Zurück zum sizilianischen Festland: Marsala - Hafenleben und Reparaturen 

Nach dem wir uns einen Tag erholt haben, geht es zurück zum Festland von Sizilien. Der Hafen von Marsala ist unser nächstes Ziel. Die Segelbedingungen sind schon wieder nicht cool! Wir haben wieder zu wenig Wind und dümpeln so mit 3 Knoten durch die Gegend. Da bietet sich doch glatt an, etwas Neues auszuprobieren: Wir testen unseren Gennacker aus.

Der Gennacker ist ein Leichtwindsegel, dass uns eine riesen Segelfläche von 103,3 m2 bietet. Quasi die Grundfläche eines Einfamilienhauses J

 

Das Hochziehen des Segels klappt wunderbar und es sieht großartig aus mit seinen leuchtend blauen und roten Farben. Nur leider bringt es uns momentan kein Stück Geschwindigkeit. Wir genießen den Anblick eine Weile und freuen uns, dass wir das Segel richtig gut gehisst bekommen haben und machen uns dann auch gleich wieder daran, das Segel zu bergen. Auf Grund Ihrer Materialbeschaffenheit ist es bei den Leichtwindsegeln ganz wichtig, dass Sie nicht nass werden. Das bedeutet, dass man beim Bergen des Segels enorm vorsichtig sein muss. Eine Windböe und zack liegt das riesen Segel halb über Bord. Hierfür hat sich die Industrie aber etwas ganz nettes ausgedacht: den sogenannten Bergeschlauch. Man muss sich das vorstellen wie ein großes Kondom, dass über das Segel gezogen wird. Der Bergeschlauch kommt also von Oben über das Segel runter und schwupp die wupp hat man nur noch eine geschützte Segelwurst, die man einfach runter lassen kann. Richtig gut!

 

Wir haben also heute in der Segelschule Mittelmeer wieder richtig was gelernt, für unsere nächsten Segeljahre J

 

Die Windbedingungen bescheren uns dann zusätzlich noch ein gemütliches Pasta Mittagessen, welches wir auf Campingstühlen auf dem Dach von Schironn zu uns nehmen und gegen Nachmittag kommen wir in der Marina von Marsala an. Wir ankern vor den Toren der Marina, so dass Sven und ich mit dem Dingi an Land fahren können, um uns dort einen günstigen Marinaplatz zu organisieren. In der ersten Marina treffen wir auf einen waschechten italienischen Mafiosi. Naja, also in meiner Vorstellung sieht ein italienischer Mafiosi genauso so aus und benimmt sich genau so. Letztendlich war es wahrscheinlich nur sein unglaublich böser Blick, seine Zigarre und seine Aura, die ihn für mich zu dem Bilderbuch Mafiosi machen. Anyway, der Liegeplatz soll hier 70€ die Nacht kosten. Wir sind nicht überzeugt und spazieren ein Stück die Straße runter. Es stinkt hier bestialisch! Es scheint, als würde Kloake angespült werden. Widerlich! Aber die Angler sitzen zwischendrin, als wäre nix. Oh ha, ich hoffe, wir sind nicht geruchstechnisch irgendwann so abgestumpft wie die hier!

 

Der nächste Hof, bei dem wir fragen, ist eigentlich eine Bootsvermietung. Aber fragen kostet ja nix. Der Bootsjunge, der gerade die Hecke schneidet, zeigt zu einem Fenster auf etwa 4 Meter höhe hin. Dort erscheint ein nett aussehender Mann und nimmt die Kommunikation auf. Er möchte, dass wir nach Oben kommen. Oben bedeutet, quasi in sein Büro, dass sich über der Bootswerkstatt befindet. Uns erwartet, ein Zigarre rauchender Italiener und seine Zigarette rauchende Assistentin. Hihi, voll siebziger dieses Gerauche Sie kann minimal englisch und versucht unser Anliegen zu vermitteln. Ein Liegeplatz? KLAR! Natürlich! 4 Nächte? Klar, 160€!

 

Okay, Sympathie und Preis sind sehr überzeugend, so dass wir den Rückweg zum Boot antreten. Natürlich nicht ohne dem Mafiosi Bescheid zu geben, dass wir doch nicht kommen. Uiuiui, nun werden wir nicht mal mehr eines Blickes gewürdigt. Haha ;)

 

Zurück beim Boot, holen wir den Anker hoch. Als er an die Wasseroberfläche kommt, ist Maik plötzlich vollkommen aus dem Häuschen. Wild gestikulierend, schreit er: „Oh mein Gott, was haben wir denn da am Anker? Stopp. Alles stopp. Was ist das?"

Ohne scheiß, ich dachte, wir ziehen da gerade ne Leiche hoch. Aber es ist eigentlich noch besser: unser Anker hat sich genau in einen Autoreifen festgesetzt. Und zwar einem LKW Reifen. Er ist riesig und voll mit Schlick, Pflanzen und Meerwasser. Wie kann ein Anker so perfekt in einen Autoreifen reingehen? Wahnsinn!!!!

Ja, irgendwas ist ja echt immer!

 

Sven will ihn mit in den Hafen nehmen, aber wir anderen sind uns alle einig: dieser Reifen muss auf jeden Fall weg, bevor wir irgendwo hingehen.

 

Zwischen Zorn und Lachtränen bewegen sich unsere Emotionen während wir unter Schwerstarbeit versuchen dieses scheiß riesen Ding irgendwie ab zu bekommen. Anker etwas runter, gegen den Reifen drücken, Anker hoch, Anker drehen, Reifen maltretieren... Es dauert sehr lange, aber wir kriegen Ihn schlussendlich unter Jubelgeschrei von unserem Anker frei.

Alter, wir wollten doch nur kurz ankern...

 

Aber im Hinterkopf bleibt folgendes: Maik ist wirklich gut darin, Dinge über Bord zu werfen, also nicht zu werfen sondern zu verlieren. Und jedes Mal wenn er etwas aus Versehen an den Ozean verloren hat, gibt ihm der Ozean aus heiterem Himmel irgendetwas zurück. Er hat so einen Schnorchel gegen eine Badehose getauscht und einen Gummieimer gegen einen Dingianker. Kurz bevor wir den Anker hoch holen wollen, wirft er unser Fernglas über Bord. Okay, wir waren echt unzufrieden mit dem Fernglas, aber ein Tausch gegen einen LKW Autoreifen? Haha. Wir sind gespannt, welche Tauschgeschäfte beim nächsten Besuch von Maik getätigt werden ;)

 

Das Anlegemanöver im Hafen ist dann, naja, sagen wir „hektisch“. Aber das ist die Segelschule. Aus Dingen, die noch nicht so gut laufen, wird gleich fürs nächste Mal die Lehre gezogen. Irgendwann fängt jeder mal an. Und wir tun es halt gleich auf dem großen Ozean mit realen Marinas, Strömungen und Winden.

 

Nächstes Mal wird es besser, übernächstes Mal wird es gut und dann lachen wir über unsere heutige Hektik. Ich mag das, dass wir diesen Prozess haben, dass alles so neu ist und dass alles noch nicht perfekt läuft. Ich mag lernen und neuen Input in mich aufsaugen.

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