Einklarieren in Utila, Honduras – noch mehr Korruption und Diebstahl

 Wie naiv und gutgläubig ich bin, hält mir die Verhaltensweise der Frau von der Immigration auf Utila, Honduras vor Augen. Nachdem wir die Standardeinreiseformulare ausgefüllt haben und unsere Fingerabdrücke sowie ein Foto von uns ins System gescannt sind, verlangt die Dame von der Immigration 3$ pro Person für die 90-tägige Aufenthalts-genehmigung. Ich reiche ihr einen 20$ Schein, worauf sie mit Kopfschütteln reagiert. Sie hat scheinbar keine Kasse und kein Wechselgeld.

Wir kramen also alle kleinen Dollarscheine zusammen; kommen aber nur auf 5 Dollar, die wir ihr sogleich schulterzuckend hinhalten. „Si, si, it s ok“, sagt sie.

Sie erlässt uns also einen Dollar? Das ist aber nett!

Guten Mutes verlassen wir Ihr Büro, um zur nächsten „Station“, dem Port Captain, zu gehen.

 

Schon im Vorfelde habe ich auf einem Blog von anderen Seglern gelesen, dass ihnen bei der Immigration ein Dollar „geschenkt“ wurde. Das kommt mir jetzt doch irgendwie ziemlich komisch vor. Warum sollte eine offizielle Stelle Geld eintreiben, aber kein Wechselgeld zur Verfügung haben? Also, warum gibt es keine Kasse? Und warum scheint die Dame einfach auf einzelne Dollars verzichten zu können? Ich meine, sie wird ja bestimmt nicht die Kasse mit ihrem eigenen Geld aufstocken, wenn am Ende des Tages das Saldo nicht stimmt.

 

Irgendwas ist doch hier schon wieder faul. Gutgläubig, wie ich bin, habe ich keine Quittung verlangt. Wie gesagt, bei Behördengängen ist man in der Regel froh, wenn man seine Papiere schnell in der Tasche hat. Schließlich wissen die Behörden in korrupten Ländern, ihre Macht über unsere Einreise und unsere Aufenthaltsdauer zu bestimmen, gut zu nutzen.

 

Hinterher lese ich im Internet, dass andere Segler bei anderen offiziellen Einklarierungsorten in Honduras 2,50$ für die Einreise gezahlt haben. Bei einem anderen Bericht lese ich, dass nur 12 Tage Aufenthalt gegeben wurde und die Leute 300$ zahlen sollten, um die üblichen 90 Tage Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Die Gebühren variieren also offensichtlich und ich habe die Vermutung, dass es vielleicht sogar eigentlich gar nichts kosten würde...

 

Festzuhalten bleibt, dass unserer größter Kostenfaktor in Zentralamerika bisher durch Korruption und Diebstahl entstanden ist. Was ich nämlich noch nicht erwähnt habe: unser Dingi inklusive Außenbordmotor wurde eines Nachts im Rio Dulce geklaut. Nur eine Nacht, haben wir es nicht hochgezogen und am Schiff festgeschlossen. Die Diebe haben das feste Seil durchgesägt und sind mit dem gesamten Dingi abgehauen. normalerweise findet man das Dingi irgendwo in den Mangroven wieder, da die Diebe es eigentlich nur auf den Außenbordmotor abgesehen haben. Wir haben unseren „Dongo“ leider nicht wiedergefunden und mussten nach drei Tagen verzweifelter Suche nach einem gebrauchten Dingi ein komplett Neues kaufen. Soviel also zu dem eigentlich kostengünstigen Lifestyle den man als Segler führt. Die fälligen Reparaturen und die außerplanmäßigen Kosten, wie z.B. der Kauf eines neuen Dingis, werfen dann doch alle Haushaltsgeldplanungen vollkommen über den Haufen.

 

Wenigstens verlangt der Port Captain hier auf Utila kein Geld von uns. Denn auch solche Geschichten haben wir im Internet gelesen. Dafür braucht er Fotos von Schironn, die wir ihm via Bluetooth senden sollen. Weil unsere Iphones Bluetooth mit anderen Telefonmarken nicht unterstützen, wechseln die Fotos kurzerhand per Whats App über das W-Lan des Port Captains den Betrachter.

 

Honduras nimmt es wirklich genau, das muss man sagen. Noch nie mussten wir irgendwo Fingerabdrücke oder Fotos von Schironn abgeben. Zudem scheint die honduranische Regierung sehr junge Port Captains auszubilden und auf die Inseln zu schicken. Wir schätzen unseren Port Captain hier auf 26 Jahre, englisch spricht er gar nicht. Und englisch ist hier auf den Bay Islands, wie man die drei Inseln vor Honduras Küste nennt, im Gegensatz zu spanisch auf dem Festland, Amtssprache.

Das fertige Zarpe können wir dann leider erst am nächsten Tag beim Port Captain abholen. Man sollte auf den Bay Islands generell damit rechnen, dass sich das Ein- sowie das Ausklarieren über zwei Tage hinzieht.

 

Derweilen erkunden wir schon mal die Insel - soweit es geht, denn es regnet und stürmt drei Tage am Stück (Und es ist kalt! Nach fünf Monaten Dauerschwitzen, holen wir wieder Pullover und lange Hosen aus den Schränken).

 

Die Insel Utila ist genau so, wie sie in jedem Reiseführer beschrieben wird: ein Tauchmekka für den ambitionierten Tauchnachwuchs.Während ich den Tauchsport in den meisten Ländern als eher altbacken und unsportlich wahrgenommen habe, sind die Taucher hier auf Roatan anfang zwanzig, jung, sportlich und weltgewandt. Die kleine Hauptstraße von Utila ist gesäumt von Restaurants und Bars, kleinen Boutiquen und unzähligen Tauchschulen und die Unterhaltungen der jungen Traveller drehen sich ums Tauchen sowie um vergangene oder anstehende Reiseziele.

 

Als ich dann am dritten Tag morgens das Kayak ins Wasser lasse und nach dem Paddel greife, ist es weg. Außerdem fehlt ein Fender. Diese Diebstahlgeschichten sind langsam echt zum Verzweifeln und es nervt! Ehrlich gesagt, haben wir langsam die Schnauze voll von Zentralamerika.

 

Nach einer Dingitour, bei der wir Ausschau nach den gestohlenen Sachen halten, entschließen wir einstimmig, dass wir sofort nach Roatan aufbrechen. Das Wetter ist weiterhin geprägt durch Dauerregen, die Ankerbucht ist nicht wirklich gemütlich und der Diebstahl hat nun den Rest dazu beigetragen, dass wir schnellstmöglich weg wollen.

 

Adios Utila, auf nach Roatan...

 

Ach so, noch in Kürze: Auf den Einklarierungspapieren Honduras wird noch nicht einmal in Betracht gezogen, dass es einen weiblichen Kapitän geben könnte. Ich werde ganz selbstverständlich zu Senior Sarah.

 

Man stelle sich nur einmal vor, dass in Deutschland bei einer offiziellen Stelle, Formulare ausgegeben werden, bei denen Frauen von vornherein ausgeschlossen werden!!

Nächster Bericht: „French Cay, Roatan – Wo sind wir denn hier gelandet? Nachbarschaft mit Löwen, Tigern, Wildkatzen, Pferden, Eseln, Affen, Shark Suckern, riesigen Hummer u.v.m.“ folgt in Kürze

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