Schironn Crew auf den Spuren der Maya

Der Zusammenbruch der alten Maya-Kultur ist ein echtes Rätsel, dessen Geheimnisse bisher keiner detailgetreu rekonstruieren kann. Unsere Reise führt uns zu alten Pyramidenstätten der Maya, die lange Zeit völlig unbeachtet im Dschungel von der Vegetation bedeckt waren.

 

Die Maya-Kultur, die mit diesen Pyramiden in Verbindung stand und deren kulturelles Leben sich um diese Stätten drehte, gibt es in dieser Form nicht mehr. Die Ruinen der Pyramiden sind schon lange entvölkert und stehen verwaist im Urwald. Wir treffen aber auf unserer Rundreise auch heute noch auf gelebte Mayakultur und sehen eine Bevölkerung, die stolz darauf ist, eine kulturelle Geschichte zu besitzen.

Am interessantesten ist unsere Begegnung mit den einheimischen Besitzern des Hostels Posada Casita Linda in Tulum. In einer ruhigen Minute nimmt uns einer der Jungs an die Hand und führt uns auf die Rückseite des Gebäudes, in dem die Doorm Schlafräume untergebracht sind. Auf einem aus Steinen gebauten Tisch offenbart sich uns eine Maya-Pyramide in Miniaturformat. Sie ist richtig detailgetreu nachgebaut und sieht extrem bezaubernd aus. Unser Freund vom Hostel gibt uns folgende Erklärung zu der Pyramide:

 

Wenn man Land für seine Zwecke bebaut, muss man den kleinen Männern mit spitzem Hut, Kobolde wie er sie nennt, ein Haus bauen, damit sie auch weiterhin ein zu Hause haben. Baut man Ihnen kein Haus, machen sie Ihren Unmut schnell bemerkbar, indem sie beispielsweise mit Steinen schmeißen oder andere Streiche spielen, um das tägliche Leben oder auch das Geschäft der Menschen zu beeinträchtigen. Und deswegen haben die kleinen Kobolde hier ihre eigene Maya-Pyramide erhalten.

In Merida partizipieren wir an der wöchentlich stattfindenden Inszenierung des Pok ta Pok Spiels. Ein Ballspiel, welches die Maya früher gespielt haben und für das fast auf jeder Pyramidenanlage eigens ein Spielfeld zu finden ist. Gerüchten zufolge, sollen die Verlierer des Spieles durchaus mal mit dem Leben bezahlt haben. Die Inszenierung bringt Einheimische und Gäste zusammen und ist ein wirklich gelungenes interkulturelles Erlebnis. Wir müssen vor allem über unsere physische Andersartigkeit mächtig schmunzeln. Da wir sehr früh ankommen, nehmen wir auf der Sitztribüne in der ersten Reihe Platz. Während der Show realisieren wir, dass alle Plätze auf der Tribüne belegt sind. Alle, nur die vier Plätze hinter uns nicht! Wie unangenehm ist das denn? Keiner wollte sich hinter uns setzen, weil wir einfach viel größer als die meisten anderen Menschen hier sind.

Und überall begegnet uns der Tod. Durch Relikte der Vergangenheit und durch die Begegnung von Land und Leute in der Gegenwart. Der Tod spielt schon seit jeher im alltäglichen Leben der Bevölkerung eine ungewöhnlich zentrale Rolle. Heute wird zu Ehren der Verstorbenen einmal im Jahr ein großes Fest ausgerichtet (Dia de los Muertos), außerdem erfahren wir, dass der Tod eine Sie ist und als ständiger Begleiter auf der Schulter von Jedem sitzt und man keine Angst vor ihr haben muss.

Unsere Besichtigungen von mehreren Pyramidenanlagen (Chichen Itza, Uxmal, Ek Balam) hinterlassen allerdings einen faden Beigeschmack. Das Leben der Maya war sehr stark durch rituelle und religiöse Handlungen geprägt, welche zum Teil äußerst brutal, bzw. regelrecht blutrünstig waren. Außerdem waren kriegerische Auseinandersetzungen (insbesondere in Zeiten von Dürre) untereinander sowie Menschenopfer gängige Praxis! Gefangene wurden brutal gefoltert.

 

In Chichen Itza besichtigen wir ein Monument, das die Gewalttätigkeit des Königreichs repräsentiert. Mehrere tausend Schädel werden hier zur Schau gestellt und die Insignien im Stein zeigen Menschen mit abgeschlagenen Köpfen in der Hand.

Die kleinen Politischen Einheiten wurden jeweils von einem König regiert, dessen Macht sich durch die angebliche Gabe, über Regen verfügen zu können und so Dürren abwenden zu können, legitimierte. Als Gegenleistung für die Regengarantie, gab das Bauernvolk dem König Lebensmittel, Reichtümer sowie Arbeitskraft.

 

Naja, und wofür die Arbeitskraft genutzt wurde, verdeutlicht die massive Bauweise, der in den Himmel ragenden Pyramiden sehr gut. Da wir keinen rationellen Nutzen von den Pyramiden erkennen können, wie z.B. den Nutzen als Festungsanlage, bin ich sicher, dass jeder König einfach bloß die höchste Pyramide haben wollte, um dem König vom Nachbardorf den Stinkefinger zeigen zu können. ;)

 

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte, sind die Menschenopfer! Wir sind erschreckt über die Praktiken der Menschenopferungen. Angehörige von rivalisierenden Gruppen, aber auch Leute aus der eigenen Gruppe und sogar Kinder wurden in nicht geringer Anzahl geopfert. Es heißt, dass Menschen bei lebendigem Leib aufgeschnitten und das Herz rausgerissen wurde. Oftmals wurden Menschen bei lebendigem Leib in die Cenoten (Kalksteinlöcher mit Wasser) gestoßen.Kein Wunder also, dass die ersten europäischen Siedler die Mayas für Barbaren hielten und ihnen die rituellen Praktiken austreiben wollten?!

 

Die Besuche der Pyramiden lassen uns auf jeden Fall mit vielen Fragen und Mutmaßungen zurück. Aber tragen auch ein großes Stück dazu bei über die Geschichte der Menschheit zu lernen. Für mich also definitiv ein „Must See“ im Leben!

 

Ein sehr empfehlenswerter Artikel über die Zusammenbrüche bei den Maya findet man übrigens in Kapitel 5 des Buches „Kollaps – warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ von Jared Diamond, dessen Buch uns die gesamte Reise begleitet hat.

Nächster Bericht folgt in Kürze.

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