Eine lyrische Zusammenfassung unserer Atlantiküberquerung (kurzer Überblick)

Angesichts der Tatsache, dass dies die zweite Atlantiküber-querung für uns ist und wir beim letzten Mal vor zwei Jahren mit einem weitaus schlechteren Schiff in 26 Tagen, das Meer, die Squalls und Wassereinbruch im Schiff bezwungen haben, dachten wir nun, dass es mit unserem Panzerschiffchen Schironn eher eine gemütliche und ereignislose 21 Tage Tour werden wird. Aber dann kam natürlich alles gaaaaaaaanz anders.......

Ein Motorschaden und ein aus dem Gleichgewicht gebrachter Wind machen dem Start der Tour ein Ende geschwind. Beim zweiten Start, dann ganz ohne Wind, werden wir von Delfinen durch die stille See geführt. Wie Zugpferde schwimmen sie im glasklaren Wasser, wer zähmt sie ganz schnell damit wir gezogen werden durchs Meer? Wale am Horizont bescheren uns Regen, sooo groß sind ihre Fontänen.

 

Schironn tanzt vor Glück, ganz gleich welchen Wasserzustand sie erklimmt.

 

Von tiefen Wellentälern werden wir verschlungen, es nähert sich dann sogleich ein neuer Wellenberg, welcher sich quetscht durch Schironn mit aller Kraft. Gewackel erst nach vorn, Geruckel nun am Heck, das ganze Schiff tanzt nach links und rechts, vielleicht sogar die Welle kracht, doch dann, endlich geschafft! Bis alles beginnt wieder von vorn.

 

Eine Orkanböe mit über 60 Knoten Wind überrennt uns eines Nachts. In Unklarheit darüber, was nun folgt, zieht die Windböe dahin. Wir haben die Nacht gewacht und schon das schlimmste gedacht. Heroisch geglänzt, gestrahlt vor Stolz, denn Schironn ganz lässig weiter schwimmt, ganz unbeeindruckt von dem missmutigem Wind.

 

Doch nicht nur über Wasser zucken die Blitze, unter Wasser erstrahlt ein Gewitter. Delfine begleiten uns täglich durch düstere Nacht, liefern mit dem fluroszierenden Plankton eine Lichtershow, ganz famos. Es blitzt, und blinkt, Luftbläschen werden zu Licht, die Bewegungen der Tiere erstrahlen in unserer Sicht. Über Stunden gebannt, schauen wir schweigend an das Schauspiel mit flackerndem Licht. Das Donnern jedoch, welches an Land, das Unheil und den Schaden der Blitze verkündet, entfällt zum Glück denn Delfine brüllen nicht.

 

Piratenverdacht hat uns hellhörig gemacht. Auf die Lauer gelegt, verfolgen wir gespannt, das fremde Schiff, ganz ohne Kennung und Unbekannt. Sven und seine Schrotflinte stehen schon Spalier, ich weiß bei solchen Dingen ist er alles andere als ein Kavalier. Doch der Fremde ist ein Fischer und zieht kampflos vorbei am Horizont. Für den Ernstfall sind wir nun erprobt, das Geschütz bleibt zur Sicherheit im Wohnzimmer, schnell einsatzbereit.

 

Der Wind, des Seglers Freund, hat sich dann mit Tücke geschlichen an unser Leichtwindsegel, ganz früh zur Morgenstund. Gewitzt hat der Wind den Riemen am Bergeschlauch entfesselt und sogleich das große dünne Tuch seinem Freund dem Wasser vermacht. In Eile, geschwind, erklimmen wir im Dunkeln den Bug und bergen ein Tuch, das kein ganzes mehr ward. Durchs Wasser unters Schiff gezogen, zernagt durch mehrfachen Riss. Mit Genua geht’s nun weiter, ganz klar, nur langsamer, das finden nicht alle so wunderbar.

 

Als nächstes dann eine Tragödie an Bord. Ein Crewmitglied windet sich hinfort. Geplagt, der arme Mann, ruft Hilfe zu uns ran. Ein Notruf wird entsannt, die gesamte Crew in Trance gebannt, versteht noch nicht ganz, was der arme Mann zur Rettung sich und uns aufbürdet. Das Seegebiet um uns rum wird geortet und gescannt, die internationale Seegemeinschaft in Aufruhr gebracht. Ob Kreuzfahrtschiff, Tanker oder Marine von jedem in der Nähe wird Hilfe verlangt. Doch sind wir nun schon fern jeglicher Zivilisation, unser Patient scheint verloren. Die Französische Marine, schickt ein Kriegsschiff durch das Meer, legt 600 Seemeilen zurück, welch Glück für den armen Mann.

 

Doch in unserer heutigen Welt, ganz klar, wird uns nicht vertraut, wir geraten auf den Terrorradar. Eine Airforce kommt über uns geflogen, macht sich ein Bild wer wir sind. Zwei Stunden werden wir begleitet, ein Pilot so charmant, da wäre sogar ich gerne emporgehoben und mit ihm davon geflogen. Das Rendevouz mit der französischen Fregatte geschieht dann bei Nacht, unser Schiffchen wird von einer bewaffneten Einsatzgruppe bewacht. Waffen auf uns gerichtet, in Hektik und ohne Witz, wird unser Crewmitglied stibitzt. Wir bleiben zurück, völlig entzückt, eine Darbietung wie aus einem Actionfilm entrückt. In tiefen Schlaf verfallen wir sodann. Zwei Tage waren wir mit Kurs zurück auf die Kapverden gefahren, mit Gegenwind und Wellen ins Gesicht, das Geschaukel und der Lärm, da war schlafen nix.

 

Nun beginnt so endlich der gemütliche Teil: das Sturmtief im Norden, das uns den Passat hat entzogen, ist vergangen. Der Wind nun von achtern und die Wellen dazu, schieben uns konstant und geschwind nach Barbados dahin. Jeder fängt jetzt an zu ruhen, nutzt die Zeit um schöne Dinge zu tun. Die Tage fließen so dahin, fast jeden Tag gibt es frischen Fisch, die Temperaturen steigen stetig an, ein Vollmond leitet unsere Bahn bei Nacht und am Himmel der große Wagen und das Kreuz des Südens gemeinsam im Blick.

 

Nur einmal noch werden wir aus der Ruh gebracht. Schon wieder in der Nacht, bringt es plötzlich unsere Genua zu Fall. Gleiches Spiel: wir erschreckt, ein Plopp und sie war weg. Wir können sie schnell aus dem Wasser bergen und oh Glück, das Tuch ist noch ganz! Den Übeltäter finden wir schnell: gerissene Genuafall. So muss das Spi nun her. Wir bleiben wohl von nix verschont, doch Hauptsache unsere Genua ist noch im Lot.

Alles nimmt so seinen Gang, jeder schläft so viel er kann, denn bald schon geht’s zurück an Land, wo das Leben uns schnell wieder hat.

 

Gekämpft mit dem Meer, mit Delfinen getanzt, Seemonster mit der Angel bezwungen, Segel verloren, Piraten entronnen, gebeizt von der Sonne, einen Notfall von Bord entsandt, Schironn täglich bewundert und gelobt, was für ein wirklich unglaubliches Boot! Eine Atlantiküberquerung der etwas anderen Art, da sind wir uns sicher. Doch Unsicherheit oder Angst gab es bei der Mehrzahl der Crew nie, wir schaffen das alles ganz gut, irgendwie.

 

Danke Schironn, dass Du uns zu keinem Zeitpunkt Sorgen gemacht hast, du bist wirklich ein ganz außergewöhnliches Boot.

 

Und danke an die Crew! Mein Admiral hat mir aufs Neue gezeigt, wie gut es harmoniert, auch in hektischer Zeit! Jede Hürde werden wir zusammen meistern, da bin ich überzeugt und bleibe weiterhin begeistert, von Kraft und Kreativität mit der Du Schironn durch jedes Wetter bewegst.

 

Danke an Ralf und Jürgen. Ihr ward eine sehr angenehme Crew. Danke für das Entertainment im großen Stil sowie für Kraft und Tipps, die uns zum Segeln haben sehr genützt.

 

Ausführliche Berichte über das Sturmtief und über das Absetzen des Notrufs sowie das Rendezvous mit der französischen Fregatte folgen in Kürze.  

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