Lanzarote und Fuerteventura

Ja, was schreibt man zu Lanzarote und Fuerteventura? Nett. Das ist eigentlich das Adjektiv, das mir zuerst einfällt. Es ist nett warm und das IMMER, das Segeln ist nett, die Ankerplätze und Häfen waren allesamt irgendwie nett, die Menschen sind nett, die Unterwasserwelt ist echt nett und die Lebenshaltungskosten sind auch nett. Also im Großen halt "nett".

 

Und nach "nett" schwirrt mir dann gleich das Adjektiv "karg" durch den Kopf. Und das ist irgendwie grenzwertig nett!

Auf unserer Autotour über Lanzarote haben wir uns ein bisschen gefühlt wie auf dem Mond. Der einzige Unterschied war nur, dass man keine Sauerstoffflasche zum Atmen benötigt und überall Touristen rumlaufen. Ein günstiger Mondtrip also 😄

 

Naja, außer für uns. Wir sind nach Ankunft auf dem Lanzarote Mond erst mal tagelang durch Bootszube-hörläden marschiert. Wegen des Dingi Maleurs auf der Überfahrt musste das Dingi erst mal wieder in Stand gesetzt werden: neuer Tank, neue Pumpe, neue Zündkerzen, neuer Schlauch vom Tank zum Motor etc. Außerdem hat unser Steuerrad auf dem Weg nach Arrecife mal wieder den Dienst verweigert. Also musste auch noch neues Öl her. Ja, irgendwas ist ja immer. Auf jeden Fall bietet Arrecife einen ganz wunderbaren Ankerplatz direkt vor der City sowie ganz großartige Bootszubehörläden.

 

Wenn man seinen Anker in der Bucht direkt vor der kleinen Stadt Arrecife wirft, könnte es durchaus sein, dass man von anderen Bootsbewohnern links und rechts angeschimpft wird, ja quasi fast ein bisschen vergrault wird. Das sind die Dauerbewohner hier. In der Regel sehr merkwürdige und teilweise sehr einsam wirkende Einsiedler. Aber wenn man sich erstmal mutwillig dazugesellt hat und die Dauerbewohner nicht beim Verrichten ihres Geschäfts von Bord oder in den Gummieimer stört, ist man doch schnell akzeptiert.

 

Wir haben uns auf jeden Fall sehr wohl gefühlt und hatten so gar keine Ambitionen weiter zu segeln. Ob das an der langen Tour hierher lag? Oder an den täglichen Besuchen der vielen Boots- und Angelzubehörläden. Man weiß es nicht. Aber sonst bekommen wir mittlerweile eigentlich schon spätestens nach drei, vier Nächten Lust weiter zu ziehen.

 

Naja, zum Glück hat uns der anstehende Besuch nach sechs Nächten in Arrecife den Weg nach Fuerteventura auferlegt.

 

Nächster Stop Puerto Rosario auf Fuerteventura. Die Überfahrt war super entspannt und der Ankerplatz recht ähnlich wie in Arrecife. Auch hier kann man direkt vor dem Zentrum geschützt liegen. Einziger negativer Unterschied: die Kreuzfahrtschiffe legen hier direkt (!) neben einem an! Da liegt man im Bett und plötzlich ist da ein Dorf mit 2500 neuen Menschen neben einem 😳. Die 90er Partymucke, Durchsagen und Generator-, oder Motorgeräusche sind einfach mal echt aufdringlich!! Naja, für die Wirtschaft hier sind die Schiffe sicherlich bereichernd, aber NEE, neben denen sein Haus zu haben, ist mal echt nicht schön! Jeder, der in einem netten Häuschen wohnt, stellt sich jetzt mal bitte vor, dass innerhalb von Minuten plötzlich ein gigantisches Hochhaus neben seinem Grundstück steht und 2500 Menschen in seinen Garten starren und einem beim Arbeiten oder Chillen begutachten😂

 

Obwohl ich schon zugeben muss, dass ich diese Maschinen wirklich unglaublich beeindruckend finde. Und irgendwie würde Captain Sarah heimlich gerne einmal neben dem Kreuzfahrtkapitän sitzen und sich die Segelboote aus deren Perspektive anschauen. Wie wiiiiinzig wir für die  aussehen müssen!!!

 

Ich hätte da auf jeden Fall ein paar Fragen: Sind die genervt von uns Seglern? Haben die selber Angst, uns bei nachlässiger Kontrolle zu übersehen? Brauchen die auch, wie Containerschiffe, bis zu 30 Minuten bis das Schiff eine Kursänderung vollzieht? Schlafen die auch wirklich nicht zwischendurch bei Nachtfahrten ein? Usw.

 

Naja, schon imposant so eine schwimmende Entertainment Stadt!

 

Mit unserem Besuch: ein befreundetes Pärchen und Timo mit seinen beiden riesigen Hunden (Labrador und Boxer 😱) sind wir die Ostküste weiter entlang gesegelt: erst in eine Ankerbucht, dann in den Hafen von Gran Tarajal und schließlich weiter nach Morro Jable. Das Segeln mit großer Crew macht wirklich gute Laune und die Hunde waren eins A seefest 😊.

 

Bei der der Einfahrt in den Hafen von Gran Tarajal habe ich dann echt gut gelacht. Denn als ich den Hafen anfunke, meldet sich ein Mann zurück und sagt nur: "Ja, ja, ihr kommt gerade rein und ich stehe schon bereit um euch zu lotsen."😳 Kein Hallo, kein Over, keine Frage warum wir Funken. Wie sich rausstellt, sind kurz vor uns schon zwei weitere Boote eingelaufen. Das fand der Hafenwächter glaub ich gar nicht so gemütlich für einen Sonntag.

 

Beim Einklarieren ging die lustige Kommunikation gleich weiter:

Hafentyp: "Wer ist der Captain?

Ich: "Ich bin der Captain."

Hafentyp: "Ah okay, Sarah.... Wem gehört das Boot?"

Ich: "Mir!"

Er: "Und wer ist das hier noch in den Papieren?"

Ich: "Der Miteigner vom Boot"

Er" Ah, der große Mann, ja?!"

Ein Formular später: "Und wer ist jetzt der Captain?"

Ich: "Ich bin der Captain."

Er guckt lange auf sein Formular: "Also schreibe ich hier, Du bist der Captain?"

Ich: "Ja, ich bin der Captain."

 

Haha herrlich der dicke Hafenmann. Um die Szenerie noch zu veranschaulichen: sein Büro lag zwischen dem Häuschen mit den Herren- und dem Häuschen mit den Damentoiletten. Ich schätze, dass der "Raum" eigentlich mal die Putzkammer war. Sprich, es handelt sich um ein ca. ein Meter breites Kabuff. Er ein Stuhl, ich ein Stuhl und ein Drucker. Mehr geht da auch nicht rein😄

 

Aber der Hafen war ansonsten wirklich gut und günstig: 20€ die Nacht, inklusive Strom und Wasser. Das macht verkraftbare 4€ pro Person. So gefällt uns das 😊

 

Mit so viel Crew an Bord verfliegt die Zeit im Nu! Die Jungs gehen surfen, wir motzen Schironn wieder mit Wasser auf, waschen nach drei Wochen endlich mal wieder Wäsche, trödeln durch die Stadt, spielen mit den Hunden am Strand, kochen, spielen, Schnorcheln usw.

 

Hier auf Lanzarote gibt es unglaublich viele Rochen, sogar direkt in den Hafenbecken!!! Und in der ersten Ankerbucht sehen wir beim Schnorcheln sogar einen Hairochen. Riiiiiesen groß. Ich hab mich fast mehr erschrocken als wenn ich einen Hai gesehen hätte.

 

Unser Ankerplatz in Morro Jable war wiederum nicht so gemütlich. Viel Swell und Wellen, langer Dingi-Weg in den Hafen und tägliche monströse Express-Fähren aus Gran Canaria und Teneriffa. Als ich den einen Tag allein auf dem Schiff bin, kommt sogar einer vom Hafen im Speedboot herangefahren und macht mir hektisch zu verstehen, dass das Boot SOFORT hier weg muss, da die Fähre gleich mit hoher Geschwindigkeit kommt und wir nicht sicher stehen. 😳 Mmh, da ich alleine war, blieb mir allerdings nichts anderes übrig als zu warten und mit großen Augen zu gucken, ob die mich wirklich klein macht. Aber zum Glück hat sie knapp neben mir gedreht. So schlecht standen wir auf jeden Fall nicht und auch die nächsten Tage sind die Fähren problemlos neben uns in die Hafeneinfahrt manövriert.

 

In Morro Jable hat uns unsere Gastcrew wieder verlassen und zu zweit machen wir uns auf nach Gran Canaria. Las Palmas wird schon unserer letzter Stopp in diesem Jahr sein...

 


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