Segeln im Karibischen Meer Teil 2 Windward Islands – Tobago Cays und Grenada

Nächster Halt auf der Inselkette: Tobago Cays.

 

Die Tobago Cays sind vier winzig kleine und unbewohnte Inseln, die durch ihre kleinen Palmenstrände bezaubern. Unbewohnt stimmt allerdings nur so halbwegs, denn im Gegensatz zu unserer kleinen verlassenen Pirateninsel, ankern hier rund um die Inseln mehr als 50 Segelschiffe.

 

An den Stränden wimmelt es von tobenden Kindern und sich bräunenden Menschen.

 

Farblich ist es hier wirklich schön, das Wasser ist so türkis wie noch nirgendwo vorher. Die Inseln haben für uns aber irgendwie nicht den „Wow-Effekt“. Wir wissen beide nicht genau, wieso, aber es ist halt so: entweder haut einen ein Anblick um oder eben nicht. Was uns allerdings umgehauen hat, ist das Lobsterdinner am Strand. Zubereitet unter freien Himmel. Der Preis von 100 Karibischen Dollar pro Person (über 30€ p.P.) ist gaaanz schön krass. Aber unser Resümee war trotzdem: alles richtig gemacht. Es war richtig lecker und richtig viel!!! 

 

Nach kurzem Ausklarierungsstopp auf Union Island, geht es mit großem Schritt nach Grenada. Das Segeln in der Karibik ist wirklich ein Genuss. In der Regel kann man sich hier ja auf den Wind verlassen: Ost oder Nordostwind mit Stärken bis zu 25 Knoten. Ab und zu muss mal ein Reff rein und ansonsten heißt es Groß und Genua raus und ab dafür. Lediglich die Windschatten der Inseln stoppen die schöne Fahrt. Zudem liegen die nächsten Destinationen nach Wunsch immer nur einen Tagestörn entfernt. Es ist wirklich ein Seglerparadies und jetzt verstehe ich auch, dass das Chartern im großen Stil einigermaßen sicher über die Bühne geht. Man muss schon richtig ignorant sein, um hier zu großem Schaden zu kommen. Obwohl wir auf den Tobago Cays einen Katamaran sehen, der schnurstracks aufs Riff steuert und auch hängenbleibt (die Korallenriffe sind entsprechend fast überall, auch hier auf den Tobago Cays, massiv beschädigt!!). Zudem hört man immer wieder Horrorstories von herrenlos umher driftenden Yachten, bei denen sich der Anker gelöst hat und die nun auf Kuscheltour gehen.

 

Wir merken, dass sich bei uns nach der Atlantiküberquerung eine gute Routine eingestellt hat. Es klappt mittlerweile alles ohne viele Worte zu verlieren. Wahnsinn! Vor sechs Monaten wusste ich noch nicht mal was eine Wende ist und nun bin ich sicher, dass ich Schironn auch alleine „nach Hause“ bringen könnte.

 

Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir St. Georges auf Grenada. Das letzte Stück mussten wir im Windschatten der Insel motoren. Nah am Land fahren wir die Küste entlang und bekommen so einen ersten Eindruck von der Insel. Mein Eindruck ist: „Wow, so habe ich mir das vorgestellt.“ Die Insel ist unglaublich grün, Bergrücken, die mit dichtem Regenwald bedeckt sind, kennzeichnen das Bild. Das landschaftliche Bild steht quasi im kompletten Kontrast zu Barbados. Grenada wird auch die Gewürzinsel genannt, so dass es naheliegt mit einem Guide die Insel zu erkunden. Von Segelfreunden erhalten wir den Kontakt von Cutti, den wir an dieser Stelle gerne weiter empfehlen möchten (Telefonnummer gibt’s auf Anfrage ;)). Cutti fährt uns mit seinem nagelneuen Kleinbus acht Stunden lang über die Insel. Wir kennen am Ende des Tages jedes Viertel der Insel sowie jede „Sehenswürdigkeit“. Cutti hat zudem ein exzellentes Wissen über Flora und Fauna und hält in regelmäßigen Abständen am Straßenrand, um uns den Gewürz- und Früchtereichtum der Insel hautnah zu zeigen. Für jede Krankheit kennt er eine natürliche Heilpflanze, die bestimmt an der nächsten Ecke wächst und uns präsentiert werden kann. Wahnsinn! Wir sind sehr angetan von der riesen Tour, der Besichtigung von zwei winzigen Schokoladenfabriken, einer Rumdestillerie und einem kleinen Wasserfall. Außerdem war es mal richtig nett, dass wir den ganzen Tag rumgefahren wurden und ausnahmsweise nicht selber planen mussten. Ich frage mich allerdings nach der Tour ernsthaft was Grenada wirtschaftlich aufweisen kann, also welche Arbeitsplätze hier zur Verfügung stehen. Grenada war einst der zweitgrößte Muskatlieferant der Welt. Auf unserer Tour kommen wir jedoch an drei geschlossenen Muskatfabriken vorbei. Nach dem letzten Hurrikan im Jahre 2004 wurden die Muskatnussbestände so massiv beschädigt, dass die Fabriken alle geschlossen werden mussten. Ein Musskatnussbaum braucht 10 Jahre bis er die ersten Früchte trägt. Die Insel leidet wirtschaftlich also stark an den Nachwirkungen der Zerstörungen. Auch die Schokoladenfabriken sind eher eine lokale Attraktion. Schokolade mit hohem Kakaogehalt wird hier für 4 Dollar pro Tafel an die Touristen verkauft. 10-20 Arbeitsplätze werden hier geschaffen. Das reicht definitiv nicht für 92.000 Grenadians.

 

Wir verlassen St. George, um noch weiter in den Süden zu segeln und uns die Mangroven in den kleinen Buchten aus nächster Nähe anzugucken. Wir finden in der Mt. Hartmann Bay sogar einen Ankerplatz bei dem wir Schironn mit einer Heckleine an einer Palme befestigen können. Wir können so quasi an Land spazieren und stehen Kerzengerade ohne uns zu drehen. Die Buchten hier im Süden galten bis zum Hurrikan Ivan 2004 als Hurrikanholes. Nun kann man überall Schiffsleichen bewundern. Zudem bleiben die meisten Segler zur Hurrikansaison nicht mehr hier, sondern „überwintern“ weiter im Süden auf Trinidad. Viel gibt es hier nicht zu tun, außer in der „Secret Harbour“ herumzuhängen.

 

Zum Ausklarieren fahren wir ein paar Tage später abenteuerlich mit unserem Dingi in die Nachbarbucht (Prickle Bay). Beim Blick auf die Karte empfand ich, dass die Strecke durchaus mit dem Dingi zurückgelegt werden kann und wir nicht extra mit Schironn umparken müssen. Die Entfernung und das Ausmaß der Wellen waren dann doch etwas heftig. Auf dem Hinweg haben wir die Wellen von hinten, so dass wir mit dem Dingi rasant schnell über die Wellen surfen. Ich deklariere mehrfach, dass ich mich geirrt habe, und man diese Strecke wohl lieber doch nicht mit dem Dingi fahren sollte. Sven allerdings freut sich, dass er das Dingi endlich mal bei riesigem Wellengang testen kann. Zum Glück habe ich den Wasserfesten Rucksack mit Luft gefüllt auf meinem Rücken geschnallt, so dass ich im Notfall wenigstens einen Schwimmkörper dabei habe. Ich atme tief durch, als wir im ruhigeren Gewässer der Prickle Bay angekommen sind. Nach kurzem Ausklarieren folgt dann auch schon sofort Runde zwei. Diesmal nun gegen die Wellen!!! U lala.... wir fliegen mit unserem Dingi! Eine riesen Wellen hebt uns hoch und lässt uns so über ihren Kamm springen, dass das gesamte Dingi in der Luft schwebt und selbst die Motorschraube durchdreht, da sie plötzlich kein Wasser mehr um sich hat. U lala. Naja, aber ich muss zugeben, Spaß hat das schon gemacht ;).

 

Weiter geht’s jetzt aber lieber mit unserer Schironn. Nächster kurzer Zwischenstopp ist der Unterwasserpark ein paar Meilen von St. George entfernt.

 

Hier schnappen wir uns eine Mooring, für die wir eine kleine Gebühr zahlen müssen und gehen sofort auf Schnorcheltour. Auf 3-5 Meter Tiefe wurden hier mehrere Skulpturen versenkt und können nun frei betaucht werden. Super Idee. Wir sind begeistert und schnorcheln und tauchen hier eine ganze Weile.

 

Wer hier mit seiner Yacht liegt, wird auch ganz sicher Johnny kennenlernen. Ein 28 jähriger junger Typ, der mit seinem gelben Kayak durch die Bucht fährt und immer für ein Gespräch offen ist. Er ist der Typ, „ich habe viel Zeugs in meinem Leben angestellt, habe die Schule abgebrochen und nie etwas gelernt“, aber er ist auch ein guter und ehrlicher Mensch, der nicht darauf aus ist jemanden zu verarschen, sondern einfach nur seine Zeit tot schlagen will. Ein Junge, der täglich trinkt und kifft, aber freundlich von Yacht zu Yacht hausiert, in der Hoffnung mal hier und mal dort etwas geschenkt zu bekommen. Und gleichzeitig davon träumt, ein eigenes laufendes Business zu haben, in dem er Touristen als Guide für den Unterwasserpark dient. Und er ist ein Junge, der davon träumt, zu seiner Mutter nach New York zu kommen, ohne jede Vorstellung davon zu haben, wie anders das Leben in New York für ihn wäre. Generell redet er unglaublich viel von seiner Mum, was ich für einen 28 Jährigen sehr erstaunlich finde. Ich sitze auf der Kufe und er in seinem Kajak und wir reden Ewigkeiten. Teilweise verstehe ich nicht, was er mir erzählt, weil ich sein Englisch nicht verstehe, aber ich verstehe ihn, sein Wesen und seine Situation. Er merkt, dass ich ihm ohne Vorurteile begegne und freut sich regelmäßig für einen Plausch vorbei kommen zu können. Ich versuche ihn zu animieren, ein Buch über seine Begegnungen mit den Yachties zu schreiben, aber scheinbar findet er die Begegnungen nicht so spannend, als dass er einen Sinn in so einem Buch sieht. 

 

Für uns heißt es am nächsten Tag, Abschied von Grenada zu nehmen. Es geht über Nacht hoch nach St.Lucia.

 

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