Einklarieren in Livingston, Guatemala

Geil, wir sind in Guatemala. Das heißt, wir sind nun fast an unserem ersten richtig langen Zwischenstopp auf unserer Weltreise angekommen, im Rio Dulce.

 

Am 6. Tag nach Abfahrt von Isla Mujeres erreichen wir die kleine, nur über den Seeweg erreichbare Stadt Livingston. Sie liegt direkt an der Mündung zum Rio Dulce und ist offizieller Einklarierungsort für Guatemala.

 

Auf der Segelstrecke von Mexiko nach Guatemala kämpften wir zunächst noch über 100 Seemeilen gegen die Oberflächenströmung an, ansonsten ist aber alles entspannt. Wir ankern drei Nächte und passieren am sechsten Segeltag eine Einfahrt in den Riffbereich des Barrier Reefs. Für dieses Gebiet sind unsere Seekarten absolut unbrauchbar und wir verbringen den ganzen Vormittag damit, scharf Ausschau zu halten, um Korallenköpfen auszuweichen.

 

Wir nutzen übrigens, wie eigentlich alle Segler, den Revierführer von Captain Freya Rauscher. So beliebt das Segeln in dieser Region mittlerweile auch ist, es gibt dennoch eigentlich nur diesen Revierführer. Wir können ihn nur empfehlen. Aber wie gesagt, im Riffbereich muss man Ausschau halten und die Wasseroberfläche, bzw. die Wassertiefe, ständig im Blick haben.

 

Den Ankerplatz vor Livingston, mit Blick auf die Einfahrt in den Rio Dulce müssen wir uns dann noch verdienen. Eine Barre, dessen Mittel nur 1,65m tief ist, macht die Einfahrt zum Rio Dulce für große Schiffe unmöglich und ist für uns nur möglich, indem wir erst eine Tonne ansteuern und anschließend den Kurs exakt auf einen im Revierführer angegebenen Kurs (Wegpunkt) ändern.Man stelle sich nur mal den immensen wirtschaftlichen Aufschwung vor, wenn man diese Einfahrt ein bisschen ausbaggern würde. Naja, wir finden es ja gut. Das heißt wohl, dass es sehr gemütlich im Rio zugehen wird.

 

Und dann eine neue Geschichte vom Einklarieren in fremden Ländern:

 

Über Funk informiere ich die Offiziellen, dass wir vor Anker liegen und einklarieren möchten. Bereits kurze Zeit später fährt ein kleines Boot, ein Lancha, wie es hier heißt, mit vier Offiziellen an Bord, vor. In netter Runde, bei einem Bierchen, werden unsere Ausweise rumgereicht, ein, zwei Fragen gestellt und ein paar Notizen gemacht.Warte.... bei einem Bierchen? Ja, naja, wir hatten nichts Anderes mehr  zum Anbieten und es ist ja auch schon fast Feierabend. Die Dame vom Custom und der Port Captain greifen auf jeden Fall kichernd zu und trinken es innerhalb von fünf Minuten aus. Länger dauert das Prozedere an Bord nämlich nicht. Die richtigen Formalitäten müssen wir anschließend an Land in den Büros der jeweiligen Offiziellen erledigen.

 

Während ich also im Wohnzimmer mit den vier netten Herrschaften ein Bierchen trinke, chatten die Jungs draußen mit dem Boat Boy, der die Offiziellen mit seinem Lancha zu uns gefahren hat. Ob wir Gras brauchen ist seine erste Frage. „Äh, okay, du weißt schon, dass wir gerade die Offiziellen an Bord haben??!!“

 

„Das ist okay, das ist in Ordnung. Kein Problem hier“, sagt er. Haha, andere Länder, andere Sitten. Hier wird man also so herzlich willkommen geheißen.

 

Naja, aber noch sind wir nicht offiziell einklariert. Wir müssen ja noch in die Büros der Immigration, des Customs und des Port Captains. Bei der Immigration füllen wir, wie immer, die Einreiseformulare aus und zahlen pro Person ca. 10€ Gebühr. Stempel erhalten. Super, weiter geht’s. Bei der Dame vom Customs wird’s dann etwas unterhaltsamer. Sie begrüßt uns kichernd und irgendwie scheint sie total verplant zu sein. Wir verstehen nicht so richtig, was sie von uns möchte und dann kichert sie und wir lächeln und blicken in der Runde rum, ob irgendjemand versteht, was wir nun zu tun haben. Sie kichert wieder und murmelt nun etwas von Bier. Ahhh, ach ja, die kleine Dame hat ja eben gerade auf Schironn noch eine Dose Bier weg geext und ist deswegen ein wenig beschwippst. Herrlich!

 

Wir müssen schließlich bei der Bank Geld einzahlen und mit dieser Quittung zurück zur Dame vom Customs. Zuletzt geht es dann noch zum Port Captain auf der anderen Seite der kleinen Stadt. Vom Port Captain lernen wir gleich die ganze Familie kennen. Sein Büro befindet sich in einem abgezäunten Bereich, der von einem bewaffneten Mann bewacht wird. Bei unserer Ankunft läuft der Port Captain mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm im Büro umher. Im Laufe des Gespräches wird der Sohn von der Mutter geholt und zum Abschied darf er uns zuwinken. Ein Land, in dem man seine Zeit nicht strikt für Familie und Beruf aufteilen muss. Sehr nett hier!

 

Und e voila, wieder eine Episode Einklarieren in fremden Ländern mit Unterhaltungsfaktor hinter uns gebracht.

Im Großen und Ganzen eine recht standardmäßige Prozedur, für die man sich nicht unbedingt einen Agenten engagieren muss!

 

Wir bleiben eine Nacht in Livingston vor Anker. Hier ist absolute Vorsicht geboten! Es wird alles geklaut, was nicht niet und nagelfest ist! Uns haben sie die Fender abgeschnitten und geklaut. Die FENDER! Das haben wir ehrlich gesagt, erst später im Rio gemerkt und mussten an Hand von Fotos rekonstruieren, wann sie das letzte Mal zu sehen waren :(.

 

Nächster Bericht: „Rio Dulce - was für ein wirklich ungewöhnlicher Ort“ folgt in Kürze.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0