Überfahrt Fuerteventura nach Gran Canaria. Ein- und Ausparken mit Abenteuerfaktor

Die Überfahrt von Fuerteventura nach Gran Canaria war, wie bisher alle Törns auf dem Atlantik, super entspannt. Mitten in der Nacht, in tiefster Dunkelheit, sind wir Ankerauf gegangen und waren dann bereits am Nachmittag vor Las Palmas. Auf dieser Strecke sollte man aber unbedingt auf die uns wohlbekannten High-Speed-Fähren achten. Ihre Fahrwege, die zum Glück in den Seekarten verzeichnet sind, sollte man besser nicht befahren oder allzu oft kreuzen. Mit ihren 33 Knoten Geschwindigkeit sind sie wirklich eine echte Gefahr und kaum nimmt man sie am Horizont war, sind sie auch schon an Einem vorbei gefegt.

Zudem gab es für uns mal wieder ein Kloproblem zu lösen: es war verstopft wie noch nie. Sven musste vor Las Palmas schnell noch tauchen gehen und die Verstopfung im Borddurchlass mit einem geradegebogenen Kleiderbügel lösen. Sven: "So, ab sofort erhalten alle Gäste eine zweistündige Kloschulung!" 😁 oh Mann, diese Pumpklos....irgendwas ist immer damit. Ich glaube, das kann wirklich jeder Segler bestätigen. 

 

Das Las Palmas der beliebtester Hafen ist für Segler, die rüber in die Karibik wollen, macht sich schon von weitem bemerkbar: Schiffsmasten soweit man sehen kann und eine relativ überlastete Marina. Wir sind froh, nach drei Funkversuchen überhaupt eine knappe Rückmeldung zu erhalten: "Bitte kommt zur Rezeption." 😳 Wie? Mit dem Schiff zur Rezeption? Das klingt uns definitiv zu stressig und wir gehen erst mal vor Anker. Nördlich neben dem Hafen gibt es eine gute Ankerbucht von wo wir dann nach dem Ankern entspannt mit dem Dingi an Land fahren können und zu Fuß ins Hafenbüro gehen.

 

"Full." Der gesamte Hafen ist ausgebucht. Aber der wirklich unglaublich nette Marinaarbeiter verspricht uns, dass wir morgen einen Platz kriegen können.

 

Am nächsten Morgen funke ich die Marina an und führe sehr verwirrende Gespräche mit ihnen, bzw. werden Gespräche auf spanisch über mich hinweg geführt und man weiß nicht, ob nun wir gemeint sind, oder was nun los ist. Aber schließlich bekomme ich doch die klare Rückmeldung, dass wir nun zu unserem Liegeplatz kommen können.

 

Unser Platz ist in der Vela Latina, einem Hafenbecken neben der Hauptmarina. Hier lagen wir auch schon vor 1,5 Jahren, als wir zum ersten Mal den Atlantik überquert haben.

 

Die Einfahrt ist schmal und durch einlaufende Wellen und große Steine von der Piermauer gekennzeichnet. Gar nicht so nett, hier mit einem großen Katamaran einzulaufen. Beim zweiten Anlauf kommen wir gut rein, aber es wartet sogleich die nächste Challenge auf uns: unser zugewiesener Platz ist eine Lücke zwischen zwei anderen Katamaranen, längsseits an der Pier. Länge: ca. 18 m. Olala, das wird ein Spaß. Wir sind schließlich 14,5 Meter lang 😱 Zu allem Unglück müssen wir auch noch mit der Steuerbordseite zum Pier anlegen. Das heißt, dass Svens Sicht vom Steuerrad aus (welches auf der Backbordseite ist) extrem eingeschränkt ist. Ich werde von Sven noch schnell mit folgenden Worten instruiert: "Sarah, du musst die Seile gleich soooo weit werfen wie du nur kannst!!" "Ooookay, ich geb mein Bestes 😁."

 

Ein Erster und ein zweiter Versuch vorwärts in die Lücke reinzukommen scheitert und wir sind uns echt nicht sicher, ob das überhaupt klappen wird. Zum Glück kommt ein deutscher Nachbar zur Hilfe und gibt wertvolle Anweisungen: lieber rückwärts reinfahren und die hinteren Leinen zuerst werfen. Und dann geht's ganz schnell. Sven steuert erstklassig, ich werfe die Leinen und schon stehen wir, wie eingegossen in der Lücke. Wahnsinn! Wir strahlen um die Wette.

 

Am nächsten Tag erhalten wir sogar Besuch von Gegenüber und werden für das Einparkmanöver in höchsten Tönen gelobt: "Wir haben von drüben alles mitverfolgt. Unglaublich wie du, Sven, da rein manövriert bist und dann kam es zum Werfen der Seile und wir haben zueinander gesagt, dass schafft sie niiiie. Und dann wirfst du Sarah und tatsächlich hat alles geklappt." Haha, richtig lustig.

 

Leider können wir uns nicht lange auf dem guten Gefühl des geklappten Manövers ausruhen. Am nächsten Tag erhalten wir nämlich einen Termin, an dem unser Katamaran aus dem Wasser gehoben werden soll. Wir wollen das Antifouling neu machen. Termin ist in vier Tagen am Nachmittag wenn die Tide am höchsten ist. Ja, und wenn das Einparken kompliziert war, dann wird das Ausparken nicht besser werden. Und so kreisen unsere Gedanken gleich schon wieder um die nächste Challenge.

 

Vier Tage später ist es dann soweit. Wir sind sichtlich nervös, denn die ganze Aktion ist zusätzlich dadurch gekennzeichnet, dass der Kran nur 6,40 Meter breit ist. Wir sind 6,24 Meter breit. Es kann also durchaus sein, dass wir Vorfahren und es nicht passen wird. Und nun haben wir heute auch noch 25 Knoten Wind, der unser Schiff kräftig gegen die Piermauer drückt.

 

Unsere deutschen Nachbarn haben sich wieder bereit erklärt uns zu helfen und so geht das Manöver mittags los. Die Motoren laufen auf Hochtouren, aber wir haben keine Chance gegen den Wind anzukommen. Unsere Motoren sind zu schwach 😫. Beim ersten und zweiten Versuch kommen wir mit der Spitze gut von der Mauer weg, aber genauso schnell wie wir von der Mauer weg sind, werden wir auch schon wieder zurück gedrückt. Der Wind ist zu krass. Auch wenn wir es schaffen sollten, ist die Gefahr, dass wir sofort gegen den Katamaran vor uns knallen, einfach zu hoch. Wir beenden die Aktion und sind schon ein bisschen frustriert. Nun können wir das Antifouling doch nicht hier auf Gran Canaria machen, sondern müssen bis zur Karibik warten.

 

Warum wir es nicht einfach nochmal probieren, wenn der Wind weniger wird? Wir müssen beim höchsten Stand der Tide rausgehoben werden und die ist in den nächsten Wochen entweder Nachts oder in den frühsten Morgenstunden.

 

Mmh, so haben wir nun unerwartet viel Zeit in Las Palmas. Aber langweilig wird's bestimmt nicht.

 

Sven hat den Einbau des Wassermachers auf der Liste, ich den Haushalt, ein paar Lackierarbeiten und Hamstereinkäufe zudem müssen wir Gas organisieren, den Gennacker zum Segelmacher bringen usw. Und dann entschließen wir uns spontan noch eine Woche nach Hause zu fliegen.

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