Die unbeliebten Boatboys in Livingston, Guatemala

Boatboys nennt man die Jungs, die ihr Geld damit verdienen, dass sie auf die Beiboote von Seglern aufpassen. Eine selbst erschaffene Einnahmequelle, die den Bootsbesitzer quasi dazu zwingt die Dienste der Boatboys in Anspruch zu nehmen. Tut man dieses nämlich nicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Boatboys selber das Dinghi stehlen oder beschädigen.

 

Ja, die Tatsache, dass es an manchen Orten auf der Welt nötig ist, jemanden dafür bezahlen zu müssen, auf sein Dinghi aufzupassen, ist scheiße! Das sehe ich genauso.

Aber bei näherem Sinnieren finde ich es genauso scheiße in Hamburg wirklich überall Geld in eine Parkuhr stecken zu müssen, damit mein Auto nicht abgeschleppt wird. Ganz zu schweigen von Einkaufszentren, die ihren Kunden Geld abverlangen, wenn diese ihr Auto im zugehörigen Parkhaus parken, während sie fleißig Geld ausgeben. Wo ist da nun der Unterschied? Bei uns hat sich der Staat dieses Business zu Eigen gemacht und sorgt so möglicherweise dafür, dass arbeitslose Menschen Harz 4 erhalten. Schön und gut. Menschen, die in Ländern wie Guatemala kein Geld vom Staat bekommen, wenn sie arbeitslos sind, werden dann eben selber zur Parkuhr, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Ich weiß nicht was besser ist, aber manchmal, wie hier in Livingston kann es durchaus netter sein, einem Menschen direkt zwei Euro in die Hand zu drücken, als einem Automaten das Geld in den Rachen zu werfen.

 

Livingston:

Bei unserer Ankunft mit dem Dinghi am Maindock von Livingston warten bereits zwei junge Männer darauf, die Leine von unserem Dinghi entgegennehmen zu dürfen. Sie sehen beide ehrlich gesagt auf den ersten Blick nicht vertrauenserweckend aus. Naja, aber es bleibt uns ja quasi nichts anderes übrig, als den Dienst der Jungs anzunehmen, so dass Sven voller Enthusiasmus und freudig auf den Steg vor die Beiden springt und mit einem Lächeln, lautstark fragt, wer von den beiden denn für uns „arbeiten“ möchte?“ Die Jungs springen auf der Stelle, strecken jeweils einen Arm in die Höhe und rufen im Chor: „Ich!Ich!Ich!“ Sven: „Okay, also übernehmt ihr beide den Job!“

 

Die Beiden nehmen die Leine des Dinghis entgegen und beantworten unsere Frage, ob sie lieber eine Cola oder ein Bier trinken möchten, einstimmig mit „Cola!“

 

Wir bringen unsere Bootspapiere zu Raul, dem Agenten und kommen anschließend mit Cola im Gepäck zurück zu unserem Dinghi. Die Jungs passen gewissenhaft auf unser Dinghi auf und freuen sich über die mitgebrachten Getränke. Sofort erzählen sie uns von der Stadt, wo wir die Tourismuszentrale finden, wo die Behörden ansässig sind, wo die Fähren nach Porto Barrios abfahren usw. Sie wollen uns Fremden helfen uns zu orientieren und ein bisschen mit uns reden. Der erste Eindruck von den beiden ist so schnell vergessen und wir merken, dass es einfach nur zwei Jungs Anfang zwanzig sind, die gerne Bob Marley hören und sicherlich nicht mutwillig jedem Segler und seinem Dinghi irgendetwas böses wollen.

 

Als wir schließlich nach ca. 1,5 Stunden aus der Stadt zurück zum Dinghi kommen, haben die Jungs in der Zwischenzeit sogar den Schwamm aus unserem Dinghi genommen und geputzt. Außerdem erklären Sie verschüchtert, dass sie das Dinghi etwas weiter nach hinten ziehen mussten, da ein Schiff den Anleger brauchte. Als sie es nun zurück ziehen, tun sie dies mit äußerster Vorsicht, damit die Schläuche des Dinghis auf keinen Fall an den Steg schrammen. Zur Verabschiedung drücken wir jedem 2€ in die Hand (sie selber hatten am Anfang gesagt, dass wir ihnen geben sollen, was immer wir für richtig halten). Sie freuen sich sichtlich, strahlen uns an und verabschieden sich mit einem herzlichen Handschlag, guten Wünschen und einer Runde Winken.

 

Ja, es ist scheiße, dass es Orte auf der Welt gibt, an denen man jemanden beauftragen muss, auf sein Dinghi aufzupassen, damit nix passiert. Aber ich verlasse den Dinghisteg trotzdem mit einem Lächeln!

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Kommentare: 1
  • #1

    Uli (Sonntag, 12 März 2017 15:54)

    Ja, so gesehen ist das genau richtig.☺