Gran Canaria: Oh! wir haben ja ein Kalifornien mit kanadischer Vegetation in Europa!!!

Wieso war mir das so verborgen, dass wir unser eigenes kleines Kalifornien in Europa haben, wo wir jederzeit günstig hinfliegen können? Aber Kalifornien? Ja, man könnte es wirklich Venice de las Canteras Beach nennen!! Der kilometerlange Strand las Canteras im Westen der Stadt mitsamt seiner Strandpromenade und seinen hunderten von Surfern, Hippies, Schwulen, BMXlern und ganz normalen Touristen erfüllen alle Ansprüche an einen mega hippen Strand mit absolutem Trendfaktor.

 

Wir liegen mit Schironn auf der anderen Seite, also auf der Ostseite von Las Palmas. Hier ist das Bild aber auch nicht anders: der Hafen ist mit der günstigste Hafen Europas und der Startpunkt vieler vieler hunderter Schiffe, die den Atlantik überqueren. Es herrscht dementsprechend ein buntes Treiben. Vor allem auch weil zusätzlich zu den Booten extrem viele junge Leute hier mit der Hoffnung ankommen, ein Boot zu finden, dass sie mit über den Atlantik nimmt.

Neben dem Hafen und dem Wald von Schiffsmasten ist ebenfalls ein Strand, der ganztägig zu Beachvolleyball, Segeln, schwimmen, joggen und chillen einlädt. Und zwischen den beiden „Seiten“ von Las Palmas gibt es dann auch noch eine Einkaufsmeile, die keine Wünsche offen lässt. Sven und ich waren uns gleich einig: dies ist der Hafen in dem wir uns bisher am wohlsten gefühlt haben. Naja, außer dass wir am Liegeplatz doch relativ viel Schwell haben und durch den enormen Tidenhub von 2,5 Metern ein ständiges Auf-und Ab des Bootes haben. Während man manchmal einfach nur einen Schritt an Land machen kann, muss man dann beim nächsten Mal plötzlich drei Leiterstufen hochklettern. Entsprechend tricky ist es demnach auch sich ordentlich vertaut zu bekommen. Aber abgesehen davon: 5 Sterne für unseren Wohnort des letzten Monats.

 

Um das Landesinnere zu erkunden haben wir uns dann ein Auto gemietet. Das läuft hier so: den deutschen Kollegen anrufen oder eine SMS schreiben. Zum Hafenbereich gehen, wo der Kollege wohnt und seine Autos stehen. Autotür vom entsprechenden Auto öffnen, die Türen sind nämlich IMMER auf. Der Kollege ist ja schließlich nicht ständig zu Hause. Autoschlüssel unter der Fußmatte herausfischen und los geht's. Zurück sein muss das Auto bis zum nächsten Tag um 9 Uhr morgens und es muss ein bisschen Tank drin sein (so Pi mal Daumen, ein bisschen J) außerdem muss man die Schlüssel und 22€ wieder unter die Fußmatte legen und fertig.

Führerschein, vollständiger Name, Ausweis? Nö, will der Kollege nicht sehen. Wenn wir angehalten werden sollen wir die Papiere im Handschuhfach zeigen und sagen, dass das Auto von einem Kollegen ist. Ach so, bezahlen sollen wir auch nur, wenn uns das Auto gefallen hat 😂. Haha, wenn das mal nicht eine entspannte Autovermietung ist.

 

Wir sind dann mit dem kleinen Fiesta einmal über die Insel gefetzt: zu einer Schlucht, an der wir eine Wandertour gemacht haben und die mit einer unglaublich Grünen und vielfältigen Flora und Fauna bestückt ist. Weiter ins Landesinnere, wo wir wirklich nicht schlecht geschaut haben, denn plötzlich waren wir zwischen Nadelwälder auf weitem hügeligen Land. ‚Augen zu, einmal drehen, Augen auf’ und wir hätte genauso gut sagen können, dass wir in Kanada seien. Richtig geil um zu wandern, denn auch das Klima ist hier mit einem Mal um einiges kühler.

 

Vorbei an dem kleinen Dorf Teror ging es dann zurück nach Las Palmas, natürlich nicht, ohne einen kurzen Zwischenstopp bei Ikea einzulegen 😂  Irgendwas braucht man ja doch immer, was man irgendwie schnell bei Ikea finden kann.

 

Eine Woche zu Hause in Hamburg hat uns schließlich gezeigt, wie sehr sich unsere Wahrnehmung von Dingen in den letzten vier Monaten verändert hat. Während die Außenalster für mich immer ein echt großer See inmitten der Stadt war und durch die Segelboote und kleineren Schiffchen ein maritimes, beeindruckendes Flair versprüht hat, schauen wir nun bei meiner Geburtstagsfeier auf das Wasser und denken beide: "Huch, was ist denn das für eine Pfütze!" 😁😄 Auch die Stadt wirkt befremdlich und beengend. Mal schauen, wie das erst nach einem oder zwei oder drei Jahren Segeln sein wird...

 

Naja, wir sind mehr als froh, als wir dann pünktlich zur Sylvesternacht wieder bei unserer Schironn sind und in der Woche Abwesenheit, außer einem Festmachseil Nichts An Schironn beschädigt ist.

 

Aber dafür wurden wir auf dem Rückweg vom Flughafen schon mal auf die Zukunft in fremden Ländern vorbereitet. Der Taxifahrer wollte uns um 10€ prellen und ließ nicht ab von seiner fiesen Masche. Sven hat ihm dann den Autoschlüssel weg genommen, der Taxifahrer hat uns daraufhin mit einem abgebrochenen Zollstock bedroht (muahhh), es kam fast zu einer Schlägerei und schließlich haben wir ihn mit 5€ zu viel ziehen lassen. Mmh 😡 Später wende ich mich an Sven: "Wenn ich nicht da gewesen wäre, hättest du ihn umgehauen, oder?"

Eine Antwort blieb er mir schuldig, aber den Blick in seinen Augen werde ich nie vergessen....

 

Sooo und nun ist es schon soweit: Morgen geht es los: Atlantiküberquerung!

 

Ralf ist schon seit gestern mit an Bord, Jürgen landet heute Nacht. Wir warten gerade auf die Lieferung unseres Großeinkaufs und machen allerlei letzte Vorbereitungen.

 

Leider braut sich auf dem Atlantik gerade ein übler Sturm nördlich des Passatstroms zusammen, so dass wir die Kapverden ansteuern werden und dort auf ein besseres Wetterfenster warten.

 

Irgendwas ist ja immer. Letzte Woche war der Passat noch so schön und nun ein Bild, dass wir so noch nie gesehen haben. Partiell sogar Gegenwind auf der Passatroute. Wir erahnen, dass es wettertechnisch ein "interessantes" Jahr werden könnte.

 

Also, Daumen gedrückt ✊ das Abenteuer geht dann also bald außerhalb von Europa weiter. Karibik: Das wird wieder ein ganz neuer Abschnitt in unserem Segelleben. Wir sind sehr gespannt. 😊

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Kommentare: 2
  • #1

    Sarah Papa (Donnerstag, 07 Januar 2016 20:06)

    Super die RSS-Funktion. In meinem Outlook-Mailfile und meiner RSS-App hat eine rote Eins aufgeleuchtet und ich konnte diesen Artikel auch gleich in meinem Mailfile lesen. Also kein tägliches nachsehen, ob es etwas neues auf Captain-Sarah gibt.

  • #2

    Patrick (Donnerstag, 07 Januar 2016 20:22)

    Wünschen Euch eine gute Überfahrt!!! See you in the Karibik!!!!!