Schironn wird von einem Trecker an Land gezogen

Naja, oder eher: wird von einem Trecker an Land geschleppt. Wie die meisten Dinge, die man zum ersten Mal sieht oder erlebt, ist auch dieses Erlebnis wieder ein Highlight für mich. Ich sehe mein Schiff das erste Mal in seinen vollen Ausmaßen an Land stehen und darf das erste Mal in meinem Leben erleben, wie so ein über 10 Tonnen (leider gab es beim Rausheben keine Waage) schweres Schiff aus dem Wasser gehoben wird.  

Die Liste der Arbeiten, die wir an Schironn verrichten müssen oder was wir verbessern wollen ist lang. Aber der Rio Dulce ist auf die vielen Segler, die sich hier während der Hurrikansaison bis zu fünf Monate verstecken, eingestellt, so dass es alles gibt, was der Seglerhandwerker braucht und zudem sind hier Arbeitskräfte extrem günstig verfügbar, regelrecht unverhältnismäßig günstig! Wir werden eigentlich fast alle Arbeiten selber machen: neues Antifouling, Ölwechsel, Motorräume von zerfallenem Isoliermaterial befreien, Vordach zu Ende bauen sowie Laufflächen zu Ende streichen, um nur ein paar der Dinge zu nennen. Aber zusätzlich zu der Pflicht, wagen wir uns an die Kür. Wir haben uns vorgenommen, den gesamten Lack von Schironn zu entfernen, um das pure Aluminium freizulegen. Der Lack inklusive Spachtelmasse ist an einigen Stellen allerdings mehrere Zentimeter dick und geht allgemein nur mit viel Geduld, Hitze (Heissluftföhn) und einem Spachtel Stück für Stück ab. Für diese zeitaufwendige Arbeit engagieren wir dann doch eine Hilfskraft.

 

Aber zurück zum Herausheben von Schironn. Ich habe eine Bilderreihe zusammengestellt, weil ich glaube, die Bilder zeigen am deutlichsten wie es hier abläuft, nämlich eigentlich ziemlich entspannt, aber sehr professionell unter „null Arbeitsschutz Bedingungen“.

Die Jungs, die die Leinen werfen und justieren sowie im Wasser unter Schironn Sandsäcke und Holzklötze ausrichten, sind alle sehr jung und arbeiten alle in festem Schuhwerk: FlipFlops. Der Head oft the Mission sorgt erst eigenständig dafür, dass Sandsäcke an den stabilen Tragepunkten von Schironn platziert werden und manövriert Schironn anschließend per Fernbedienung in die Höhe. Stück für Stück erhebt sich Schironn aus dem Wasser und wird anschließend vom Trecker zu unserem neuen Stellplatz geschleppt. Sehr geil!

 

Und das Beste an der ganzen Geschichte: wir konnten einfach auf Schironn rumsitzen, nichts tun und zugucken. Ich habe also alle „Aufregungsschweißtropfen“ im Vorhinein umsonst vergossen. Easy!

 

Aber verdammt!

Langsam haben wir wohl fast alle „erste Male“ mit einem Schiff erlebt. Wie schade! Müssen wir also bald auf einen Heißluftballon umsteigen, um mehr von dem schönen Gefühl des "Neuen" zu erleben? Haha, nein natürlich nicht! Wir haben ja noch die ganze Welt vor uns, die wir erkunden werden. Und als Nächstes steht schon die Fahrt durch den Panamakanal an. Beziehungsweise, was rede ich da. Erst mal heißt es jetzt – zum ersten Mal an Schironn an Land arbeiten und eine neue Umgebung um unserer zu Hause an Land auskundschaften J.

 

Nächster Bericht: "Ein Schiff für die Rente" folgt in Kürze

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