Rio Dulce - und dann war ich Laufen

Manchmal ist Facebook ja doch ganz vorteilhaft. Mir wurde nämlich von Facebook vorgeschlagen, am 10 Kilometer langen Spendenlauf für die freiwillige Feuerwehr Rio Dulces teilzunehmen. Cool. Da bin ich doch auf jeden Fall dabei. Zumal ich einerseits hoffe, dass ich eine nette Laufstrecke im Rio Dulce kennen lerne und anderseits sehr neugierig auf die Feuerwehrbrigade bin ;).

Am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr treffen Sven und ich vor dem Haus der freiwilligen Feuerwehr (Bomberos) ein. Es ist wahnsinnig heiß und ich bin außerdem ein bisschen nervös. Werde ich nur mit den Feuerwehrmännern laufen? Wo geht es lang? Was werden die Leute denken, wenn Sie mich sehen? Was erwartet mich? Wir werden ziemlich nett begrüßt und erhalten gleich die Info, dass man für den ersten Platz 1000 Quetzal und für den zweiten Platz 500 Q gewinnt. Ach so, man gewinnt sogar was? Ich denke, es ist ein Spendenlauf mit einer Anmeldegebühr in Höhe von 25 Q. Das ist ja abgefahren. Ich meine 1000 Q, das sind über 120 €. Soviel verdient ein Hilfsarbeiter, wenn er 10 Tage 8 Stunden arbeitet.Nächste Info: Ich bin zur Zeit die einzige Frau, die teilnimmt. Wie, das heißt ich muss nur ans Ziel kommen und habe automatisch den ersten Platz sicher? Wow.

 

Als die Startnummern verteilt werden, sind aber doch noch ca. fünf Konkurrentinnen dazugekommen. Also doch kein automatischer Sieg, verdammt!

 

Die Jungs-Truppe ist schon nach der ersten Kurve aus meinem Sichtfeld verschwunden. Meine Konkurrentinnen starten ebenfalls mit einem enormen Tempo, knicken dafür aber nach der ersten Kurve massiv ein, so dass ich mir den ersten Platz für eine ganze Weile sichern kann.

 

Man kann sich aber nicht vorstellen, wie heiß es ist. Ich laufe zu Hause zwischen 7 und 10 Kilometern. Hier fühlt es sich bereits nach 3 Kilometern so an, als wäre man schon mindestens 10 Kilometer gelaufen. Ich leide sichtlich und verliere den ersten Platz.Wie lange ich doch gejammert habe, dass ich hier nicht joggen gehen kann. Jetzt gerade in diesem Moment sage ich zu Sven, „dies wird das erste und das letzte Mal sein, dass ich in diesen Gefilden joggen gehe!“

 

Ach verdammt, es ist aber jetzt ein Wettkampf und kein Spendenlauf. Ich will also auf jeden Fall unter den ersten beiden Zieleinläuferinnen sein - das ist ja wohl klar. Also laufe und gehe ich weiter, bergauf und bergab, an staunenden Dorfbewohnern, Hunden, Schweinen und Kühen auf Ihren Weiden vorbei. Ich werde von hupenden Lastwagen überholt, werde von Begleitungen der anderen Teilnehmer oder Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr auf Mofas oder Motorrädern begleitet und angespornt. Aber ehrlich gesagt, ich muss doch letztendlich recht viel gehen, vor allem die fiesen Steigungen schaffe ich nicht mehr im Laufschritt. „Ich kann nicht mehr! Sven, es ist so anstrengend, das glaubst du gar nicht. Ich will einfach nur sitzen!“ Sven fährt mit dem Elektrorad neben mir her, übergießt mich mit kaltem Wasser und lenkt mich ganz großartig ab, während ich kaputt vor mich hin fluche.

 

Die Freiwillige Feuerwehr hat den Lauf wirklich großartig vorbereitet und durchgeführt. Am Anfang fährt ein Krankenwagen, regelmäßig bekomme ich auf der Strecke Wasser angereicht, bei 5 und 8 km erhält man eine Marke zum Nachweis der gelaufenen Strecke, die Läufer werden von Motorrädern und Mofas vom Straßenverkehr abgeschirmt, Polizeiwagen begleiten uns und markieren wichtige Wegpunkte. Außerdem fühle ich mich als einzige ausländische Teilnehmerin kein bisschen ausgeschlossen oder anders behandelt. Die Leute sind einfach super nett und lustig.

 

Für die Ziellinie habe ich dann noch genügend Kraft, um mit einem ordentlichen Sprint als Zweite durchs Ziel zu laufen. Ich werde umarmt und mir wird von allen Seiten gratuliert. Meine Konkurrentinnen und ich umarmen uns. Und ich bin ziemlich neidisch, dass die Menschen hier selbst beim Sporttreiben einfach mal fast gar nicht schwitzen. Ich indes zerlaufe! Egal, ich bin Zweite!!!!

 

Bei der Siegerehrung werden viele Fotos von allen gemacht, ich beantworte ein paar Fragen für einen Zeitungsreporter und erhalte meine 500 Q Gewinn. Geil. Und das an einem Sonntag. Kann das nicht öfter sein?

 

So sehr es während des Laufs einfach nur unglaublich anstrengend war, denke ich nach einer Stunden zurück bei Schironn schon wieder nur daran, wann ich das nächste Mal laufen kann.

 

Oh Mann, das hat richtig Spaß gemacht! Ich hoffe, ich treffe noch auf dutzende weitere Laufveranstaltungen auf unserer Weltreise!

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