Zweiter Versuch: Segeln nach Panama mit Stop in Providencia, Kolumbien

Segeln nach Providencia und diesmal entspannt mit Sonne!
Segeln nach Providencia und diesmal entspannt mit Sonne!

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm, und so treibt die Schlechtwetterfront, die uns auf halbem Weg nach Panama zur Umkehr nach Roatan gezwungen hat, noch fast zwei weitere Wochen lang ihr Unwesen. Zum Glück liegen wir wieder in der sicheren Bucht von French Cay, wo die kleinen Inseln und das große vorgelagerte Riff, die vom Wind in Form von Wellen aufgehetzten Wassermassen von uns fern halten. Aber gegen den in allen Grautönen gefärbten Himmel und die pechschwarzen Regen- und Gewitterwolkenwände sowie gegen die Starkwindböen, die mit um die 30 Knoten tags und nachts ungemütliche Soundkulissen erzeugen und dem Schiff auf die Nase drücken, hilft leider die Inselparadiesszenerie auch nichts. Das Wetter ist nahezu bedrohlich.

 

Naja, so feiern wir Weihnachten, wie wir das wettertechnisch aus Hamburg kennen, nämlich mit viel Regen. Drei Tage vor Jahresbeginn tut sich dann endlich ein günstiges Wetterfenster auf, dass uns keinerlei Wolken und damit keinerlei Gewitterfronten, verspricht. Wir haben zwar immer noch Probleme mit dem Steuerbordmotor - er hält die Drehzahl nicht, stottert und verabschiedet sich dann in regelmäßigen Abständen, aber genau um solche Reparaturen zu tätigen, wollen wir schnell nach Panama.

 

Schnell? Naja so schnell, wie man die ca. 385, durch Gegenwind, bzw. hart am Wind segeln geprägten Seemeilen von Roatan bis nach Providencia sowie die 250 Seemeilen von Providencia nach Panama, zurücklegen kann.

 

Die schwer zu passierende, im Zick Zack führende Ein- und Ausfahrt durch das Riff vor French Cay kennen wir nun beim zweiten Verlassen der Bucht ziemlich gut. Ich kann also beim Ausguck von Schironns Dach, wo ich an Hand der unterschiedlichen Blautöne des Meeres kritische Tiefenbereiche lokalisiere sowie hoch aufragende Korallenköpfe erspähe, meinen Gedanken über die Zeit auf Roatan freien Lauf lassen.

 

Wir verlassen wieder eine Heimat auf Zeit, wo man wortgetreu von Freunden herzlich begrüßt wird, wenn man nach einem Sturm „heimkehrt“.Wir merken immer mehr, dass die Buchten, in denen angestammte, bzw. sesshafte Segler oder Angestellte in Marinas eine Infrastruktur für Segler aufgebaut haben (tägliche Funkrunde, Kinoabende, gemeinsame Feiern u.ä.) mit am nettesten sind. Nach dem Motto „In der Ferne weniger fremd sein“, rotten sich die Interessengemeinschaften allerorten zusammen.So auch wir Segler.

 

Die Fahrt nach Providencia ist dann die ersten zwei Tage, wie erwartet, super anstrengend und nervig. Wir bleiben aber gemäß Wettervorhersage fast gänzlich von Regen, Wolken sowie Sturmböen verschont und passieren das Piratengebiet in sicherer Entfernung ohne weitere Zwischenfälle. Der Kurswechsel Richtung Süden, beschert uns schließlich endlich einen herrlich angenehmen und schnellen Halbwindkurs. Nach allem macht das Segeln jetzt endlich wieder Spaß.

 

Pünktlich zum neuen Jahr ist Land in Sicht: Providencia! Um 2 Uhr nachts fällt der Anker.

Wir haben den vielleicht ätzendsten Segelabschnitt unserer Weltumsegelung endlich hinter uns gebracht.

Ankerplatz Providencia
Ankerplatz Providencia

Providencia fühlt sich an, als wäre man in einem gepflegten Vorort gelandet. Es ist gemütlich, sicher, sauber und entspannt. Schon bei der Ankunft in der Bucht wird uns beim Blick auf die anderen Schiffe klar, dass hier ein anderer Ton als auf den anderen von uns besuchten Inseln in Zentralamerika herrscht. Während bei uns am Schiff wirklich gar nichts für vorbeifahrende Boote oder Kajaks Zugängliches mehr an der Reling hängt, werden bei den anderen Booten, Fender, Paddel u.ä. mutig zur Schau gestellt. Ein Problem mit Diebstahl scheint es hier nicht zu geben. Und ganz offensichtlich sind diese Schiffe nicht über Mexiko, Honduras, Belize und Nicaragua hergesegelt. Auch das Wetter zeigt sich endlich wieder von seiner guten Seite.

 

 

 

 

Sitzbank mit Umweltmessage
Sitzbank mit Umweltmessage

Außerdem ist die Insel unglaublich sauber. Genauer gesagt, ist es nicht nur sauber, sondern die Bewohner scheinen wirklich umweltbewusst zu sein. Der kolumbianische Staat setzt klare Zeichen, indem an so gut wie jeder Straßenbank auf der Insel Schilder befestigt sind, die zum Schutz der Umwelt, zu Sauberkeit, zur ordentlichen Müllentsorgung und Rücksicht auffordern. Wie viel solche Dinge zum Grad unseres Wohlfühlfaktors beitragen ist schon erstaunlich.

 

Mit dem Motorroller (6$ die Stunde) umrunden wir die 3 x 7 km große Insel zwei Mal. Wir halten an kleinen einsamen Stränden, an gut besuchten traumhaft weißen Sandstränden, an einem Staudamm und diversen anderen Ecken. Niemals kommt dabei auch nur der Funke von Unwohlsein oder Gefahr auf. Ganz im Gegenteil. Als mein Cap verschwunden ist und ich den zurückgelegten Weg ablaufe, um es zu suchen, spreche ich drei Männer auf der Parkbank an. Die drei saßen auch gestern schon dort und wahrscheinlich saßen sie auch vorgestern hier und ziemlich sicher sitzen sie auch morgen dort. Ich frage sie also, ob sie ein Cap gefunden haben und erhalte als Antwort ein unverständliches Gemurmel. Ich verstehe nichts und denke mir sogleich, dass es wohl doch keine schlaue Idee war, die vermeintlichen „Penner“ der Insel zu befragen. Aber dann holt doch tatsächlich einer der drei ein Cap aus seiner Tasche und will es mir schenken. Was für eine nette Insel, auf der die Menschen einen nicht gleich übers Ohr hauen wollen.

 

Naja es gibt doch Einen, der uns ein bisschen aufs Korn nehmen will, und zwar der Agent, den man zum Ein- und Ausklarieren heranziehen muss. Auf Providencia ist es nämlich Pflicht, den Agenten namens Mr. Bush, für die Formalitäten zu engagieren. Mr. Bush weiß scheinbar sehr gut, wie er seine Position zu seinen Gunsten nutzen kann. So lädt er sich beispielsweise sehr gerne selber zum Essen ein. So geschehen bei unseren Freunden.„Ich komme heute Nachmittag mit meiner Nichte, meinem Enkel und noch ein paar Verwandten zum Essen auf euer Schiff“, legt er während des Einklarierungsprozederes fest.

Ja, okay, warum nicht, denken sich unsere Freunde.

Kurzfristig wird der Besuch jedoch von Mr. Bush abgesagt. Scheinbar hat sich eine andere Freizeitmöglichkeit für die Familie aufgetan.

 

Als wir am nächsten Tag in seinem Büro sind, fragt er uns als erstes, wie groß denn unser Dingi sei, also wie viele Leute wir transportieren können und bestimmt dann nach unserer Antwort, dass wir um 16 Uhr am Dingisteg sein sollen, um seine Familie zu unseren Freunden aufs Schiff zu fahren. So müssen diese nicht zweimal fahren, gibt er als Begründung. Allem Anschein nach, wird hier nicht gefragt, sondern davon ausgegangen, dass man im Dienste von Mr. Bush zu stehen habe. Wie auch immer, für uns ist die Dingifahrt kein großer Aufwand, so dass wir pünktlich um 16 Uhr da sind. Dort erwarten uns bereits drei wunderschön zurechtgemachte Frauen um die 30, ein geschniegeltes Kind und Mr. Bush. Sven spielt den Gondolier und bringt die Sippschaft zu unseren Freunden.

 

Unseren Freunden fällt bei Ankunft der vielen Leute allerdings die Kinnlade runter. Sie haben keinen Besuch erwartet, mit Mr. Bush war nichts verabredet. Er hat sich einfach selber eingeladen und uns hinterlistig mit in seinen Plan involviert.

 

Ach, Mr. Bush! Beim Ausklarieren ist er zudem uns gegenüber richtig unfreundlich, regelrecht böse. Aber lange Rede kurzer Sinn, abgesehen vom Agenten und den wirklich hohen Ein- und Ausklarierungsgebühren in Höhe von 150$, finden wir, dass sich der Besuch dieser Insel wirklich lohnt. Wir sind glatt ein bisschen traurig, dass sich nach ein paar Tagen schon ein sehr gutes Wetterfenster auftut, um weiter nach Panama zu segeln. Aber Panama ruft und so nehmen wir gleich wieder Abschied von Kolumbien.

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