pazifik hingegen kostet eine Packung an die 10$!

 

Wir sind nun schon lange in Portobelo, kennen uns gut und plauschen immer gerne miteinander, bzw. wir erahnen. was er uns auf spanisch mitteilt und er erahnt im Gegenzug was wir auf Englisch antworten. Viele fragende Blicke, aber am Ende verstehen wir uns immer gut.

 

„Ihr wollt für drei Tage nach Panama City? Ihr könnt mein Auto für 75$ haben, wenn ihr wollt“, offeriert er uns. 75$ für drei Tage - was für ein Schnäppchen! Das spart uns einige Taxifahrten in Panama City und ist am Ende wesentlich günstiger.

 

 „Alles klar, wir nehmen das Auto!“

 

Und schon sitzen wir in der klimatisierten gelben Limousine mit fettem Soundsystem. Eine wirklich angenehme Alternative zu den überfüllten und hitzigen Bussen. Vor allem, weil es mittlerweile übertrieben heiß ist und wir das Gepäck von Svens Mutti, die wir zum Flughafen bringen wollen, im Schlepptau haben.

 

Ziemlich zufrieden verlassen wir Portobelo. Aber irgendwie fragen wir uns auch: Was kann falsch sein an der ganzen Geschichte? Der Wagen hat satte 450 000 Kilometer runter, aber er sieht gut aus und fährt gut. Die Autopapiere sind auf eine junge Kolumbianerin zugelassen, sehen soweit aber auch gut aus.

 

Naja, schauen wir einfach mal. Wieso sollten wir schon in eine Polizeikontrolle geraten. Das passt schon alles....

 

...passt es auch, bis wir am zweiten Tag tatsächlich in die erste Polizeikontrolle geraten...

 

Am Straßenrad winken uns zwei Polizisten aus dem Verkehr. Die Autopapiere sowie unsere Reisepässe wechseln die Hände.

Oha, das könnte schon ein Problem sein. Soweit wir wissen, darf man als Tourist in Panama nur drei Monate nach Einreise Auto fahren. Der Polizist blättert in unseren Pässen, gibt aber auf Grund der immensen Anzahl an völlig unsortierten Einreise- und Ausreisestempeln die Suche nach dem richtigen Stempel schnell auf. Glück gehabt!

 

Aber irgendwas bringt sie dennoch in Unmut.

 

„Wer der Besitzer des Autos ist,“ wollen sie wissen.

„Ein Freund in Portobelo“, antworten wir in sehr gebrochenem Spanisch. Sie verlangen nach der Telefonnummer des Besitzers. „No, no, wir haben keine Telefonnummer.“

 

Also versuchen Sie uns das Problem zu schildern: Irgendwas ist mit der Colore nicht gut. Mit der Farbe des Autos? Wie jetzt? Wir dürfen kein gelbes Auto fahren? Genauso ist es. Gelbe Autos sind in Panama City ausschließlich für Taxis vorgesehen. Ein Privatauto darf nicht gelb sein!

 

Und jetzt? Wir haben Glück: die Polizisten tauschen ratlose Blicke aus und geben uns die Erlaubnis nach Portobelo zurück zu fahren. Offenkundig konnten sie uns auf Grund von sprachlichen Hürden keine Geldbuße oder ähnliches aufdrücken.

 

Jetzt finden wir unsere Witzeleien, die wir während der Hinfahrt auf Grund der vielen Menschen, die uns für ein Taxi gehalten haben und den Gedanken tatsächlich ein paar Groschen durch die Mitnahme des Einen oder Anderen zu verdienen, gar nicht mehr so lustig.

 

Und dann endet die Geschichte in einem richtigen Spießrutenlauf. Auf der Tour am heutigen Tag zum Panamakanal und zurück zum Hotel sowie auf der Tour zum Flughafen am nächsten Tag sehen wir an jeder Ecke Polizisten stehen. Wir haben das Gefühl, dass alle hundert Meter eine Kontrolle positioniert ist. Wir halten uns fern von der Autospur, die am Straßenrand angrenzt, wo die Polizisten stehen. Aber dann erwischen Sie uns doch. Ein Squadteam, zwei Mann auf einem Motorrad, kommt aus der Seitenstraße geschossen, nimmt die Verfolgung auf und lotst uns an den Straßenrand.

 

Die zwei Männer tragen urbane Tarnanzüge, Sturmhauben unter ihren Straßenversierhelmen und sind mit High Tech Maschinenpistolen bewaffnet. Die sehen auf jeden Fall nicht so nett aus, wie die Polizisten bei der ersten Kontrolle.

 

Es beginnt das gleiche Spiel, wie bei der ersten Kontrolle. Wir stellen klar, dass wir kaum spanisch sprechen, reichen die Autopapiere und unsere Pässe.

 

„Die Farbe des Autos ist nicht ok“, geben sie uns ebenfalls zu verstehen. Wir tun erstaunt. „Die Farbe??“

 

Einer der beiden Polizisten inspiziert derweilen das Auto auf der Suche nach weiteren Strafwidrigkeiten unsererseits und stellt sogleich mit ernster Miene fest, dass wir hinten kein Nummernschild haben. Sven entgegnet selbstsicher, dass aber doch vorne eins sei. Daraufhin schaut sich der Polizist das Nummernschild vorne an und gibt sein ok.

 

Schließlich lassen auch die beiden uns auf Grund von Kommunikationsschwierigkeiten ohne Strafe weiterfahren. Da haben wir aber wirklich Glück, dass wir nichts bezahlen mussten!

 

Am Flughafen werden wir beim Halten vor dem Check-In nochmal von einem Polizisten, der unsere Pässe kontrolliert und eine Predigt über die Farbe des Autos hält, heimgesucht.

 

Irgendwie schaffen wir es aber schnell aus der Situation raus zu kommen, indem wir Mutti verabschieden, lächeln und winken und uns dann so schnell es geht vom Acker machen.

 

Auf der Rückfahrt nach Portobelo fühlen wir uns schließlich, als seien wir auf der Flucht. Bitte, bitte, nicht noch eine Kontrolle! Wir haben keine Lust mehr auf noch ein Gespräch mit der Polizei. Zum Glück schaffen wir es ohne weitere Kontrolle nach Hause.

 

Zurück in Portobelo erzählen wir unserem Freund, dem Besitzer des Autos die Geschichte und er kann es kaum glauben.

 

Ein paar Tage später hat er das Auto auf beiden Seiten mit schwarzen Ziermustern beklebt und meint, dass dies ausreicht, um nicht für ein Taxi gehalten zu werden. Erst als er selber kurze Zeit später in eine Kontrolle gerät, wird ihm bewusst, dass die komplette Farbe trotz Zierstreifen ein ernsthaftes Problem darstellt. Es darf einfach nicht gelb sein!

 

Monate später hat er endlich das Geld zusammen, um es komplett um zu lackieren. Es ist nun Weinrot. Jedoch hält die neue Freiheit des straffreien Autofahrens nicht lange und er setz das Auto original eine Woche später gegen ein Haus: Totalschaden!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0