Bizarre Kinderwünsche bei den Wasserfällen Las Conchas in Guatemala

An Orten, die von Touristen besucht werden, halten sich in der Regel immer einheimische Kinder aus der Umgebung auf. Wenn es sich, wie hier bei den Wasserfällen Las Conchos am Rio Chiyu, ca. 75 km vom Rio Dulce entfernt, um eine sehr ländliche Gegend handelt, sind wir Ausländer für die Kinder sicherlich ein nicht zu unterschätzender Unterhaltungsfaktor und Abwechslung zum Alltag.

 

Die Kinder, die uns beim Wasserfall Gesellschaft leisten, sind auf jeden Fall sichtlich interessiert an allem was wir machen sowie an allem was wir mitgebracht haben und stehen die ganze Zeit mit großen Augen einfach nur neben unserem Tisch.

 

Richtig bewusst, wie fremd Vieles für sie tatsächlich noch ist, wird uns bei der Bitte, mit der Sie kurz vor der Abreise an uns herantreten.

Ach so, unterwegs sind wir heute mit ein paar Freunden vom Rio Dulce, unter anderem mit Tyrone aus Oklahoma City.

 

Ein kleines Mädchen spricht ihn mutig an. Er denkt zunächst, dass sie nach Geld fragen möchte. Aber sie redet etwas von Haaren und ihrem Bruder. Es geht scheinbar nicht um Geld, irgendetwas anderes steht in ihrem Interesse. Aber Haare? Und was hat das mit ihrem Bruder zu tun? Er fragt noch mal nach. Aber nein, er hat sie wirklich richtig verstanden:„Mein Bruder ist zu schüchtern, um selber zu fragen“, sagt sie. „Er hätte so gerne etwas von deinen Haaren!“

 

Eine Bitte etwas Haar zu bekommen. Wie lustig ist das denn? Sie finden seine Dreadlocks so interessant und wer weiß, vielleicht sehen sie ja in der Tat zum ersten Mal solche Haare.

 

Kurzerhand zückt Sven sein Messer und Tyrone entbehrt ein kleines Stück einer seiner Locken.

 

Als Sven den Kindern das Haar entgegenreicht, fällt ihnen die Kinnlade runter. Es ist ein Gesichtsausdruck zwischen intensivster Freude mit extremer Skepsis gepaart.Sie wissen gar nicht so wirklich, was sie sagen sollen und halten das Haar schüchtern in der Hand.

 

Im Auto lachen wir auf dem Rückweg herzlich über diese Szenerie. Und wenn man genau darüber nachdenkt, ist es doch schon ziemlich cool, dass wir uns in der Regel nicht daran erinnern können, wann wir das erste Mal einen Asiaten, einen blonden Menschen, einen Schwarzafrikaner oder einen behinderten Menschen gesehen haben. Für uns sind Menschen aller Art von frühster Kindheit ziemlich normal. Einerseits, weil unsere Gesellschaft sehr multikulturell ist und anderseits, weil wir durch die Medien die Welt und Ihre Bewohner kennen.

 

In ländlichen Gegenden, wie dieser hier mitten in Guatemala, wo es wenig Fernseher sowie wenige ausländische Zuwanderer gibt und die Kinder wahrscheinlich nie in ihrem Leben in Länder fern ihrer Heimat reisen werden, sind es immer noch wir, die Touristen, die den Kindern die Vielfalt der Welt ein Stückchen näher bringen. So kann man auch verstehen, warum die Kinder den ganzen Tag nicht von unserer Seite weichen.

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