Ausklarieren in Livingston, Guatemala

Während das Einklarieren in Guatemala für uns sehr angenehm und problemlos von statten gegangen ist, hatten wir nun fünf Monate später vor dem Ausklarieren ein bisschen Bammel. Das Problem war nämlich, dass wir verschlafen haben, unsere Bootspapiere rechtzeitig zu verlängern.

Unser Visa im Reisepass hatte sich durch unseren zwischenzeitlichen Deutschlandaufenthalt bei Wieder-Einreise nach Guatemala um 90 Tage verlängert. Unsere 90 Tage Aufenthaltsgenehmigung des Schiffes jedoch liefen bereits Anfang September aus. Ärgerlicherweise haben wir daran erst drei Tage zu spät gedacht. Mit einem öffentlichen Lancha machen wir uns sofort auf nach Livingston und sprechen eingeschüchtert an einem Montag beim Customs vor. „Es war ja am vergangenen Donnerstag ein Feiertag und dann kam gleich das Wochenende, dass führte irgendwie dazu, dass wir nun drei Tage zu spät hier sind, ob es eine Möglichkeit gibt, die Papiere trotz der Verspätung zu verlängern“, heulen wir rum.

 

Der Herr vom Customs scheint nicht so wirklich zu wissen, wie die Vorgehensweise ist und schickt uns zunächst zweimal, mit der Bitte später vorbei zu kommen, weg. Er muss das Prozedere scheinbar mit jemandem absprechen. Aber genau wissen wir es nicht. Denn leider reichen unsere Spanischkenntnisse für diese Angelegenheit nicht wirklich aus und der Herr vom Customs spricht keinerlei englisch. Schlussendlich gibt er uns mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms zu verstehen, dass wir eine Strafe in Höhe von 300 $ zahlen müssen und unser Schiff sofort das Land für drei Monate verlassen muss.

 

Sofort das Land verlassen? Unser Schiff ist noch nicht mal im Wasser und steht außerdem im Rio Dulce. Wir können das Land mit dem Schiff jetzt gerade gar nicht verlassen. Kurzerhand entscheiden wir uns, unsere Sachen zu packen und zu gehen. Irgendwie führt die Konversation auf Grund erheblicher Sprachbarrieren gerade zu nix. Der Herr vom Customs fragt noch zwei Mal, wann wir nun das Land mit dem Schiff verlassen, woraufhin wir nur die Achseln zucken und langsam aber freundlich das Büro verlassen. Das ist ja nicht so gut!

 

Nun wissen wir ja aber langsam, dass es hier in Zentralamerika immer eine alternative Lösung zu geben scheint. Während wir also beim Einklarieren locker auf einen Agenten, der die Formalitäten für uns erledigt, verzichten konnten, ist er nun für uns Freund und Helfer.Der Agent Raul ist bei allen Seglern im Rio bekannt und beliebt. Er kommt regelmäßig aus Livingston hergefahren und sammelt Pässe und Bootspapiere ein, um diese für Jedermann gegen ein kleines Honorar bei den Behörden in Livingston zu verlängern.So konsultieren auch wir ihn bei einem seiner Besuche im Rio und er sagt uns, dass die Strafe eigentlich 300 $ sind, wir da aber was machen können und es dann nur 1000 Quetzal (ca. 125€) sind.Oh, das ist aber wirklich gut. Wenn wir nämlich die Bootspapiere ordnungsgemäß um 9 Monate verlängert hätten (weniger als 9 Monate ist nicht möglich), hätte uns das 1100 Quetzal gekostet. Das heißt, wir zahlen dann am Ende im Prinzip genau gleich viel.

 

Wenn wir ausklarieren wollen, sollen wir Raul anrufen oder direkt in Livingston in sein Büro kommen und er regelt dann alles für uns.Gesagt, getan. Am Tag unserer Abreise geben wir Raul unsere Papiere, warten 2 Stunden in einem Restaurant und sind nach Zahlung der Strafe, der Gebühren für die Immigration sowie eines Honorars für Raul (ca. 30€) offiziell ausklariert.

 

Wir werden in Zukunft sehr dafür sorgen, dass uns so ein Fehler nicht noch einmal passiert, denn es ist immer schlecht, wenn die Behörden etwas „gegen einen in der Hand haben“. Aber nun sind wir erst einmal froh, dass alles gut geklappt hat und wir noch nicht mal mehr Geld als bei der regulären Verlängerung des Visums zahlen mussten.

 

Ein Urteil über die Machenschaften des Port Captains, der scheinbar die offizielle Strafe von 300$ auf 125$ senken kann, fälle ich jetzt mal nicht (man sollte aber auch beim Einklarieren genauestens überprüfen, welche Kosten er verlangt).

 

Wo findet man Rauls Büro in Livingston? Vom Maindock am Sportplatz vorbei bis zur Straße gehen. Nach links die Straße hoch gehen bis man auf der linken Seite an einem Waschplatz vorbeikommt. Rauls Büro befindet sich genau hinter diesem Waschplatz in einem gelben Haus im ersten Stockwerk.

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