Meditation für das visuelle Gedächtnis auf Isla de Techal

Was soll ich sagen, eigentlich bin ich sprachlos in Anbetracht dieser Insel. Kennt ihr das Prinzip von Medidationsbildern? Quasi Bilder, die man sich vor dem innerlichen Auge aufruft, wenn es einem schlecht geht, um sich gute oder zufriedene Laune zu schaffen?

Google Earth Bilder von Isla de Techal
Google Earth Bilder von Isla de Techal

Von Isla de Techal sind nun viele Szenen in meinem Kopf gespeichert, die so schön sind, dass sie mich mein ganzes Leben lang in unangenehmen Situationen aufheitern werden. Diese Insel, diese Szenerie, das Licht und die Vegetation waren atemberaubend psychedelisch, mystifizierend und bezaubernd.Ich hätte nie gedacht, dass es solch einsame Inseln noch auf der Welt gibt. Inseln, die wirklich gar nicht von Menschen besucht, besiedelt oder kultiviert werden.

 

Isla de Techal ist eine kleine Insel vor dem Festland von Mexiko. Sie liegt in einer riesigen Lagune, die von einem Riff zum offenen Meer hin begrenzt wird. Diese Lagune ist so groß, dass wir vom Riff bis Isla de Techal fast eine Stunde brauchen und von hier das Festland immer noch kaum sehen können.

 

Die Einfahrt durch das Riff war entsprechend nervenaufreibend, aber absolut machbar und vollkommen lohnenswert. Auf unserer Expedition über die Insel marschierten wir kilometerlang an der Nordostküste am Strand entlang. Es schient, als ob dieser Strand niemals endet, so dass wir es, trotz strammen Marsches nicht bis zum Ende der Küste schafften. Offensichtlich war die Insel früher viel größer, denn am gesamten Strand entlang liegen riesige große umgefallene Bäume, deren überdimensionale Wurzelgeflechte am Strand langsam verwittern. Diese Wurzelgeflechte sind mit das hübscheste was ich je in meinem Leben gesehen habe! Wir würden am liebsten sofort einen Container bestellen, einige dieser rundlichen, märchenhaft anmutenden Geflechte einladen und nach Hamburg verfrachten. Man könnte unglaublich tolle Möbel aus diesen Gebilden bauen. Wahnsinn!

 

Natürlich sind wir mit Machete und Messer ausgestattet, so dass wir uns unzählige frische Kokosnüsse von den Palmen holen und ihnen den „Kopf“ abschlagen können. Frisches Kokosnusswasser aus den jungen kleinen Kokosnüssen, die den Saft noch nicht in Kokosnussfleisch umgewandelt haben, gibt es hier überall in Reichweite. Noch ein Zeichen, dass keine Menschen regelmäßig zu Besuch kommen. Die einzigen Zeichen, dass die Menschheit existiert, kommen von dem angeschwemmten Plastikmüll und den vielen alten Tauen in allen Größen und Farbvariationen. So traurig der ganze Müll auch ist, hier ist er ausnahmsweise auch Entertainment auf unserer Expedition. Ein Schuh, ein Plastikschwein, ein Tennisball, ein Flummi mit einem Stern im Inneren, ein Helm und vieles mehr finden wir inmitten des Strandidylls.

 

Die Insel ist ansonsten auf Grund des dichten Dschungels gar nicht begehbar, sogar regelrecht menschenfeindlich! Es gibt auf der Insel nur eine viereckige Stahlkonstruktion, die ca. 10 Meter empor ragt und ein solarbetriebenes Leuchtfeuer beherbergt. Ansonsten gibt es wirklich nur Dschungel, keine Wege, nix. Natürlich klettern wir auf die Stahlkonstruktion, die definitiv nicht oft bestiegen wird, und verschaffen uns einen Überblick über das Eiland. Die Szenerie, wie wir auf das Gerüst klettern, könnte genauso gut eine Szene aus der Serie Lost sein. Eigentlich fühlt sich hier alles an wie bei Lost. Ob im tiefsten Busch vielleicht doch Wilde oder Monster verweilen?Wir entdecken auf jeden Fall sehr merkwürdige Spuren, die wir keinem uns bekannten Tier zuordnen können.

 

Der Sonnenuntergang auf dieser Insel wird zum mächtigsten Sonnenspektakel, dass in meinen Erinnerungen platziert ist. Die Sonne wirkt fast dreimal so groß wie sonst und ist in die schönsten Farben getaucht. Sehr langsam bahnt sich dieser riesige Himmelskörper seinen Weg nach unten, immer dichter ans Meer ran.

 

Mit der Dämmerung tauchen dann immer mehr Lebewesen auf. Es sind beispielsweise so viele Soldiercrabs unterwegs, dass wir nur noch auf dem Abschnitt, auf dem das Meerwasser an den Strand schwappt spazieren können. Ansonsten würden wir mit jedem Schritt ein Dutzend Krebse töten.Zu weit im Wasser kann man allerdings auch nicht spazieren. Denn hier chillen überall Rochen und andere Fische, bei denen die Gefahr besteht, dass man auf sie tritt.

 

Die Insel zeigt uns sehr deutlich, dass sie keine gute Umgebung für Menschen ist. Alles erwacht und weist uns den Weg zurück zu Schironn.Das Dingi haben wir in den Busch gezogen und haben nun ernsthaft Probleme einen Weg zu finden, bei dem wir nicht das emsige Treiben der kleinen Krebse stören.

 

Zurück bei Schironn fühlen wir uns auf jeden Fall wohler. Wahnsinn, eine Landschaft, die den Menschen in sein Refugium zwingt! 1:0 für die Insel!

 

Auf Schironn beginnt allerdings der Krieg gegen Mücken und andere Stechinsekten. Die Jungs fahren schweres Geschütz und ein Abwehrsystem gegen die Tiere auf. Die Fronten fechten einen ernsthaften und brutalen Krieg aus.

 

 

Dass hier alles lebt, zeigt schließlich auch der Blick mit der Taschenlampe ins Wasser.Eigentlich sieht mein gar kein Wasser, sondern nur Milliarden kleinste Lebewesen. Plankton, kleine Garnelen, quallenartige Geschöpfe, Kryll und viele mehr. Ehrlich gesagt, ist der Blick ins Wasser glatt ein bisschen unheimlich, wenn ich bedenke, dass ich hier heute Mittag schwimmen war. Nun halten sich die quallenartigen Dinger mit ihren mega dünnen Tentakeln an unserer Badeleiter fest und auch die Garnelen finden unsere Badeleiter sehr interessant. Sie lassen sich hier ebenfalls nieder und glubschen uns mit ihren riesen Augen an. Das Wasser wimmelt nur so von Mikroorganismen.

 

Aber kein Wunder, das Wasser ist hier so warm und die Lagune gut geschützt. Wir befinden uns quasi in der Brutstätte des Planktons. Den Organismen, die an der untersten Ebene der Nahrungskette stehen, bei denen also das Leben der Ozeane beginnt. Ohne das Plankton hätten viele andere Lebewesen im Ozean keine Lebensgrundlage, unter anderem auch einige Walarten, wie zum Beispiel die Walhaie, die Blauwale oder die Finnwale. Kein Wunder also, dass die Küsten vor Mexiko ein Wal- und Fischparadies sind.

 

Ich gehe hier aber am nächsten Tag lieber nicht mehr schwimmen. Die Konzentration an Kleinstlebewesen, durch die ich mich begeben würde, ist mir irgendwie doch ein bisschen zu krass.

 

Am nächsten Tag segeln wir weiter. Mit Hilfe von Navionics folgen wir einfach der gespeicherten Route unseres Hinwegs und sind uns so sicher, dass wir nicht in zu flaches Gewässer geraten. Weiter geht es an Belize vorbei nach Guatemala. Im Rio Dulce werden wir den längsten Stopp machen, den wir bisher gemacht haben. Grund hierfür ist der Beginn der Hurrikansaison, in der auch wir nicht unbedingt in gefährdeten Gebieten verweilen möchten.

 

 Nächster Bericht: „Einklarieren in Livingston, Guatemala“ folgt in Kürze

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