Portobelo in Panama – eine wirklich interessante Geschichte

Überschaubares Portobelo
Überschaubares Portobelo

Das finde ich zumindest. Ein wirklich geschichtsträchtiger Ort, an dem man sich wünscht ein Fernglas zu besitzen mit dem man zurück in die Vergangenheit schauen kann. Und zwar 400 Jahre zurück in die Zeit der Gold- und Silberbeutezüge der spanischen Kolonisatoren und der ausgeklügelten Piratenaktivitäten.

Nach drei super schönen Tagen auf dem Meer, auf angenehmen Halbwindkurs und mit Nachtwachen unter einem sternenklaren Himmel, sehen wir Panama am Horizont. Eine hügelige mit Regenwald bewachsene Küste liegt vor uns. Unsere Augen fangen gleichzeitig an zu leuchten - das sieht wunderhübsch aus und riecht nach neuen Abenteuern. Hier wird einem bestimmt nicht langweilig!

 

Und nun schaut her, wo unser zu Hause steht:

 

Inmitten der seit mehreren hundert Jahren als Naturhafen genutzten ca. 1,5 Seemeilen in das Festland ragenden Bucht von Portobelo stehen wir mit Schironn und werden von allen Seiten von mächtigem Geschütz visiert.

 

Vorderladerkanonen
Vorderladerkanonen

Drei spanische Festungsruinen aus dem 17., beziehungsweise 18. Jahrhundert umringen uns.

Über 30 original aus dieser Zeit stammende Kanonen richten ihre Mündungen auf uns und die Einfahrt der Bucht. Zur damaligen Zeit waren es noch einige mehr, aber nicht alle Kanonen stehen nach 400 Jahren noch an ihrem ursprünglichen Platz.

Das nenne ich mal eine wirklich gut bewachte Bucht!

Was war hier los? Warum riegelten die Spanier mit großem militärischen Aufwand die Bucht hermetisch ab?

Es gab natürlich keine geringeren Beweggründe als Reichtümer: Berge von Gold, Silber, Perlen, Schmuck oder exotische Gewürze. Alles was die Spanier in Südamerika, vor allem in Peru erbeuteten, gelang von dem heutigen Panama City auf der Pazifikseite Panamas über einen 80km langen Trampelpfad (Camino Real de Castilla Oror) durch den Dschungel nach Portobelo.

Customs House
Customs House

Die Reichtümer wurden in Portobelo gezählt und in dem eigens für diesen Zweck errichteten zweistöckigen Royal Customs House solange verwahrt bis die spanischen Galeonen aus dem Mutterland die kostbare Fracht nach Europa zur spanischen Krone verschifften. Das Portobelo zu Zeiten des 17. und 18. Jahrhunderts erweckt in mir den Anschein eines Ortes gleich Sodom oder Gomorrha. Ein Ort voller Lasterhaftigkeit und Verworfenheit.

 

Man sagt, es handelte sich um so viele Edelmetalle, dass das 1630 errichtete und noch heute gut erhaltene Royal Customs House als Lagerplatz nicht ausreichte. Nur das Gold soll in dem großen zweistöckigen Gebäude Platz gefunden haben. Das Silber wurde auf der Straße gelagert.

Allein zur Bewachung des Customs House sollen über 200 Mann gedient haben. Insgesamt waren mehr als 500 Mann auf den Festungen rund um die Bucht stationiert. Darunter hunderte Sklaven, die vor allem aus dem Kongo stammten. Wenn man bedenkt, das in Portobelo auch heute nur ein paar Tausend Einwohner leben, dann kam Portobelo zur damaligen Zeit quasi einer großen Kaserne gleich.

 

Bis zu zweimal jährlich trafen die großen spanischen Galeonen in der Bucht von Portobelo ein und mit ihnen eine Horde an ausgezehrten Seemännern. Man stelle sich vor, welch Gelage die Seemanschaften nach Ankunft in Portobelo feierten.

 

Und wenn dann noch die englischen Piraten, unter Führung von Henry Morgan, wegen denen die Festungen zur Seeseite überhaupt erst errichtet sowie stetig vergrößert wurden, es schafften, Portobelo einzunehmen sowie die Reichtümer zu erbeuten, dann herrschte hier ganz sicher Sodom und Gomorrha.

Festungsruine
Festungsruine

Und heute? Heute ist es hier ziemlich herunter gekommen. Nachdem der Hafen von Portobelo mit dem Bau des Panamakanals seine Bedeutung als Warenumschlagplatz verlor, ist hier nicht mehr viel los und es wurde offensichtlich nicht viel investiert.

 

Die Festungen sind Ruinen. Sie wurden von den Engländern zerstört und schließlich zu großen Teilen von den Amerikanern zum Bau des Panamakanals abgetragen. Sie zählen zum Weltkulturerbe, aber vor dem weiteren Verfall werden sie kaum geschützt. Häuser und kleine Baracken stehen heute auf und zwischen den Überbleibseln der Festungen.

 

Der Ort an sich ist mehr als überschaubar. Eine einzige Straße führt durch das Dorf. Einen Supermarkt der großen Supermarktketten hat es noch nicht in den Ort geschafft. Die nächste gute Einkaufsmöglichkeit ist in Sabinitas, 30-40 Minuten mit dem Auto entfernt. Dafür hat man im Ort die Möglichkeit bei fünf, von Chinesen betriebenen, Schnelleinkaufläden das Nötigste an Lebensmitteln oder Haushaltswaren zu erstehen. 

Zum Glück ist aber für uns Segler gesorgt. Die Casa Vela, Restaurant, Bar und Meeting Point mit eigenem Dingi Anleger ist immer ein Besuch wert!

 

Kulturell ist Portobelo afrikanisch geprägt. Die Mehrheit der Bevölkerung besteht aus den Nachfahren der damaligen kongolesischen Sklaven. So wird neben den Festen, die in ganz Panama zelebriert werden, wie z.B. dem Karneval, jährlich die Dekolonisation von den Spaniern mit dem „Diablo-Fest“ gefeiert. Eine Parade, bei denen vor allem die Männer in sehr qualitätsvollen Teufelskostümen durch die Stadt ziehen. Die große Kirche des Ortes beherbergt zudem „Black Jesus“ zu dessen Ehren ebenfalls jährlich eine Prozession ausgerichtet wird und Menschen aus ganz Panama anreisen.

Generell haben wir das Gefühl, Portobelo steht im Feste feiern Hamburg kein bisschen nach. Zu Spitzenzeiten ist hier an jedem Wochenende eine Parade, eine Feier, ein Marathon oder sonst was.

Nur ein Mast
Nur ein Mast

Und sonst? Das damalige Katz- und Mausspiel der englischen Piraten und der spanischen Kolonisatoren, kommt heute das ewige Versteckspiel zwischen den Drogenschmugglern und der panamesischen Armee, gleich. In regelmäßigen Abständen kommen in Portobelo Drogenboote aus Kolumbien an. Hubschrauber fliegen ihre Runden im Tiefflug über Schironn auf der Suche nach den in den Dschungel geflüchteten Drogenschmugglern und der kostbaren Drogenfracht.

 

Letztes Jahr, bevor wir selber vor Ort waren, schwammen sogar haufenweise Pakete voll mit Koks in der Bucht, die von Drogenschmugglern kurzerhand über Bord geworfen wurden.

 

Wer ein bisschen genauer hinschaut, sieht hier immer mal wieder ein Schiff, dass definitiv nicht koscher aussieht (zerfetzte Segel, die auch noch falsch zum Wind ausgerichtet sind, mmmh...) oder kann beobachten wie zweifelhafte Frachten, wie z.B. Säcke voll Kokosnussschalen, im Frachtraum von Fischerbooten verschwinden (was soll da wohl unter dem schweren Gepäck versteckt werden?).

 

Auch der eine oder andere Segler partizipiert am Katz- und Mausspiel. So probiert der eine oder andere Segler sein Glück mit der Überführung mehrerer Kilo Koks von Kolumbien nach Panama. Was er dabei gerne vergisst, ist die Tatsache, dass er schnell mal vom Mittelsmann verraten wird, damit dieser in der Zwischenzeit die wirklich große Lieferung ungestört an den Offiziellen vorbeischmuggeln kann. Oder der ein oder andere Segler lässt sich von der Regierung als Lockvogel engagieren, lässt sich sein Schiff mit moderner Spionagetechnik verkabeln und bricht zum arrangierten Treffen mit dem Drogenkurier auf, dessen Verhaftung die Intention ist.

 

So hört man wenigstens. Sicher ist, in Portobelo erhält man immer den neusten Klatsch und Tratsch über aktuelle kuriose Geschehnisse oder mysteriöse Todesfälle im Ort.

 

Und dann sind da noch all die Schiffswracks. Wir kommen kurz nachdem Hurrikan Otto über Panama gewütet hat. Die Bucht gleicht einem kleinen Bootsfriedhof. Ca. 20 Boote haben Totalschaden erlitten oder sind gänzlich untergegangen. So ragt beispielsweise mitten in der Bucht nur noch ein Mast aus dem Wasser oder Boote sitzen metertief in der Sandbank im Rachen der Bucht fest.

Portobelo hat auf jeden Fall bis heute seine verwegene Atmosphäre, die nicht bei allen Seglern gut ankommt, behalten. Wir finden es hier interessant. Trotzdem bleiben wir nicht ganz freiwillig länger vor Ort: wir haben ernsthafte Motorprobleme! Und ohne funktionierende Motoren können wir nicht durch den Panamakanal fahren (1000$ die Stunde, wenn man im Kanal geschleppt werden muss). Aber zum Glück leben wir hier in einem Nationalpark und an einer Küste der Superlative: Tor zum Panamakanal, traumhafte Flüsse, wilde kleine Strandbuchten, faszinierende Tierwelt sowie die 365 von den Kuna teil-autonom regierten San Blas Inseln. Langweilig wird uns also definitiv nicht... Und so halten wir uns von den Festivitäten Portobelos und dem Treiben der Menschen relativ fern und tauchen ein in den uns umgebenden Regenwald, unternehmen jeden Tag mindestens eine Adventuretour durch die krokodilreichen Flüsse, zu den diversen kleinen einsamen Strandbuchten, zu den Riffen und erkunden mit Schironn die Küste.

 

Nächster Bericht: „Anekdoten aus dem Leben im Portobelo Nationalpark“ folgt in Kürze

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