Nach der Hurrikansaison - zurück im karibischen Meer

Der Rio Dulce ist irgendwie schön. Dennoch fühlt es sich ziemlich gut an, nach fünf Monaten die letzte Fahrt durch den schmalen Fluss zurück in den offenen Ozean zu tätigen. Es fühlt sich an, als würde man aus einer Höhle raus kommen, einem Versteck, dass gemütlich ist, aber zugleich - bedingt durch die Hitze, die Feuchtigkeit und die sumpfige Atmosphäre – ein bisschen bedrückend. Das letzte Stück des engen, tief eingeschnittenen, steilwandigen Tals lassen wir hinter uns zurück und folgen der immer größer werdenden Mündung des Flusses bis das Blau des Ozeans und des Himmels das Grün des Dschungels und des grün anmutenden Flusswassers komplett abgelöst hat.

Wir sind zurück im Meer! Eine frische Briese weht um unsere Gesichter. Frische klare Luft, die wir im Rio so sehnlichst vermisst haben. Es fühlt sich wunderbar an.

 

Unser Weg führt uns nun zunächst ein bisschen nach Norden, am guatemaltekischen Festland vorbei nach Belize, um dann in einem günstigeren Winkel den Weg nach Osten zu den honduranischen Inseln Utila, Roatan und Guanaja einzuschlagen. Von Guanaja machen wir dann den großen Sprung nach Panama.

 

Wieder auf See zu sein, bedeutet aber auch wieder dem Diktat von Wind und Wellen ausgeliefert zu sein, nachts selbst im Tiefschlaf, hellhörig zu liegen, um gegebenenfalls den Ankeralarm zu hören, es bedeutet unbekanntes Terrain zu betreten oder wilde Dinghifahrten zu oftmals schwierigen Anlegeplätzen. In Anbetracht dessen wird einem mit einem Mal klar, was den Rio Dulce wirklich auszeichnet: seine Eigenschaft ein unglaublich sicherer Hafen zu sein!

 

Gleich auf unserer ersten Segelfahrt von Hunting Cay, Belize nach Utila, Honduras wird uns vor Augen gehalten, was uns auf den weiteren Segelabschnitten erwartet: Gegenwind. Wir segeln nämlich das erste Mal in der Karibik größere Strecken nach Osten. Also in die Richtung, aus der fleißig der Passatwind pustet und der Golfstrom seinen Weg nach Norden nimmt.

 

Auf der Nachtfahrt nach Utila werden wir zudem von heftigen Squalls heimgesucht, so dass wir morgens klitschnass und unausgeschlafen auf Utila ankommen bzw. noch beim Ankerwerfen mit dem Wind und dem Regen zu kämpfen haben.

 

Den Gegenwind auf den kommenden Strecken haben wir bei der Planung in Kauf genommen um einiges an Seemeilen zu sparen. Was wir hier aber noch nicht wissen ist, dass uns zusätzlich zu den schwierigen Windbedingungen den gesamten Weg nach Panama schlechtes Wetter mit sehr viel Regen, Gewitterfronten und unzähligen Squalls begleiten wird. Sogar ein Hurrikan braut sich nach unserer Ankunft auf Roatan, Honduras vor Panama zusammen und wird gar nicht so weit entfernt von uns an der Grenze zu Costa Rica in Nicaragua auf Land fallen. Dieser Hurrikan, namens Otto ist in doppelter Hinsicht besonders: er ist der späteste und südlichste Hurrikan seit Anbeginn der Aufzeichnungen.

 

Wir haben also das Glück, in dem Jahr auf Weltumsegelung zu sein, indem im Januar im Nordatlantik der frühste und südlichste Hurrikan (Alex) seit Anbeginn der Aufzeichnungen unseren Weg beeinträchtigte (siehe Blogeintrag Atlantiküberquerung – Passat auf Abwegen) und nun im November der späteste und südlichste Hurrikan im karibischen Meer ganz in unserer Nähe sein Unwesen treibt.

 

Wären wir ein bisschen früher aus dem Rio losgefahren und bereits in Panama, wie viele unserer Seglerbekanntschaften, hätte uns Otto sogar glatt aufs Korn genommen.

 

Auch wenn wir auf Roatan von Otto nur Hochwasser sowie unglaublich viel angeschwemmte Baumstämme, Müll und im Wasser treibende Palmenwedel mit bekommen, werden wir noch bis zum Ende des Jahres von dem ungewöhnlich schlechten Wetter dieses El Nino Jahres beeinträchtigt werden.

 

Aber, noch wissen wir nicht, dass uns der Weg nach Panama auf Grund des schlechten Wetters viel Mühe und Zweifel kosten wird und wir beginnen unsere Segelsaison nach der Hurrikansaison guten Mutes mit dem Einklarieren in Honduras.

 

 

Nächster Bericht: „Einklarieren in Utila, Honduras – noch mehr Korruption und Diebstahl" folgt in Kürze

Kommentar schreiben

Kommentare: 0