Das El Nino Jahr ist vorbei - Rückblick auf Hurrikan Alex

„So was gab es bisher noch nie!“ – ja, genau so ist das mit dem Wetter. Es sorgt auch im zwanzigsten Jahrhundert immer noch für Überraschungen. Wir Menschen verstehen das Wetter und damit die Zusammenhänge von Wind, Wasserströmungen, Regen, Sonnenschein, Bewölkung, Wärme, Kälte o.ä. heute zwar ziemlich gut, aber trotzdem werden wir regelmäßig von ungewöhnlichen Wetterphänomenen überrascht.

 

Irgendwie kann man schon sagen, dass das Wetter verrückt spielt. Ganz sicher habe nicht nur ich das Gefühl, dass das Wetter früher beständiger war!

Zu allem Überfluss hatten wir das Pech in einem El Nino Jahr los  gesegelt zu sein.In einem sogenannten El Nino Jahr kommt es zu einer Anomalie der Pazifikzirkulation zwischen der Westküste Südamerikas und Südostasiens. Durch schwächere Passatwinde heizt sich die Meeresoberflächentemperatur vor der Küste Südamerikas überdurchschnittlich auf, so dass sich die normale Kalt-Warm-Wasserzirkulation umkehrt und eine Warmwasserzunge um den Äquator entsteht. Einher geht eine große Wasserverdunstung mit hohem Niederschlagvolumen. El Nino sorgt so für sehr viel Niederschlag in Südamerika und Dürre in Südostasien, Australien und Indonesien.

 

Außerdem sorgt er für heftige Stürme in Mexiko und Kalifornien. El Nino hat aber nicht nur Auswirkungen auf das Wetter im Pazifikraum sondern auf Grund der global zusammenhängenden atmosphärisch-ozeanischen Abläufe auch auf das Wetter weltweit. Im El Nino Jahr 2015 gab es beispielsweise drei mal so viel Zyklone im zentralen Pazifik als sonst, die gesamte Karibik wurde durch extreme Hitze und wenig Niederschläge geplagt, Ernten blieben aus, Notfallwasserversorgungen mussten partiell in die Wege geleitet werden, es gab in den Dürreregionen massive Buschbrände sowie eine verheerende Hungerkatastrophe in Äthiopien . Insgesamt war 2015 das Jahr mit der höchsten durchschnittlichen Oberflächentemperatur seit Anbeginn der Aufzeichnungen.

 Wie komme ich auf diesen Wetterexkurs? Ich habe bei Spiegel Online Satellitenaufnahmen von Hurrikan Alex gefunden. Der Hurrikan im Nordatlantik, welcher auf unserer Atlantiküberquerung für massive Irritationen der Passatwinde gesorgt hat und dem wir - man erinnere sich an meinen Bericht „Atlantiküberquerung erster Teil“ - zu verdanken hatten, dass wir mehrmals am Tag die Segel wechseln mussten und schließlich von einem Tiefdruckgebiet mit 65 Knoten Wind heimgesucht wurden.

 

Hurrikan Alex war in doppelter Hinsicht ein anormales Wetterphänomen. Zum einen war er der erste Hurrikan seit 1978, der im Monat Januar aufgetreten ist und zum anderen gab es noch nie einen Hurrikan im Nordatlantik, dessen Laufbahn so weit östlich verlaufen ist. 

Faszinierend diese Luftbildaufnahmen. skurril anmutend und beeindruckend. Ich lasse alle Schlechtwetter- und Sturmepisoden, die wir bisher erlebt haben Revue passieren und bin froh, dass wir die paar unangenehmen Szenarien gut gemeistert haben.

 

Bisher haben wir eine direkte Begegnung mit Seglern gehabt, die bei Ihrer Überfahrt von Sardinien nach Menorca in einen Zyklon geraten sind, einen Notruf senden mussten, ihr Schiff aufgeben und letztendlich einen Totalschaden des Schiffes erlitten haben.

 

Ich hoffe, Alex war der erste und letzte große Tropensturm, der unsere Fahrt direkt beeinflusst hat, aber man weiss ja nie...

Das El Nino Jahr ist jetzt offiziell vorbei. Nun folgt sogleich die kleine Schwester La Nina.La Nina bewirkt genau das Gegenteil von El Nino. Durch hohe Luftdruckunterschiede zwischen Südamerika und Indonesien verstärken sich die Passatwinde und die Temperatur des Oberflächenwassers um den Äquator im Ostpazifik sinkt wieder ab.Folglich werden Regenfälle in Südostasien, Indonesien und Australien verstärkt. Vor Australiens Küste wüten vermehrt Stürme. In Südamerika wiederum kehrt die gewohnte Hitze und massive Trockenheit zurück.

 

Wir planen gegen Ende des Jahres durch den Panamakanal in den Pazifik zu fahren und sind gespannt, ob wir Auswirkungen von La Nina spüren werden. Vorsorglich decken wir uns mit guter Regenklamotte ein und haben aus Deutschland einen Para-Anchor mitgebracht. Ein Para-Anchor ist quasi ein Fallschirm, der bei starkem Sturm vorne am Schiff befestigt und mit einem ca. 50 Meter langen Seil und Kette über Bord geworfen wird. Öffnet sich dieser dann im Wasser, soll er bewirken, dass der Katamaran mit der Spitze gegen Wind und Welle gehalten wird. Dennoch Finger crossed, dass wir Ihn nicht benutzen müssen!

 

 

 

Nächste Berichte über unsere Erlebnisse in Mexiko folgen in Kürze. Ab sofort wieder mehr News von Schironn! :)