Morant Cays – verlassene Fischerinseln in jamaikanischem Territorium

Zwei Tage vor Jamaica, entschließt mein Navigator, dass wir einen Zwischenstopp auf den Morant Cays einlegen werden. Im Morgengrauen steuern wir die kleinen, ca. 60 Seemeilen vor Jamaika liegenden Inseln, an.

 

Morant Cays? Irgendjemand jemals etwas von diesen Inseln gehört? Nee, wir auch nicht. Genau genommen handelt sich um eine Handvoll kleiner unbewohnter Sandanhäufungen mitten im Ozean. Die Größte von Ihnen ist vielleicht gerade mal 400 Meter lang und 200 Meter breit. Die Inseln sind komplett von Riffen umgeben, so dass wir bei der Anfahrt lieber scharf Ausschau halten, ob nicht irgendwo eine Untiefe auf uns lauert.

 

Da wir diesen Stopp sehr spontan einlegen, haben wir uns vorab auch keine Bilder der Insel bei google earth angeschaut. Naja, bisher hat Navionics gute Dienste geleistet und wir merken auch hier schnell, dass die Angaben mit unseren Instrumenten übereinstimmen.

 

Vor der größten Insel fällt unser Anker sicher auf drei Meter Tiefe. Wahnsinn, wie mitten im Ozean so kleine Sandinseln auftauchen. Es sieht total surreal aus. Die Inseln erinnern mal wieder an eine Szene aus „Fluch der Karibik“ und zwar an die Szene in der Johnny Depp auf einer einsamen Sandinsel ausgesetzt wird.

Wir frühstücken erst mal und ich bin überzeugt, dass dies einer der verrücktesten Orte sein wird, an denen ich jemals gefrühstückt habe. Anschließend geht es sofort auf Erkundungstour. Die Unterwasserwelt offenbart seltsame pilzartige Pflanzen, die bis zum Land hin aus dem Boden sprießen. An Land sieht es dann erst mal ein bisschen gruselig aus. Der Sand ist mit viel Plastikmüll bestückt und es liegen überall alte Fischgerippe rum. Ich habe noch nie so viele Fischgräten gesehen. Es gibt einen kleinen Leuchtturm, bei dem bereits ein Stützseil gebrochen ist, ein paar kleine Wellblechhütten und eine kleine solarbetriebene Wetterstation. In den Wellblechhütten finden wir Indizien von Menschen, die hier hin und wieder übernachten oder übernachtet haben. Wir gehen von Fischern aus, alles andere würde wohl keinen Sinn machen. Alles sieht irgendwie bezaubernd aus. Der Boden ist mit schneeweißen Korallen und Muscheln bedeckt, dazwischen liegen lila farbige Blattkorallen Um eine schmuddelige Wasserpfütze haben sich trockene  Salzschichten gebildet, die den Boden wie eine schuppige Eidechsenhaut aussehen lässt. Die Wetterstation steht so einsam, als wäre sie auf dem Mond platziert und wir stolzieren umher, als würden wir den Mond auskundschaften.

 

Entlang des Riffes schnorcheln wir zur Nachbarinsel, welche von hunderten von Vögeln bevölkert wird. Diese finden unsere Ankunft zum Kreischen. Wie abgesprochen kreischen sie alle gleichzeitig los und fliegen hektisch umher. Wir stören ihre Brutstätte, also machen wir uns langsam zurück zu Schironn.

 

Eigentlich planen wir, kurz vor Sonnenuntergang unsere Fahrt fortzusetzen, aber der Wind weht bereits dauerhaft mit über 20 Knoten, so dass wir uns entschließen, eine Nacht hier in dieser merkwürdigen Szenerie zu verbringen. Wie sich am nächsten Morgen herausstellen wird, war es mehr als eine gute Entscheidung nicht in der Nacht loszufahren. Wir haben auf der gesamten Strecke bis Jamaica 25-30 Knoten Wind von 90 Grad und die Wellen sind so hoch, wie noch nie!! Im Reff zwei fahren wir dauerhaft 8 Knoten und werden von den Wellen von der Seite richtig hops genommen. Selbst bei mir tanzt der Magen und das heißt wirklich was! Bei Nacht wäre diese Passage definitiv nicht schön geworden!!!!! Jetzt tagsüber ist es okay, denn so haben wir bereits mittags wieder „Land in Sicht“: Jamaika!!!

 

Jamaika ist ja richtig hügelig, das hätte ich gar nicht gedacht.

 

Obwohl wir schon früh Land sehen, zieht sich die Strecke bis Kingston sehr lange hin. Im Windschatten der Insel motoren wir an der Küste entlang und allein die Strecke bis in den Hafen fühlt sich an wie acht Stunden. Der Grund hierfür ist, dass der Hafen von einer Landzunge umschlossen ist, die man von „Außen“ lang fahren muss, um sie dann von „Innen“ wieder zurück zu fahren.

 

Ansonsten sieht man sofort, dass Kingston einer der größten natürlichen Industriehäfen der Welt ist. Das hier ist definitiv nicht das karibische Seglerparadies. Nix als Industrie und Berufsschiffe. Und über Kingston hängt eine dicke Wolkenschicht.

 

 

Wir wissen erst mal gar nicht wohin wir sollen und wie wir Einklarieren können. Über Funk meldet sich die Port Control nicht zurück, also ankern wir vor einer Marina und versuchen unser Glück mit dem Dingi. Mittlerweile ist es schon 19.30 Uhr und wir sind richtig hungrig und ausgelaugt. Wir haben uns alle auf einen dicken Burger gefreut und nicht so wirklich damit gerechnet, dass diese Hafeneinfahrt eine Ewigkeit für sich in Anspruch nehmen wird.

 

Aber Pustekuchen, wir reden mit der Managerin und die sagt uns, dass wir am Steg, an dem man sonst tankt, anlegen sollen. Sie wird in der Zwischenzeit die Quarantäne, den Zoll und die Immigration benachrichtigen. Aber bevor diese da waren dürfen wir das Schiff nicht verlassen.

 

Okay, also mit dem Dingi zurück, mit Schironn am Steg anlegen und warten und warten und warten und warten und warten... Wir haben richtig Hunger und was wohl noch viel schlimmer ist, die Jungs haben seit Tagen keine Zigaretten mehr und wollen einfach nur eine Schachtel irgendwo ergattern.

 

Eine Frau vom Zoll taucht auf, gibt uns aber zu verstehen, dass sie nicht Ihren Job machen kann, bevor nicht die Quarantäne da war und diese erreiche sie seit heute Mittag nicht. Sie komme entweder später nochmal wieder oder sonst erst morgen früh.

Mmh, wir halten es nicht mehr aus und Sören geht los, um den Security Mann zu fragen, ob es einen Pizzaservice oder irgendwas gibt. Anstelle des Wachmannes trifft er auf zwei andere Segler, die ihn Kurzerhand mit  dem Auto zum nächsten Burgerladen mitnehmen. Yaahh Mann!!! In der Zwischenzeit taucht die Quarantäne auf. Ich mache ein paar Kreuze und tätige ein paar Unterschriften während Sven und Tammo mit ihrer Verwirrungstaktik, die Abwesenheit von Sören vertuschen wollen. Das sieht wie folgt aus: Während ich mit den beiden Männern von der Quarantäne am Tische sitze, spazieren Sven und Tammo abwechselnd durchs Schiff, verschwinden in den Kuven und wechseln sogar die Klamotten, um den Anschein, dass vier Personen an Bord sind zu wahren. Ich sitze da und amüsiere mich herzlich. 21.19 Uhr und wir dürfen zumindest schon mal die gelbe Flagge runter nehmen. Dann kommt Sören mit Burgern, kalter Cola, Zigaretten, Jamaikanischem Rum und Bier wieder.

 

Im Schlepptau hat er die beiden Segler, ein Jamaikaner und ein Kanadier. Als wären die Burger und die kalten Getränke nicht schon großartig genug, gibt es von den beiden Besuchern gleich eine Menge Infos über Jamaika, über die Leute im Hafen oder wen man sonst so kennen sollte sowie großartige weltgewandte, herzliche und lustige Unterhaltung. Yaahh Mann, welcome to Jamaica!!!!  

 

Nächster Bericht: "Jamaika – Land of the Homegrown" folgt in Kürze    

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