Paradies gefunden – oder um es mit Captain Jack Sparrows Worten zu sagen: „Welch wahrlich widerliche Aussicht!“

 

Neulich offenbarte mir eine Seglerbekanntschaft, dass sie die schönsten Ankerbuchten, in denen sie bisher war, auf gar keinen Fall weitererzählen würde. Das hätte schließlich nur zur Folge, dass mehr Segelschiffe dort aufschlagen würden. Nein, selbst Freunden würde sie ihre Lieblingsbuchten nicht verraten.       

Diese Aussage irritierte mich gewaltig. Ironischerweise hatte ich ihr nämlich gerade den Standort unserer absoluten Lieblingsbucht an der atlantischen Küste Panamas gegeben.

Ein echter Geheimtipp. Eine bestens geschützte Ankerbucht in der wir bisher immer das einzige Schiff waren. Ein kleines Paradies, das durch seine landschaftlichen Gegebenheiten, der tropischen Schönheit, der idealen Ankerbedingungen und der Einsamkeit die besten Voraussetzungen für eine unbeschwerte, besinnliche und friedliche Zeit erfüllt.

                           

Viele Segler finden in den San Blas Inseln ihr Paradies; von denen wir eher weniger angetan sind und die uns nicht annähernd so bezaubert haben, wie diese kleine Bucht.

 

Eine Bucht, bei der das Meer in perfekt anmutender Gleichmäßigkeit eine Rundung in das Festland geformt hat. An den beiden Enden der Rundung erstrecken sich Korallenriffe, die die Bucht, bis auf eine schmale Lücke fast komplett einschließen. Diese Lücke ist die einzige Einfahrt in die Bucht. Im Bauch der Bucht liegt man schließlich durch den Schutz der Riffe im türkisfarbenen Wasser, wie in einer Badewanne.

 

Ein weißer Sandstrand säumt die komplette Rundung der Küste. Aber anders als bei den kargen San Blas Inseln, auf denen man ausschließlich Sand und Kokosnusspalmen vorfindet, beginnt direkt hinter dem Strand dichte tropische Vegetation. Zu dieser Bucht führt keine Straße. Es gibt keinen Internetempfang. Nur zwei Familien wohnen in angrenzenden kleineren Einbuchtungen. Solange keine Strandhungrigen den Weg mit einem Lancha herfinden, sind hier nur „wir und die Natur“. Eine echte Stätte der Ruhe, an dem die Zeit still zu stehen scheint.

 

Und dann kam der Tag an dem ich in der Morgenidylle im Netz liege und außer dem Gezwitscher der Papageien die völlige Ruhe fern von dem vom Menschen verursachten Lärm genieße, als ich am Horizont zwei große Katamarane wahrnehme. Sie nehmen Kurs auf die Bucht und finden ihren Weg durch die schmale Riffeinfahrt. Ein Katamaran schmeißt seinen Anker zu unserer Steuerbordseite, der andere zu unserer Backbordseite. Im Nu sind wir umzingelt von zwei schwimmenden Häusern und mindestens 10 Menschen.

 

„Ohhhhhh nein! Was soll das denn jetzt?“ geht mir als erste Intuition durch den Kopf. „Das war es dann mit der Idylle!“

 

Wir begrüßen uns freundlich und dann beobachte ich die Neuankömmlinge. Ihre Gesichter strahlen vor Freude und vor Glück im Anblick der paradiesischen Kulisse. Sie fangen mit kindlicher Neugier an die Bucht zu Land und zu Wasser zu erkunden und tauschen sich darüber aus, wie wunderschön dieser Ort ist. Schon nach kurzer Zeit gehören die rumtollenden Nachbarn zu meiner Morgenidylle dazu. Jeder ist sogleich versunken in seinem Tun und in der Harmonie des Ortes. Am Abend laden die Nachbarn uns zum Sundowner ein und wir sitzen gemeinsam unter den Sternen bis die Mücken uns zurück in unseren geschützten Raum zwingen.

 

Schon am nächsten Tag verlassen Sie die Bucht. Wir winken, sind wieder allein und kommen zu dem Fazit: es ist doch nett die Umgebung mit anderen Seglern zu teilen. Dennoch, unabdingbar ist das Paradies, ein Paradies, weil lediglich zwei füreinander geschaffene Menschen in einer zum

Leben bestens geeigneten naturbelassenen Umgebung zusammenleben. Es ist also ein schmaler Grad und unsere Seglerbekanntschaft hatte sicher nicht ganz unrecht. Aber diesen Ort mit niemanden, den wir auf dem Weg treffen, teilen? Das kommt für uns nicht in Frage.

 

In dieser Bucht verbringen wir insgesamt an die zwei Monate. Immer wieder steuern wir die Bucht für Tage oder Wochen an. Denn die Reparaturen unserer Motoren ziehen sich über eine halbe Ewigkeit hinweg. Erst warten wir auf Ersatzteile für den Steuerbordmotor. Als dieser repariert ist, schmiert uns der Backbordmotor ab und das Warten auf Ersatzteile geht von Neuem los. Zudem wird unser Mechaniker immer unzuverlässiger, bis zu dem Zeitpunkt an dem er sich gar nicht mehr zurückmeldet. Die Wartezeiten verbringen wir in unserem kleinen Paradies. Als wir beschließen im Sommer nach Deutschland zu fliegen, entscheiden wir dort neue Motoren zu kaufen und diese nach Panama zu verschiffen. So überbrücken wir bis zum Abflug nach Deutschland drei weitere Wochen in dieser Bucht.

 

Drei Wochen im Paradies. Wird einem da nicht langweilig? Was macht man die ganze Zeit, werden wir oft gefragt. Das hatten wir uns im Hinblick auf den Pazifik auch gedrängt. Ob uns in einer solchen einsamen Szenerie nicht langweilig werden wird. Nach dieser Probe aufs Example sind wir

uns einig: insbesondere die drei Wochen am Stück in dieser Bucht war die schönste Zeit in unserem Leben.

 

Nächster Bericht: "Blitzeinschlag! Schironn unter Strom" folgt in Kürze

 

 

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