Good Morning Barbados

Wenn man nach 31 Tagen auf See endlich Land erreicht und sich unglaublich auf eine Nacht freut, in der man zusammen ins Bett gehen kann, weil niemand eine Nachtschicht machen muss, in der also niemand Verantwortung übernehmen muss und man in einem Bett schlafen kann, dass nicht auf Grund der Fahrt und der Wellen ruckelt und schuckelt, und man dann morgens trotzdem verwirrt und eingerollt auf der Couch aufwacht, ...dann hat man die erste Nacht an Land definitiv ausgiebig zelebriert!! ;)

 

 

Was soll ich sagen. Ich wache um 7 Uhr morgens auf und sehe die Unterseite unseres Couchtisches. Hä, wieso liege ich auf der Couch? Dann merke ich, dass ich auf dem kleinen Teil der Eckcouch ganz klein zusammengerollt liege, also sozusagen auf der Ecke. Häh, wieso liege ich denn auf dieser MinifIäche? Bei der ersten Bewegung, stoße ich mit dem Kopf an einen anderen Kopf: Sven!

Oh, er liegt ja auch hier auf der Couch und zwar auf der Länge der Eckcouch. Wieso zur Hölle liegen wir denn hier und nicht im gemütlichen und wackelfreien Bett?  

 

An was ich mich erinnern kann:

Nachdem wir ordentlich im Hafen einklariert haben und in der Bucht vor Anker gegangen sind, machen wir uns mit unserem Dingi auf den Weg, um die „an Land geh Möglichkeiten“ auszukundschaften. Direkt vor der Ankerbucht kann man in einen kleinen Kanal fahren. Dieser führt uns ins Zentrum von Bridgetown. Das Dingi können wir hier sicher festmachen und weiter zu Fuß Land und Leute kennenlernen.

 

Uns treibt es für eine Schlendertour an den Strand. Und weil wir es nach 31 Tagen Abstinenz alle doch irgendwie kaum erwarten können, endlich mal wieder ins Internet zu gehen, Nachrichten von Freunden zu empfangen und Botschaften zu senden, Nachrichten zu lesen oder einfach nur dumm durch die digitale Welt zu surfen (ja, ganz ehrlich, Ursprungsromantik hin oder her, Internet ist einfach immer ein Ziel), lassen wir uns auf dem Rückweg in der Bar direkt vor unserem Ankerplatz nieder (mit einer Verstärkerantenne können wir dann später in der Regel vom Schiff aus ins Internet gehen). Ein Drink, zwei Drinks, News empfangen, über Nachrichten gefreut und Nachrichten beantwortet, entdeckt, dass ein Artikel im Segelreporter über uns erschienen ist, laute Musik, Menschen, Trubel, Burger und Drinks Drinks Drinks, Drinks..

 

Solange die Überfahrt gedauert hat, so schnell ist man doch wieder mitten im Leben und es scheint, als wäre, das was war, nie gewesen. Wir sind weder wehmütig noch euphorisch, wir erfreuen uns einfach an dem was ist. 

 

Und eh man sich versieht, sind darunter den vielen Menschen auch andere Segler, die schon andere Segler getroffen haben, die uns kennen. Und eh man sich versieht, ist da der einheimische Captain, der noch nie von uns gehört hat, der aber von der ersten Minute an wie ein alter Freund ist. Ich sehe uns lachen und Geschichten erzählen. Ich sehe, wie wir die Geschichten von anderen Menschen in uns aufsaugen, wie wir alle den Mikrokosmos des letzten Monats verlassen und ausgelassen die neue Welt, hier auf der anderen Seite des atlantischen Ozeans, kennenlernen.

 

„Kann es sein, dass diese Begegnung kein Zufall ist?“ Der einheimische Captain sitzt neben mir und spendiert uns allen einen Drink. Er ist Captain eines Party Katamarans, der täglich bis zu 75 Besucher die Küste entlang fährt, um ihnen ein „karibisches all inklusive Erlebnis“ samt Schildkröten, Wracktauchen, Tanzen, Essen und Trinken, zu bieten 

 

Und er ist einer dieser Menschen, die man trifft und weiß, dass es kein Zufall ist. Er stellt uns allen Mitarbeitern hier im Pirate Cove vor. Ich erfahre, wem welche Bar und wie lange schon gehört, wann Rhianna das letzte Mal auf der Insel war, wo man einkauft, wo man isst, wo man Bootsläden findet, wo wir Dingisprit her bekommen usw. usf. Die wichtigen Dinge halt, die man nicht weiß, wenn man fremd ist. Er ist der Typ Mensch: kennst du ihn, kennst du die Insel und wirst auch nie Probleme haben. 

 

Nachdem das Pirate Cove schließt, (was zur Hölle, haben wir heute eigentlich für einen Wochentag?), fahren wir mit ihm in seinem Auto weiter. Erst stoppen wir bei seinem Haus, dürfen seine Lebenswelt und seine Hunde kennenlernen, dann geht’s weiter durch diverse Bars im Lawrence Gap. Lawrence Gap ist die Schanze von Bridgetown: Clubs, Bars, Nutten, Koks, Streetfoot. alles was das Herz begehrt ;). Nur der kleine verträumte Strand und der Mix an Gästen lässt uns realisieren, dass wir in einer anderen Welt sind.

 

Überall ist der Captain bekannt, jeder scheint ihn zu mögen, mit ihm scheint alles möglich. Über alle kulturellen Unterschiede, Vorurteile und Grenzen hinweg begegne ich diesem Mann innerhalb von kurzer Zeit in tiefster Verbundenheit. Welten trennen uns, und dennoch ist es, als würde ich ihn, der hier auf Barbados mit sieben Geschwistern aufgewachsen ist, schon ewig kennen. 

 

Bis spät in der Nacht sind wir wieder mitten drin, in der Oberflächlichkeit der Einfachheit, im Rausch der Zeit, im Leben der Nacht, wie es überall doch irgendwie gleich ist.

 

An was ich mich nicht erinnern kann:

 

Als wir bei unserem Captain aus dem Auto steigen und uns verabschieden, kommt die Polizei vorgefahren. Nicht weil unser Captain ganz sicher nicht nüchtern ist - hier auf Barbados gibt es keine Promillegrenzen -, nein, es scheint wohl irgendwie komisch auszusehen, dass vier Weiße bei einem Einheimischen aus dem Auto torkeln. Wir werden gefragt, ob bei uns alles in Ordnung ist. 

 

Mit dem Dingi geht es schließlich durch den Kanal zurück in den Atlantik, zurück zu unserer Schironn. In voller Fahrt, verfangen wir uns in einer Angelschnur. Der Angler, der an der Landzunge bei der Einfahrt in den Kanal steht, schreit uns wild gestikulierend an. Oha. Keine Ahnung wie, aber irgendwie schaffen wir es frei zukommen. Ich hoffe, wir mussten die Angelschnur nicht kappen. Sorry, Mr. Angler! Ich kann mir gut vorstellen, wie das aus seiner Perspektive ausgesehen haben muss: „Oha, die Deppen fahren aber dicht an der Felsmauer vorbei, .... oh nein, die Deppen kommen meiner Angelschnur gefährlich nah, ohhhhhhh neeeeein, die Deppen haben es tatsächlich geschafft, in meine Angelschnur zu fahren. Verfluchte Vollidioten..... arghh... arghhh....arrrghhh.“ 

 

Wie mir Sven am nächsten Tag erzählt, bin ich schließlich SOFORT auf die Couch gekippt und eingeschlafen. Er hat mich nicht wach bekommen. Und alleine da liegen lassen, konnte er mich auch nicht, deswegen hat er sich einfach mit auf die Couch gelegt.

 

Oh, wie viel Sinn alles am Ende macht ;)

 

Leider ist der Nachteil an vielen Freunden aus dem Club-, Bar- und Tourismusbereich, dass sich die nächsten Abende alle recht exzessiv gestalten. Naja, und damit verbunden auch die Tage nicht ganz so produktiv sind ;). Aber wie ein altes Sprichwort sagt, macht man nachts eh die besten Geschäfte oder lernt Menschen erst richtig kennen.

 

Naja, oder so ähnlich ;).

 

Wie auch immer, mein Eindruck von Barbados:

 

Scheiße, wie teuer kann denn bitte das Leben auf einer Insel sein? 12 Euro für eine Tüte Chips??? Alles ist richtig teuer!!! Also wirklich so richtig teuer!  

 

Barbados ist offenkundig die reichste der karibischen Inseln. Es scheint dieser Insel wirklich gut zu gehen! Wie hoch muss ein Gehalt sein, damit man sich Chips zu einem so horenden Preis anschafft? Wahnsinn!!!

 

Nächster Eindruck: 90% der ursprünglichen Vegetation gibt es nicht mehr. Bei einer Autotour über die Insel, erwarten uns Straßen, ausschließlich neue Autos, und Häuser. Tatsächlich kommen wir an keinem richtig wilden grünen Stück Land vorbei. Es ist eher so als wäre die ganze Insel künstlich angelegt und als hätte es hier nie tropische Vegetation gegeben.

 

Trotzdem können wir Bridgetown definitiv empfehlen. Direkt vor dem Strand kann man mit Schildkröten schnorcheln und drei Wracks auf geringer Tiefe bewundern.

 

Die Leute, die wir kennengelernt haben, waren alle der Hit und nach einer Endlostour auf dem Ozean genießt man es schon irgendwie nicht gleich wieder mit Stress konfrontiert zu werden.

 

Denn auch das Einklarieren war eher eine nette Begegnung mit Menschen, als eine bitter böse bürokratische Abwicklung. Aber dazu gibt es noch einen ausführlichen Bericht.

 

An dieser Stelle, big love an unseren Captain Eddie, der uns den Abschied wirklich schwer gemacht hat, indem er mit seinem Partykatamaran samt 50 Touri-Gästen an unser Schiff ranfährt und uns eine 1,75 l Flasche Rum überreicht. Großes Kino!! 

 

Prost!

Auf den Atlantik und die Welten, die so weit entfernt und doch so global vereint sind.

 

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