Segeln im Karibischen Meer Teil 1: Windward Islands – St. Vincent and the Grenadines

Von Barbados geht es über Nacht unter traumhaften Segelbedingungen nach Bequia (gesprochen: Beckwey). Vorab haben wir schon von diversen Leuten auf Barbados gehört, dass die Admirality Bay auf der Insel einen Besuch wert ist. Der Chef unserer Autovermietung auf Barbados (Coconut Cars) hat uns insbesondere ans Herz gelegt, eine Lobsterpizza bei Macs Pizza zu essen. Hummerpizza, das klingt auf jeden Fall so als sollte man das probieren.

Bei Ankunft in der Bucht sind wir erst mal ganz schön erstaunt. Hier liegen ungelogen hunderte Segelschiffe vor Anker!!  Hunderte!! Die Bucht ist dennoch irgendwie ganz niedlich. Die Insel ist wie ein „U“ geschnitten und die Admirality Bay ist quasi die Einbuchtung des „Us“. Die Bucht ist im Verhältnis zur Insel extrem groß, so dass es sich anfühlt, als wären die vielen Boote ein eigenes kleines Dorf. Es herrscht allzeit reger Dingi Verkehr, überall wird gewerkelt und dem Bordalltag nachgegangen.

Zudem ist die Bucht so geschützt, dass selbst die Masten der Monos ausnahmsweise mal nicht vor unseren Augen um die Wette taumeln.

 

Wir nutzen die Zeit, um endlich ein bisschen zu entspannen und gleichzeitig die ersten Reparaturmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Da das Wasser schön ruhig ist, fackeln wir nicht lange und widmen uns den Werkeleien, die oben im Mast getätigt werden müssen. Sven wird mit der dicken Berta, unsere elektrischen Winsch, 14 Meter in die Höhe gehievt. Ach wie schön, wenn der Mann ganz nett sein muss, da er andernfalls nie wieder, oder nur unter Schmerzen, runter komm. Um die zwei Stunden lang, wird eine neue Fall durch den Mast gezogen, der Radarreflektor fest installiert und die Glühbirne des kaputten Ankerlichtes gewechselt.

 

Et voila, wieder ein paar to dos abgehakt. Bis dann die Nächsten anfallen ;)...

 

Was gleich am nächsten Tag der Fall ist. Der Wassermacher zieht zu viel Strom, so dass der Batteriehauptschalter durchgeschmort ist. Oha. Damit ist nicht zu spaßen. Aber alles ist gut, Sven bekommt gleich einen Neuen und baut ihn noch am selben Tag ein. 

 

Die Lobsterpizza wird am selbigen Abend für sehr lecker, aber wirklich teuer befunden. Toffi kostet der Spaß letztendlich fast 2000€. Kreditkartenbetrug!!! Scheinbar werden die Segler hier in der Bucht systematisch für Kreditkartenbetrug ausgenutzt, denn auch von unseren Segelfreunden, den „Balous“, hören wir, dass ihre Karte am Geldautomat ausgelesen wurde. Nettes Geschäft, wenn man überlegt, dass hier bestimmt jeden Tag mindestens zwei Segler mit Kreditkarte hantieren. Aber wirklich schade, um den Ruf der Bucht. Insbesondere, wenn es direkt in einem Restaurant von statten geht!!

 

Dann hopsen wir mal weiter. Nächste Station Mustique. Die Insel der Schönen und Reichen. Irgendwie gibt es ja mittlerweile überall so ein Eiland, auf dem die Preise ins unermessliche getrieben werden, damit nur eine spezielle Elite die Möglichkeit hat, ihr „Zuviel an Geld“ in die Welt zu schleudern und mit Eigentum auf dieser Insel kokettieren zu können. Wenn man Glück hat, sieht man auf Mustique das eine oder andere berühmte Gesicht, heißt es.  

 

Da freuen wir uns aber.... und zwar im nach hinein darüber, dass der Wind uns leider nicht nach Mustique bringt. Wir müssten ein großes Stück gegen 25 Knoten Wind anmotoren, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als eine Insel weiter vor Anker zu gehen. Das Minieiland, dass wir Ansteuern heißt Savan und ist unbewohnt. Unser Revierführer gibt keinerlei Informationen über Savan. Der Wind bläst uns mit 25 Knoten aus 60 Grad um die Ohren und es ist gar nicht so einfach zwischen den Riffen einen guten Ankerplatz auszumachen. Ich orte vom Dach aus, wo die Riffe beginnen und enden und Sven steuert den Panzer durchs Gefahrengebiet. Im Windschatten der Insel fällt unser Anker in fünf Meter Tiefe auf Sandgrund. Exzellent!  

 Ankern vor einer einsamen Insel, ohne Informationen über das Segelrevier sowie die Ankermöglichkeiten. Das ist ja glatt ein Abenteuer in der Karibik, Wer hätte gedacht, dass das hier noch möglich ist?! Ein einsamer Ankerplatz ist ja wirklich nix wofür die Karibik noch berühmt ist!!

 

Wie es sich für ein echtes Abenteuer gehört, packen wir  schnell Bier, Erdnüsse und Schuhe in den wasserfesten Rucksack. Schnappen uns Schnorchel und Maske und schwimmen die 50 Meter an Land. Schon vom Boot konnten wir kleine verwahrloste Häuschen hinterm Strand ausmachen. Und tatsächlich: Wir finden ein verlassenes Haus mit drei Räumen vor. Jeder Raum ist verdreckt und voll mit alten Sachen. Überall liegen Dinge für die Fischerei rum, wie z.B. diverse Fischernetze. Wir finden ein paar Säcke mit Reis inklusiver kleiner Tierchen, ein Bett, alte Bücher und eine Menge Chaos von nicht identifizierbaren Dingen vor.  

 

Hinter diesem Haus befindet sich eine weitere kleinere Baracke, die komplett mit Hochbetten bestückt ist. Auf den Nachttischen stehen Medikamente, es liegen alte Klamotten rum, in der Mitte liegt eine Hängematte, ein Radio, Werkzeug, Schuhe und alles Mögliche wurde hier zurück gelassen. Sven entschließt, dass wir mit gutem Gewissen eine Streichholzschachtel der Marke „Masters Army&Navy“ sowie „Turtlesend“ mitnehmen können. Turtlesend ist eine richtig alte, rostige Machete. Da überall riesige Schildkrötenpanzer rumliegen, war der Name „Turtlesend“, den wir der Machete gegeben haben, für uns irgendwie naheliegend :/ Wir werden ihr allerdings eine neue Aufgabe überschreiben. Und zwar dient sie Sven erstklassig als Instrument zur Reinigung von Schironns Rumpf. 

 

Wir erkunden zudem eine Küche sowie eine Zisterne aus dem Jahre 1954 und folgen dann dem kleinen Pfad hoch auf die Insel. Auch hier finden wir Zeichen vergangener Zivilisation vor: ein kleiner Unterstand mit richtiger Matratze und Umrisse von Anbaufeldern. Die Anhöhe der Insel ist schließlich eine riesige weite Fläche, welche mit gelbem vertrocknetem Gras und seltsamen runden Kakteen bewachsen ist. Es ist unglaublich schön! An der Nordspitze bewundern wir die Überreste eines Stahlschiffes. Das Riff und die Wellen haben es in zwei Stücke geschlagen. Ich finde es immer wieder faszinierend ein Wrack hautnah zu sehen. Anders als bei Autounfällen bleiben die Überreste für eine Ewigkeit bestehen und werden von der Natur verformt. Die Gedanken kreisen um Ursache und Szenerie der Havarie und jedes Wrack bekommt so eine eigene Geschichte in unserer Phantasie.

 

Zurück am Strand gibt es Bier und Erdnüsse und wir sind alle froh darüber, dass kein Mensch aus einer dunklen Ecke aufgetaucht ist. Zufrieden schwimmen wir zurück zu Schironn. Ach wie schön, wenn alles anders kommt, als geplant und wir anstatt der Schönen und Reichen, unser eigenes Reich sichten durften.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0