Leinen Los

Am 1.September 2015 um 9 Uhr morgens heißt es „Leinen los“, adios Licata und adios Leben an Land. Ich glaube, wir sind alle mega aufgeregt darüber, dass es nun endlich losgeht, aber ich bin ganz besonders hippelig und sehe dem neuen Leben als Captain Sarah gespannt entgegen.

Seit dem wir das erste Mal hier in Licata waren sind nun genau 5 Monate vergangen. Damals waren wir für eine Nacht hier und haben noch am Abend beim Abendessen mit den Vorbesitzern unseres Katamarans den Kauf per Handschlag eingeleitet. Wenn ich jetzt an diesen Tag zurück denke, finde ich es immer noch verrückt, dass wir von heute auf morgen einen Katamaran angeguckt und gekauft haben. Wir hatten noch nicht mal Zeit für eine Probefahrt. Aber, wenn ich sage „verrückt“, meine ich nicht, dass es sich komisch angefühlt hat oder sich immer noch komisch anfühlt. Es ist eher so, dass alles so verrückt gepasst hat. Innerhalb von einer Woche haben sich so viele Ereignisse überschlagen, die uns alle eindeutig zu diesem Katamaran und zu dem neuen Leben geschubst haben. Ich habe das Gefühl, als hätte es keine andere Option geben können, als die Arbeitslosigkeit ab Juni für einen neuen Lebensabschnitt auf unserem Katamaran zu beginnen. Und wenn dann auch noch die Besitzerin des Katamarans, beim symbolischen Handschlag, Tränen in den Augen hat, uns in die Arme fällt und sagt, dass wir genau die Richtigen für Ihren Katamaran sind und, dass es wohl Schicksal sein muss, dann kann es nur richtig sein, was wir machen.

 

Nach dem kurzen Aufenthalt im März, waren wir im Juni noch zwei Wochen in Licata, um die Bootsübergabe zu komplementieren, das Boot inklusive dem Interieur kennenzulernen und die ersten Probefahrten zu machen.

 

Wir haben also jetzt insgesamt an die drei Wochen in Licata gelebt. Nach drei Wochen kennt man so ein kleines Provinzdörfchen schon sehr gut. Insbesondere, da die Marina scheinbar das beliebteste Ausflugsziel der Einheimischen ist. Jeden Sonntag, bzw. in den Ferien sogar jeden Tag(!) ist abends die Hölle los auf dem Pier. Wir nennen es „die Ameisenstraße“. Es sind sooo viele Familien, Pärchen und Jugendliche unterwegs. Alle sind sie schick rausgeputzt und wahnsinnig langsam und gesprächig unterwegs.

 

Wir fühlen uns ein bisschen wie im Zoo. Denn man muss wissen, dass es zwei parallel zueinander verlaufende Wege gibt. Die Wege sind durch eine kniehohe Hecke voneinander getrennt. Der eine Weg ist nur den Yachtbesitzern vorbehalten, der andere ist der öffentliche Weg. Von den Booten werden von der anderen Seite der Hecke massig Fotos geschossen, Kindern werden wild gestikulierend Dinge über die Boote erklärt, Pärchen starren verträumt rüber. Auch für Hochzeiten sind wir eine gern genutzte Fotokulisse. Das paradoxe an der Sache ist irgendwie, dass die Leute alle so schick aussehen und die Segler in der Regel in Badehose oder Bikini rum hantieren.

 

Unser Versuch, sich in den Strom der Ameisenstraße einzureihen und mit Ihr im gleichen Tempo zu spazieren, ist leider komplett gescheitert. Es hat drei Schritte gedauert und wir hatten bereits die halbe Ameisenkolonie überrundet, zudem kamen wir uns sehr komisch vor, plötzlich mitten in der Unterhaltung stehen zu bleiben, um mit den Händen dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Wir haben an unseren Spaziergang noch gleich ne ganze Stadttour ran gehängt und waren schlussendlich trotzdem noch schneller als die Pierreisenden Naja, aber man kann nicht sagen, dass wir es nicht versucht haben. ;).

 

Auf jeden Fall haben wir uns von Anfang an hier wohl gefühlt und können uns keinen besseren Starthafen denken. Da der Liegeplatz von den vorherigen Besitzern bis zum 1.September bezahlt ist, nutzen wir aber nun die Gelegenheit, den Absprung zu tätigen.

 

Unser erstes Ziel ist eine Ankerbucht in etwa 30km Entfernung, Richtung Westen versteht sich. Das Ablegen klappt wunderbar und die Marina entfernt sich mehr und mehr. Endlich sind wir wieder auf den Weiten des Ozeans unterwegs. Nur leider zeigt sich der Mittelmeerwind von seiner faulen Seite und bläst sehr schwach. Zum Segeln lernen, eigentlich gar nicht so schlecht. Ganz in Ruhe können wir die Segel hissen und trimmen. So prägen sich die Handgriffe schnell ein und wir geraten dabei nicht in Hektik, weil der Wind uns die Segel um die Ohren knallt.

 

Gegen Nachmittag erreichen wir schon unsere erste Ankerbucht.

 

Für die ersten 2-3 Wochen haben wir Maik und Isi als Crew mit an Bord. Für uns ist das sehr nett, gleich Freunde dabei zu haben. Schließlich sind 8 Hände immer produktiver als 4 Hände und Unterhaltung ist sowieso immer gut. Und da die beiden auch nicht segeln können, haben sie keine Möglichkeit sich über irgendwas zu beschweren ;).

 

Das Ankern klappt dann auch perfekt. Die ganzen Youtube Tutorials waren wirklich hilfreich!! Der Anker sitzt bombenfest, wie die Jungs beim anschließenden Tauchen überprüfen.

 

Mit unserem Dingi, namens Dongo geht’s gleich an Land, um die wahnsinnig hübsche Szenerie zu erkunden. Direkt vor uns liegt ein verlassenes Steinhaus auf einem großen Kalkfelsen. Wir wandern und klettern für ein paar Stunden, ziehen uns etliche neue Verletzungen zu und fahren dann müde zurück aufs Boot.

 

Die Nacht ist relativ unruhig, da das Boot gut wackelt und Sven und ich, gerade jetzt zu Beginn extrem hellhörig sind. Schließlich schlafen wir mitten auf dem Meer. Da ist man irgendwie immer darauf gefasst, dass irgendwas passiert. Sitzt der Anker richtig? Was klappert da am Mast, hat der Wind schon wieder gedreht? Haben wir das Ankerlicht wirklich angemacht? Man wird einfach extrem sensibel und wachsam gegenüber allen Geräuschen. Schließlich kann es einem durchaus mal den Arsch retten, komische Geräusche frühzeitig wahrzunehmen. Denn irgendwas ist ja immer, wenn man auf einem Boot lebt, dass ist schon mal sicher ;).

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