French Cay, Roatan – Wo sind wir denn hier gelandet? Nachbarschaft mit Löwen, Tigern, Wildkatzen, Pferden, Eseln, Affen, Shark Suckern, riesigen Hummer u.v.m.

 

Löwen, Tiger sowie Wildkatzen direkt am Dingianleger und Pferde, die auf einem Floss am Schiff vorbei fahren? Und das auf einer kleinen Insel vor dem Honduranischen Festland? Was ist denn hier los?

Zunächst jedoch ein paar Fakten zu unserem Segelabschnitt von Utila nach Roatan:

  • Regen

  • Regen

  • Regen

  • Squalls

  • dauerhaft über 20kn Wind

  • Hart am Wind segeln mit gerefftem Segeltuch

  • 6-8kn Geschwindigkeit

  • unter Motor das letzte Stück gegen den Wind fahren, um Roatan noch vor der Dämmerung zu erreichen

  • Ziel: eine Lagune vor der größten Stadt der Insel, Coxen Hole

Coxen Hole
Coxen Hole

Das schlechte Wetter begleitet uns also auch weiter bis nach Roatan. Doch der Regen kommt uns diese Nacht ausnahmsweise mal zu Gute. Wir ankern nämlich in einer nicht sehr vertrauenswürdigen Umgebung. Ganz geheuer ist es uns hier in der Lagune, direkt vor der Stadt inmitten von düster aussehenden Häusern, Industrie, dem Flughafen und einem großen Stahlwrack nicht. Oder wie Sven sagt: „Wir ketten alles an, machen alle Fenster zu und jeder kriegt eine Machete in die Hand.“

 

Später lesen wir in einem Segelführer, dass massiv davon abgeraten wird, in dieser Lagune zu ankern.

 

Unsere Nacht ist aber zum Glück, außer ein bißchen wildem Gegröhle aus einer Bar, ruhig. Der Dauerregen in der Nacht hat offensichtlich die bösen Gestalten in ihre Löcher gezwungen.

 

Dennoch verlassen wir mit den ersten Lichtstrahlen die Bucht und ziehen weiter nach French Cay.

Little und Big French Cay
Little und Big French Cay

French Cay ist dann das genaue Gegenteil von Coxen Hole. Ein Ankerplatz der besonderen Art. Maximal geschützt, liegt man mit dem Schiff zwischen Roatan und den kleinen Inseln Paradise Island, Big French Cay und Little French Cay. Genaugenommen liegt man also in einer Lagune zwischen vier Inseln, die von einem riesigen Riff umsäumt sind. Geschützter geht es kaum.Über das freie W-Lan, das Little French Cay für die Bucht zur Verfügung stellt, erfahren wir nach unserer Ankunft, dass sich vor Panama ein Hurrikan namens Otto zusammenbraut und in den kommenden Tagen von Panama nach Costa Rica zieht. Ach du Scheiße, wer hätte damit gerechnet, dass sich jetzt, Ende November noch ein Hurrikan so weit südlich vor Panama zusammenbraut? Also, quasi genau unsere anstehende Route durchkreuzt. Keine Frage, wir bleiben hier in French Cay bis der Hurrikan abgezogen ist.Von Seglerfreunden erfahren wir in den nächsten Tagen, dass Otto viel stärker als erwartet auf die Umgebung um Portobelo (Panama) getroffen ist und massive Bootsschäden sowie -verluste verursacht hat. Zum Glück sind wir diesmal ausnahmsweise nicht mitten im Geschehen!

 

Wir staunen derweil nicht schlecht über die surreale Spaßwelt, die auf den Privatinseln im French Cay erschaffen wurde.

Flossfähre mit Pferden von Roatan nach Little French Cay
Flossfähre mit Pferden von Roatan nach Little French Cay

Der Besitzer von Little French Cay hat beispielsweise zwei Löwen, zwei Tiger, zwei Wildkatzen, über 10 Pferde und ca. 5 Esel in Privatbesitz. Die Tiere leben nur einen Katzensprung von unserem Schiff entfernt und ein paar Pferde fahren jeden Tag auf kleinen Fähren, die aussehen wie einfache Flöße, an uns vorbei, um zu den Touristen auf Little French Cay zu gelangen. Auch die Tiger sollen manchmal mit der Leine am Strand Gassie geführt werden.

 

Tiere wie Löwen im Privatbesitz? Merkwürdig! Also, ganz ehrlich, nicht cool! Der Besitzer sagt, dass die Tiere aus schlechteren Umständen, überwiegend aus Zirkussen befreit wurden und es ihnen hier besser gehe. Was soll ich sagen,...

 

Little French Cay bietet neben wilden Tieren auch sonst alles was das Tagestouristenherz begehrt: Hubschrauberflüge, Reiten der Pferde am Strand, Massagen, diverse Restaurants, Kayaken, Sprungtürme, Wasserspiele und vieles mehr.

 

Insbesondere Touristen von den Kreuzfahrtschiffen (bis zu 12 Stück am Tag erreichen Roatan) kommen für einen Tag. Für den Gast, der auf der kleinen Insel übernachten möchte, gibt es zudem die Möglichkeit ab 250$ pro Nacht ein exklusives Zimmer zu buchen. 250$! Bei dem Gedanken freut man sich gleich doppelt, dass man mit seinem eigenen Haus mitten im Geschehen ganz umsonst wohnt.

 

Auch die anderen beiden kleinen Inseln sind voll touristisch mit Resortanlage und Appartments ausgestattet. Zudem bietet Paradise Island eine nette Marina sowie einen gemütlichen Seglertreff.

Als Segler, der nicht in der Marina liegt, darf man auf die Insel zum Seglertreff, ansonsten heißt es für uns: Betreten der Resortanlage verboten. Oder man muss, wie auf den anderen Inseln ein Tagesticket für um die 45$ kaufen. Tsss, nee, danke! So besuchen wir hauptsächlich Freunde in der Marina und bleiben brav unter uns Seglern.

 

Einen echten Unterhaltungswert auf Paradise Island haben die drei Kapuzineräffchen, die hier leben und ständig irgendwelchen Unfug betreiben. Liegt man mit seinem Schiff in der Marina, bekommt man die drei Kerlchen immer mal wieder zu Besuch. Auch wenn nicht alle Touristen des Resorts die Affen super finden – der Hafenmeister muss öfter mal Auseinandersetzungen zwischen Affen und Menschen schlichten – wir sind ganz begeistert von den Affen!

Von Roatan an sich sind wir im Großen und Ganzen nicht so begeistert, bzw. so richtig lädt uns die Insel nicht ein, sie per Land ausgiebig zu erkunden. Es sei sehr gefährlich sagt man. Und viel zu besichtigen gibt es auch nicht.

 

Wir sind zur Besichtigung des Kreuzfahrtschiffes „Rapsody of the Seas“ geladen und der Spießrutenlauf durch das Areal am Kreuzfahrtanleger nimmt uns die letzte Lust, die Insel weiter zu erkunden. Wir bekommen zwar keine Rutenhiebe, aber das Gezerre, Geschrei und die Aufdringlichkeit fühlen sich glatt ähnlich an.

Lobstermania
Lobstermania

Wir erkunden Roatan daher lieber per Dingi und erschnorcheln täglich die prächtige Unterwasserwelt samt Schiffswracks. Das gesamte Riff, dass sich um die Inseln unserer Ankerbucht legt, ist ein Marinepark, in dem Fischen jeglicher Art verboten ist. Dieser Schutz des Riffes zahlt sich aus. Die Unterwasserwelt ist unglaublich farbenfroh, leuchtend und zauberhaft. Das Riff ist von riesigen Lobstern, Adlerrochen, Conch, Kraken und tausenden Fischarten bewohnt. Zudem gibt es ein Schiffswrack auf knapp 20 Metern sowie einen Flugzeugträger unter Wasser zu bestaunen. Und das alles quasi direkt vor der Haustür.

 

Auch ein Unterwasserskulpturenpark, das Mayatlantis wurde vor nicht allzu langer Zeit auf weniger als 2 Metern Tiefe errichtet.

 

Die Korallen sind gut erhalten und Fische gibt es so vielfältig, dass das Gehirn die visuellen Eindrücke gar nicht alle verarbeiten und speichern kann. Aber auch diese schöne Seite der Bay Islands wird durch etwas getrübt: Müll! Ich habe zuvor noch nie soviel Müll im Meer gesehen. An einigen Tagen, wenn der Wind auflandig weht, ist unser Schnorchelareal so voll mit Müll, dass man sich hinterher richtig dreckig fühlt. Schon beim Segeln vor Utila und Roatan sind wir durch ganze Müllteppiche gefahren. Es ist so viel Müll, dass man wirklich die Vermutung aufstellen muss, dass Honduras und Nicaragua ihren gesamten Müll einfach ins Meer werfen. Es ist schrecklich und trübt die Begeisterung für die eigentlich ganz schönen Bay Islands massiv!

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