Atlantiküberquerung - Mein Highlight

Unter dem Bewusstsein arrogant zu wirken, möchte ich unbedingt noch von meinem besten Erlebnis auf der Atlantiküberquerung berichten. Überheblich möchte ich behaupten, dass für die meisten Segler die Highlights die gefangenen 1,20 m großen Goldmakrelen sind oder die nächtlichen Squalls, welche durch ihre Starkwindböen schlaflose Nächte mit sich bringen oder die glückserfüllenden Momente der ersten Landsichtung nach über 20 Tagen auf See.

Mein Highlight wiederum war -  abgesehen von dem französischen Militärflugzeug, dass uns begleitet hat und abgesehen von der französischen Fregatte, die unser Schiff in Augenschein genommen hat ;) - schlicht und einfach eine Flaute!

Die meisten Segler, würde ich nun wieder ganz arrogant behaupten, sind in der Regel trotz der Weite des Atlantiks und trotz des Verlassens des hektischen Zeitmanagements bei einer Flaute auf dem Atlantik (insbesondere wenn Sie sich auf den letzten hunderten Seemeilen offenbart) trotzdem irgendwie im Stress.  Als logische Konsequenz werden die Motoren gestartet, um weiterhin vorwärts zu kommen. Das Land ist schließlich das Ziel und der Weg logischerweise die Strecke, die sich von dem Schiff zum Land ergibt.

 

Doch wie ist es denn eigentlich in einer windstillen Nacht mitten auf dem Atlantik dahin zu treiben? Völlig umgeben von einer vom Menschen nicht beeinflussten Landschaft umgeben von... ja was eigentlich?  Seemonstern?  Riesen Fischen? Völliger Dunkelheit?

Wir haben das mal erkundet.

 

Bei windstiller Nacht treiben wir ohne Segel und ohne laufende Motoren so dahin. In tiefster Nacht begeben wir uns mit einer Fenix TK75 mit 2900 Lumens (eine der leistungsstärksten Taschenlampen weltweit, so hell wie ein Flakscheinwerfer) an Deck. Was sich uns im Schein der Lampe offenbart ist wie aus einer Tierdokumentation entsprungen. Tagelang, nein wochenlang haben wir uns gefragt was die fliegenden Fische eigentlich so treiben und ob es wirklich wahr ist, dass sie aus dem Wasser springen, wenn sich ihnen ein Fressfeind nähert. Jetzt im Dunkeln und ohne Geschwindigkeit, die uns übers Wasser zieht, sehen wir wie die fliegenden Fische leben. Blau-lila schimmernd liegen sie mit ausgebreitenden Flügeln an der Wasseroberfläche und treiben gaaaaanz gemütlich und eitel erscheinend dahin. Als hätten sie den ganzen Tag Schwerstarbeit  geleistet und würden nun ihren Feierabend in vollen Zügen zelebrieren.

 

Aber diese Rechnung haben sie ganz klar ohne die Anderen gemacht.

Die Anderen: das sind die Barsche. Sie sind braune flachere Fische, die sich mittlerweile zu mehreren unter unserem Boot tummeln und für die unser Schiff scheinbar ein riesen Restaurant ist. Unser Schiffsrumpf bietet ihnen Köstlichkeiten, wie Pflanzen- und Muschelbewuchs frei Haus. Und zudem dient ihnen unser Schiff als gutes Versteck, aus dem sie auf die Jagd nach fliegenden Fischen gehen können.

Und dann sind da noch die Goldmakrelen. Wir haben uns schon lange gefragt, warum es meistens so ist, dass mehrere Goldmakrelen auf einmal an die Angeln beißen. Sie seien in Rudeln unterwegs wurde uns tradiert.

Hiervon können wir uns in dieser Nacht ein eigenes Bild machen. Im Schein der Taschenlampe erleuchten die schillernden Farben mehrerer Goldmakrelen. In der Nacht im dunklen Wasser erscheinen ihre Farben noch spektakulärer. Nach längerem Beobachten ist klar, dass es sich um zwei kleinere (ca. 90cm) Goldmakrelen und eine riesen riesen großen Big Mama Goldmakrele (ca. 1,30m) handelt. Sie umkreisen das Schiff mit der Absicht fliegende Fische zu erbeuten. Wir werden Zeuge wie sie sich an die harmlos dahintreibenden fliegenden Fische anpirschen, in sekundenschnelle zuschnappen und teilweise bis zu 80cm aus dem Wasser springen. Sie entfernen sich nie all zu weit voneinander.

 

Mein Highlight ist folgende Szenerie: freudig beleuchte ich einen fliegenden Fisch direkt neben Schironns rechtem Rumpf. Er liegt oder fliegt, wie man das auch immer definiert und sieht super zufrieden mit sich und der schillernden Welt um sich herum aus. Da kommt mit einem Mal ein Barsch unter Schironn hervorgetaucht und ...ja, weg ist der glückliche flying fish.

Nach und nach wird mir klar, dass alle um mich rum es auf die fliegenden Fische abgesehen haben. Alle (auch die Vögel) sind auf der Jagd nach den leicht dümmlich und eitel wirkenden Fischchen. Über Stunden darf ich beobachten, wie sich die Barsche auf der Jagd auf die Seite legen und die fliegende Fische verfolgen und die Goldmakrelen mit schnellen körperlichen Instinkten die Beute zu erobern versuchen.

Wahnsinn! Wer könnte mir solch eine Naturszenerie bezahlen?

Nachdem die Sonne aufgegangen ist, werden wir weiterhin von den Barschen und den drei Goldmakrelen begleitet. Wir lassen es uns nicht nehmen, die Goldmakrelen mit einem Angelköder ohne Angelhaken vor die Kamera zu locken. Sie sind so wild auf den Köder, dass sie uns Jagdszenen direkt vor der Kamera liefern. Unglaubliche Aufnahmen und unglaubliche Erkenntnisse über diese Fische. Denn klar ist, auch wenn sie mit mehreren unterwegs sind, alles was zählt ist die nächste Nahrungsquelle. Dass ein Kollege im Laufe der Zeit verloren geht und bei uns im Netz und später bei uns in der Pfanne landet, wird von den beiden zurückgebliebenen Kollegen nicht registriert. Vielmehr wird nach dem gleichen Köder gejagt und sich geärgert, dass der Kollege den Reibach gemacht hat. 

 

Oder bedeutete der Sprung aus dem Wasser beim Weiterfahren doch, dass nach dem Kollegen Ausschau gehalten wurde? Das werden wir wohl nicht erfahren.    

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Kommentare: 1
  • #1

    Tina Malowsky (Sonntag, 13 März 2016 01:26)

    Das klingt ja unglaublich:)!Das muss so ein Spektakel sein und die ganzen Farben...toll und ein kleines bißchen Neid;)!Würde auch gern mit Dir auf dem Atlantik treiben und Tierdoku`s live erleben;)! Ihr habt schon alles richtig gemacht!!!!
    Lasst es Euch weiter so gut gehen und seid gewiss, ich denk ganz viel an Euch!
    Fehlst mir! Passt schön auf Euch auf und haltet mich/uns weiter so schön auf dem laufenden!
    Knuddle & Kuss Tina